Angeblich ist der deutsche Sparer börsenscheu. Als er einmal vor mehr als zehn Jahren seine Leidenschaft für Aktien entdeckte, wurde er schwer dafür bestraft. Dennoch: Das Deutsche Aktieninstitut will ausgerechnet haben, dass die Zahl der deutschen Aktionäre binnen sechs Monaten um 1,5 Millionen gestiegen ist. Hat da jemand ein Umfrageergebnis zu optimistisch hochgerechnet? Ausgerechnet inmitten der größten Schuldenkrise seit fast einem Jahrhundert wenden sich die Deutschen wieder dem Risikopapier Aktie zu?
Was auf den ersten Blick verwundert, entbehrt nicht einer gewissen Logik. Die Schuldenkrise hat den Sparern teilweise schmerzhaft vor Augen geführt, dass selbst angebliche Witwen- und Waisen-Papiere schnell wertlos werden können. Und selbst wenn sie es nicht geworden sind, werfen sie inzwischen nur noch einen Zins ab, der vor und erst recht nach Steuern weit hinter der Inflation zurückbleibt.
Diese Inflation ist mit nicht einmal 2 Prozent derzeit noch ausgesprochen moderat. Jeder ahnt, dass es nicht dabei bleiben wird. Insofern ist eine Flucht in Sachwerte - und ein solcher ist die Aktie - nur konsequent. Aktien von Siemens, Allianz und Daimler haben schon Kriege und Währungsreformen überlebt.
