Und sie hat es doch getan. Zeigte sich die Deutsche Börse lange standhaft gegen die Forderungen von außen, so ist sie doch schwach geworden und eingeknickt. In den vergangenen Wochen ist sie richtiggehend durch ein „Fegefeuer“ gegangen. Alle Welt hatte auf sie eingeprügelt mit der Forderung, endlich die „Penny Stocks“ von der Börse zu nehmen.
Nun hat sie klein beigegeben. Und das ziemlich inkonsequent. So will sie die „Billigaktien“ zwar vom Neuen Markt vertreiben, aber an ein wirkliches Delisting wagt sie sich nicht heran. Im Freiverkehr sollen die Werte eine neue Heimat finden. Was immer auch die Motivation für diesen Schritt also gewesen sein mag, der Anlegerschutz ist es nicht gewesen.
„Penny Stocks“ sind die Aufregung nicht wert
Denn wer soll die Anleger davon abhalten, ihre Spielwiese einfach zu verlagern und dort ihrer Leidenschaft zu frönen? Und überhaupt - was soll das Theater um die „Penny Stocks“? Über die kann sich doch nur ernsthaft aufregen, wer eine emotionale Bindung zu den Werten hat. Der nüchtern kalkulierende Anleger wird das wohl kaum sein. Der wusste schon länger, was hier ablief.
Vermutlich sind das eher die „Optimisten“, die dachten, mit dem Einsatz ihres bescheidenen Sparstrumpfes ohne großen Aufwand innerhalb kürzester Zeit mit großer Sicherheit zu einem großen Vermögen zu kommen. Die dürften wirklich enttäuscht sein. Und das zu Recht. Aber nicht über den Markt, der hier mit voller Brutalität dabei ist, die ökonomisch normalen Verhältnisse herzustellen, sondern über ihre eigenen Naivität. Beim Kauf eines Autos wird gefeilscht bis auf den letzten Cent - aber kaum werden überdurchschnittliche Gewinne versprochen, dann wirft man den dubiosesten Ideen das große Geld ohne lange zu überlegen hinterher.
Keine Rendite ohne Risiko
Jetzt, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, werden offensichtlich Sündenböcke gesucht. Da sich sonst alle mit windigen Argumenten herausreden, bietet die Deutsche Börse die größte Angriffsfläche. Und die wurde gerade in den vergangenen Tagen mit großen Kalibern beschossen. Fragt sich nur warum.
Hatte sie beim neuen Marktsegment nicht gerade Firmenneugründungen im Auge? Wollte sie nicht gerade für die die administrativen Hürden möglichst gering halten? War sie bei der Initiierung nicht für ihre Innovationskraft und Weitsicht gelobt worden? Hatten sich nicht viele im Glanz des Erfolges gesonnt? Bei aller Euphorie muss doch auch klar gewesen sein, dass das alles seinen Preis hat. Und das ist eben das Risiko, das ein Anleger eingehen muss, wenn er überdurchschnittliche Renditen erzielen will. Wer jetzt über Verluste jammert, der sollte sich eben künftig ans Sparbuch halten.
Natürlich mag es Betrügereien gegeben haben. Aber die sind eher ein Problem der Staatsanwaltschaft. Sie und eventuell der Gesetzgeber sind hier gefragt - und nicht die Börse. Sollte man Anleger von „Penny Stocks“ abhalten? Wieso - lässt sich dagegen fragen. Denn in einer Marktwirtschaft muss jeder wissen was er tut. Wenn nicht, wird er vielleicht aus Verlusten klug. Deswegen ist es schade, dass die Deutsche Börse doch noch eingeknickt ist.
