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Klimaschutz als Anlagetrend Rendite mit gutem Gewissen

12.11.2006 ·  Klimaschutz mausert sich zum Anlagetrend. Saubere Energie wird zum Milliardengeschäft, der Markt entwickelt sich rasant. „Die Antwort auf den Klimawandel heißt Handel.“

Von Thomas Schmitt
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„Die Antwort auf den Klimawandel heißt Handel.“ Mindestens 20 Millionen Euro will Dieter Rentsch mit diesem Slogan bis März bei Privatanlegern einsammeln. Der Chef der Fondsgesellschaft Aquila Capital zielt nicht nur auf Umweltfreunde. Sein bestes Argument sind Renditeprognosen von 12 bis 15 Prozent. Aus einem Mindesteinsatz von 15.000 Euro soll der „KlimaschutzInvest“-Fonds in sechs Jahren knapp 30.000 Euro machen. Steuerfrei. Das schaffen sonst nur Multimillionäre mit Spezialfonds, oder dubiose Geschäftemacher werben mit solchen Behauptungen. In beide Kategorien gehört der Hamburger Geschäftsmann mit seinem geschlossenen Fonds nicht.

Sein Unternehmen orientiert sich an amerikanischen Universitäten, deren Fonds seit Jahren zweistellige Renditen mit alternativen Anlagen erzielen, etwa Wald. Die Grundidee basiert auf den Mechanismen des Kyoto-Protokolls, das 167 Länder unterzeichnet haben, aber nicht die Vereinigten Staaten. Das Kyoto-Abkommen ist interessant für Anleger, weil es Anreize zum Geldverdienen bietet. Einer davon ist, zu verhindern, daß schädliche Gase überhaupt in die Luft gelangen. Da setzt Rentsch an. Er finanziert in Entwicklungsländern umweltfreundliche Projekte und erhält dafür Gutschriften, die Klimaschutzcredits.

Junger Klimamarkt entwickelt sich rasant

Wenn der Fonds etwa verhindert, daß aus einer Mülldeponie in Indien weiter Methan entweicht, wird dies durch Credits belohnt. Der Clou hierbei: Weil Methan 20 Mal schädlicher ist als Kohlendioxyd (CO2), werden auch 20 Mal mehr Gutschriften ausgestellt. Diese verkauft der Fonds für gutes Geld in den Industrieländern - etwa an Unternehmen, die mehr Kohlendioxyd in die Luft blasen, als sie dürfen. Der Handel mit Klimascheinen wird um so stärker zunehmen, je mehr Treibhausgase unerlaubt in die Atmosphäre gelangen. Denn dann müssen die Verschmutzer zum Ausgleich Emissionsrechte kaufen. Bereits heute würden Zertifikate von mehr als 200 Milliarden Euro gehandelt, sagt Rentsch. Er glaubt, daß Klimaschutzrechte künftig knapp bleiben werden.

Dann darf aber nicht wieder so eine Panne wie im Mai passieren. Da löste die Europäische Union einen Crash am CO2-Zertifikate-Markt aus, weil sie Emissionsdaten zu früh und unvollständig veröffentlichte. Investoren verkauften panikartig, die Preise der CO2-Zertifikate brachen ein. Dumm gelaufen, doch Anleger, die mit Rentsch 15 Prozent im Jahr verdienen wollen, müssen sich solcher Risiken bewußt sein - gerade im Klimamarkt, der jung ist, sich aber rasant entwickelt. Immer mehr Geld fließt hier hinein (siehe Grafik).

Heiße Sommer und gewaltige Unwetter wirken

Nicht erst die aktuelle Klimaschutzkonferenz in Nairobi und der aufrüttelnde Dokumentarfilm des ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore haben das Thema nachhaltiges Wirtschaften in die Köpfe gebracht. Auch heiße Sommer und gewaltige Unwetter haben gewirkt. In Deutschland fließt immer mehr Geld in Nachhaltigkeitsfonds. Ihr Volumen hat sich seit 2000 auf etwa 12 Milliarden Euro verzehnfacht, schätzt Thomas Bauer vom Informationsdienst Eco-Reporter.

Viele spezielle, auf den Klimaschutz bezogene Produkte sind noch in der Planung. Mehrere Klima-Aktienfonds kämen bald, heißt es in der Finanzbranche. Die Schweizer Swisscanto steht schon in den Startlöchern. Wer ganz schnell Geld einsammeln will, legt vorher ein Zertifikat auf. So verkaufen die Schweizer Bank Julius Bär und der Investmentberater SAM noch bis zum 17. November den „JB SAM Climate Change Basket“ für 100 Euro das Stück. Enthalten sind 16 Aktien, die jeweils mit 6,25 Prozent gewichtet sind und vier Strategien zugeordnet sind: saubere Technologie, natürliche Ressourcen, Mobilität und Schadensbegrenzung. Die Grundidee lautet: „Der Klimawandel findet statt. Diese Entwicklung ist bedauerlicherweise nicht mehr zu stoppen, aber sie ist noch zu begrenzen. Dies fördert die Entstehung von neuen Märkten und bietet innovativen Unternehmen ein attraktives Marktumfeld.“

„Das ist eine neue Vermögensklasse“

Das SAM-Zertifikat, das auf zwei Jahre angelegt ist, enthält natürlich Solarunternehmen wie Q-Cells oder Solarworld, aber auch den Autohersteller Toyota. Die Japaner seien unter anderem führend bei Fahrzeugen, die einen Elektro- und einen Verbrennungsmotor kombinierten, die Hybride. Das zeigt: Klimaschutz ist weit mehr als eine neue Mode, glauben die Macher. „Das ist eine neue Vermögensklasse“, sagt Markus Huewener, Geschäftsführer der Beratungsfirma 3c Climate Change Consulting aus Bad Vilbel. „Klimaschutzprodukte sollten künftig in keinem Portfolio fehlen.“ Auch Urs Landolt, Vermögensmanager der Schweizer Bank Sarasin, glaubt: „Das wird ein Megatrend.“ Seine Bank sammelt seit Jahren in Spezialfonds besonders saubere Unternehmen.

Daß es sich lohnt, in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen zu investieren, davon sind die Befürworter dieser Anlagestrategie fest überzeugt. Solche Unternehmen würden sich langfristig wesentlich besser entwickeln als der Durchschnitt. Henkel und Adidas seien zwei Beispiele für diese These, sagt Fondsmanager Pascal Schuler von Swisscanto. Die Schweizer Gesellschaft ist mehrfach dafür ausgezeichnet worden, daß sich ihre Nachhaltigkeitsfonds besser als der Vergleichsindex entwickelt haben.

Renditeprognosen zwischen acht und zehn Prozent

Das Depot bereichern könnten auch neuartige Spezialprodukte. So vermarktet Christian Röckemann gerade bei Großanlegern einen Waldfonds. „Wachsende Bäume speichern CO2 und wirken damit klimaverbessernd. Je schneller sie wachsen, um so mehr CO2 speichern sie“, sagt der Geschäftsführer der First Forest GmbH in München. Angesichts von Renditeprognosen zwischen acht und zehn Prozent sei das Interesse so groß, daß auch ein Angebot für Privatanleger auf den Weg gebracht werde.

Spekulanten können auch direkt mit den CO2-Zertifikaten zocken, die die Verschmutzer brauchen - entsprechende Produkte gibt etwa die Dresdner Bank heraus. Und Spieler finden vielleicht Gefallen an Cat-Bonds. Das sind Katastrophen-Anleihen von Versicherungen, die bis zu 15 Prozent bringen. Anleger wetten, daß ein Ereignis nicht oder nicht so stark eintritt. Falls doch, ist ihr Geld weg.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.11.2006, Nr. 45 / Seite 49
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