19.12.2007 · Commerzbank-Stratege Hans-Jürgen Delp hält ein Ende der jahrelangen Aktien-Hausse nicht für ausgeschlossen. Sein bevorzugtes Szenario sieht aber eine Fortsetzung der Aufwärtsentwicklung im kommenden Jahr vor.
Commerzbank-Stratege Hans-Jürgen Delp hält ein Ende der jahrelangen Aktien-Hausse nicht für ausgeschlossen. Sein bevorzugtes Szenario sieht aber eine Fortsetzung der Aufwärtsentwicklung im kommenden Jahr vor.
Der Dax hat sich im Jahresverlauf nicht über 8000 Punkte halten können. Sehen wir nur eine vorübergehende Korrektur einer jahrelangen Hausse oder stehen wir vor einer grundlegenden Neubewertung am Aktienmarkt?
Das ist die Gretchenfrage, die jetzt schwer zu beantworten ist.
Warum?
Weil wir uns in einem fragilen Gleichgewicht befinden. Es besteht eine Chance, dass eine Rezession in den Vereinigten Staaten verhindert werden kann, da die Fed ihre Zinsen weiter senken dürfte. Die Fed kann sich nicht nur um das Preisniveau und das Wirtschaftswachstum kümmern, sondern muss angesichts der Finanzmarktkrise die Funktionsfähigkeit des Bankensystems gewährleisten. Eine Leitzinssenkung um 50 Basispunkte ist notwendiger denn je. Auch werden die Schwellenländer das Wirtschaftswachstum in der Welt stützen. Dann können sich die Aktienmärkte nach einer Phase der Unsicherheit im Verlauf des kommenden Jahres wieder erholen.
Wie schätzen Sie in einem solchen Fall das Potential des Dax ein?
Die deutschen Unternehmen sehen insgesamt sehr gut aus. In unserer Prognose wird sich das Wirtschaftswachstum, wenn auch etwas verlangsamt, fortsetzen. Die Inflationsrate dürfte wieder etwas zurückgehen. Die Europäische Zentralbank könnte schon Mitte 2008 beginnen, ihre Leitzinsen zu senken, auch wenn gegenwärtig die "Falken" im Zentralbankrat für eine Zinserhöhung plädieren. Allerdings sind die aktuellen Gewinnschätzungen für die deutschen Unternehmen für 2008 noch zu hoch. Bislang erwartet man einen Zuwachs der Unternehmensgewinne um 10 Prozent - realistisch ist eher eine Zuwachsrate im hohen einstelligen Bereich.
Und was heißt das konkret?
Wir dürften wegen der Unsicherheit über die Konjunktur und die Finanzmarktkrise zunächst einmal eine Saure-Gurken-Zeit erleben. Eine Jahresendrally halte ich daher für wenig wahrscheinlich. Aber im Verlauf des kommenden Jahres dürfte der Dax gegenüber seinem heutigen Stand um 10 bis 15 Prozent zulegen.
Welche Branchen sind attraktiv?
Wir sind im Moment defensiv eingestellt. Wir bevorzugen Versorger-, Telekom- und Pharmawerte mit soliden Wachstumsaussichten. Außerdem schauen wir uns Branchen an, in denen es 2008 Fusionen und Übernahmen geben dürfte. Insgesamt wird es wieder verstärkt strategische Übernahmen durch Unternehmen geben. Auf jeden Fall kommen Unternehmen gegenüber Private Equity stärker zum Zuge, die unter erschwerten Finanzierungsbedingungen leiden - aber auch Staatsfonds wie aktuell Abu Dhabi bei der Citigroup und China bei Fortis.
Woran denken Sie dabei?
Wir erwarten weltweit eine weitere Konzentration in Branchen wie den Rohstoffen und der Pharmaindustrie. Zusammenschlüsse könnte es auch in der Finanzbranche geben, dort allerdings durch die gegenwärtige Krise bedingt.
Wie sieht es mit den Aktien deutscher Banken und Versicherungen aus?
Ich halte es noch für zu früh, Finanztitel zu kaufen, auch wenn die Kurse stark zurückgegangen sind. Vermutlich wird erst die Veröffentlichung der Jahresergebnisse 2007 im kommenden Frühjahr zeigen, welche Spuren die Finanzmarktkrise hinterlassen hat. Daher wird man sich Finanztitel erst wieder ab dem zweiten oder dritten Quartal des kommenden Jahres genauer ansehen. Aus langfristiger Sicht halten wir besonders die Aktie der Allianz für attraktiv. Insgesamt: Ohne Bodenbildung bei den Banken wird es keinen nachhaltigen Aufschwung an den Aktienmärkten geben können.
Der M-Dax hat zuletzt schlechter abgeschnitten als der Dax. Taugen die kleinen Unternehmen nichts mehr?
Nein, davon kann keine Rede sein. Aber in einer Phase der Unsicherheit wie heute bevorzugt man große Unternehmen, weil sie in der Regel stabiler sind als kleine. Das ist ein reines Vorsichtsargument. Es gibt immer Titel kleiner Unternehmen, die gute Chancen bieten und die sich als Depotbeimischung eignen. Wir zum Beispiel haben eine gewisse Vorliebe für United Internet.
Wie beurteilen Sie die Aktienmärkte in Schwellenländern wie China? Manche Experten sehen dort eine Blase, die bald platzen könnte.
So etwas haben wir auch schon früher gehört, zum Beispiel von Alan Greenspan. Diese Märkte sind natürlich sehr volatil, weil die Kapitalmärkte oft noch nicht richtig entwickelt sind. Aber diese Volkswirtschaften - ich nenne nur China und Indien - sind sehr prosperierend und sollten daher langfristig in jedem Depot vertreten sein. Wir raten allerdings nicht zum Kauf einzelner Aktien, sondern empfehlen von Spezialisten gemanagte Schwellenländerfonds.
Lassen Sie uns über Anleihen reden.
Ich gebe zu: Ich bin ein Aktienmann durch und durch. Aber auch ohne diese Befangenheit und die aktuellen Schwierigkeiten durch die Finanzkrise wird 2008 eher ein Aktienjahr werden.
Aber viele Privatanleger kaufen lieber Anleihen als Aktien.
Ja, klar. Aber die Renditen sind nun einmal sehr niedrig. Die langfristigen Renditen dürften nach unserer Prognose in den kommenden Monaten erst einmal noch weiter zurückgehen und dann im Verlauf des kommenden Jahres wieder deutlicher steigen. Am geeignetsten erscheinen mir, wenn überhaupt, heute Papiere mit drei- bis fünfjährigen Restlaufzeiten. Den Kauf von Papieren mit längeren Laufzeiten sollte man noch zurückstellen.
Im laufenden Jahr konnte man viel Geld mit Edelmetallen und Rohstoffen verdienen. Geht das so weiter?
Wir haben seit zwei Jahren Anlagen in Rohstoffen empfohlen, vor allem in Form von Fonds. Der Preis für ein Barrel amerikanisches Leichtöl dürfte in der nächsten Zeit die Marke von 100 Dollar überschreiten, auch wenn das kurzfristig überzogen erscheint. Aber auf lange Sicht werden die Rohstoffpreise als Folge des Wirtschaftswachstums in der Welt weiter steigen. Rohstoffe bleiben eine interessante Alternative für das Depot
Gilt das auch für Edelmetalle?
Gold hat wegen der Schwäche des Dollar in der letzten Zeit seine Funktion als "sicherer Hafen" für Anleger wiedergefunden. Auf Sicht eines Jahres erwarten wir einen weitgehend stabilen Goldpreis.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |