Home
http://www.faz.net/-gv6-tmow
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kapitalkontrolle Thailand reagiert auf Flucht vom Aktienmarkt

19.12.2006 ·  „Es wird ein Blutbad angerichtet.“ So kommentierte ein Händler die neuen Regeln, mit denen Thailand den Geldzufluß aus dem Ausland kontrollieren wollte. Nachdem der Leitindex um 15 Prozent eingebrochen war, wurden die Regeln zurückgenommen.

Von Steffen Uttich
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Ausländische Investoren haben am Dienstag auf neue Regeln zur Kapitalkontrolle in Thailand mit einer Flucht von der Börse in Bangkok reagiert. Der Leitindex Set stürzte zeitweise um 20 Prozent ab, was Erinnerungen an die asiatische Finanzkrise Ende der neunziger Jahre aufkommen ließ. Zum Handelsschluß war dann das Bild mit einem Minus von 15 Prozent nur unwesentlich besser. „Die von der thailändischen Regierung angekündigten Maßnahmen, mit denen der Aufwertung des Baht Einhalt geboten werden soll, können nur als unglücklich bezeichnet werden“, kommentierte die Fidelity-Fondsmanagerin Gillian Kwek den Kursrutsch. Weniger zurückhaltend fiel der Kommentar eines Händlers aus: „Ruft den Krankenwagen, es wird ein Blutbad angerichtet.“

Am Montag hatte die thailändische Zentralbank weitgehende Regeln zur Kontrolle kurzfristiger Geldzuflüsse bekanntgegeben. Danach mußten ausländische Investoren 30 Prozent ihres eingesetzten Kapitals, das sie in die Landeswährung Baht transferieren, für ein Jahr zinslos auf einem Konto einfrieren. Das hätte bedeutet, daß sie nur noch über 70 Prozent ihres eingesetzten Kapitals frei verfügen können. Außerdem wurde ein Strafzins von 10 Prozent eingeführt, wenn in Thailand angelegtes Kapital innerhalb eines Jahres wieder abgezogen wird. Mit diesen neuen Vorschriften sollte der Aufwertung des Baht begegnet werden, die exportorientierte Unternehmen zunehmend unter Druck gesetzt hatte. Die Gouverneurin der Zentralbank, Tarsia Watanagase, sprach von einem deutlichen Anstieg spekulativer Gelder in den vergangenen Wochen.

Kopfschütteln statt Erleichterung

Von der Marktreaktion am Tag danach zeigte sich die thailändische Regierung jedoch beeindruckt. Drei Stunden nach Handelsschluß machte die Nachricht die Runde, daß die Vorschriften wieder gelockert werden. Der Aktienmarkt sei ab Mittwoch von den Maßnahmen ausgeschlossen, verkündete schließlich Finanzminister Pridiyathorn Devakula im Fernsehen. Ausländische Anleger könnten damit Aktien wieder ohne jede Begrenzung handeln. Diese Kehrtwende sorgte bei den Betroffenen weniger für Erleichterung, sondern vielmehr für Kopfschütteln.

Die Vorgänge um die Kapitalkontrolle sind der zweite Schock, den das südostasiatische Land ausländischen Investoren in diesem Jahr bereitet hat. Erst im September hatte ein Militärputsch für Verunsicherung gesorgt. Damals erholten sich die Kurse aber rasch wieder. Diesmal sei nicht mit einer schnellen Erholung zu rechnen, hieß es bei einer Frankfurter Fondsgesellschaft nach der Kehrtwende des Finanzministeriums: „So kann man nicht mit internationalen Anlegern umspringen.“ Ein Mindestmaß an Verläßlichkeit sei notwendig, in diesem Fall jedoch verlorengegangen. Deshalb werde das am Dienstag abgezogene Geld auch nicht sofort wieder zurückfließen.

Quelle: F.A.Z., 20.12.2006, Nr. 296 / Seite 21
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1970, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

Jüngste Beiträge

25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%