Die führenden Risikoaufseher im Verwaltungsrat der amerikanischen Großbank JPMorgan Chase & Co. können auf ein recht buntes Berufsleben zurückblicken. Eine von ihnen ist Direktorin des American Museum of Natural History, die beim Versicherer American International Group (AIG), der im Herbst 2008 vom Staat gerettet werden musste, in einem Führungsgremium saß. Ein anderer ist der Enkel eines Milliardärs, und ein weiterer leitete früher ein Unternehmen, das unter anderem Arbeitsstiefel herstellt.
Das Trio im Einzelnen: Der 58 Jahre alte James Crown, der vor mehr als einem Vierteljahrhundert einmal an der Wall Street beschäftigt war, leitet die Investmentfirma Henry Crown & Co. in Chicago und gehört dem Verwaltungsrat des Rüstungskonzerns General Dynamics Corp. an. Er überwacht ebenso das Risikomanagement von JP Morgan wie Ellen Futter und David Cote. Die 62 Jahre alte Futter ist Präsidentin des American Museum of Natural History in New York, und Cote ist der Vorstandsvorsitzende vom Mischkonzern Honeywell International Inc. Sieben Mal hat sich das Gremium im letzten Jahr getroffen. Die letzte personelle Veränderung lag im Jahre 2008.
Erfahrene Manager fehlen
Was im Risikomanagement der größten Bank in den Vereinigten Staaten eher fehlt - und das unterscheidet JP Morgan von ihren wichtigen Konkurrenten - sind erfahrene Manager, die bei Banken gearbeitet haben und sich im Umgang mit finanziellen Risiken auskennen. Das einzige Mitglied mit Erfahrung an der Wall Street, James Crown, ist seit 25 Jahren nicht mehr in der Finanzindustrie tätig gewesen.
„Ich finde es schwer zu glauben, dass hier Leute sitzen, die für die Aufgabe gut geeignet sind“, sagte Finanzprofessor Anat Admati von der Stanford University, ein ausgewiesener Spezialist für Fragen der Unternehmensführung. Beim Management der Risiken von JP Morgan handele es sich schließlich um eine gewaltige Aufgabe. Im Branchenvergleich leistet sich nur noch die Bank of America eine vergleichbar kleine Risikomanagementabteilung wie JP Morgan.
Spätestens seitdem CEO Jamie Dimon am 10. Mai den gewaltigen Handelsverlust von mindestens 2 Milliarden Dollar beim Geschäft mit Kreditderivaten offengelegt hatte, befindet sich die Bank in einer Art Ausnahmezustand. Der Aktienkurs der Bank mit Sitz in New York ist seitdem um 17 Prozent eingebrochen. Rund ein halbes Dutzend Behörden ermitteln mittlerweile in der Sache - darunter das Justizministerium in Washington und die amerikanische Börsenaufsicht SEC.
Es begann mit Händlern in der Londoner Niederlassung, die sich um überschüssige Liquidität kümmern sollen. Sie veranlassten Wetten auf Kreditderivate. Die Leiterin der Abteilung, Ina Drew, trat wegen der Verluste zurück. Dimon hatte die Abteilung von einem beschaulichen Rentenhandel für Staatsanleihen zu einem Profitcenter mit wachsendem Hang zu exotischen und spekulativen Wetten gemacht.
Im Spielkasino ist keine Qualifikation erforderlich
Thomas Böhm (Thomasbaerboehm)
- 28.05.2012, 15:53 Uhr
Unbefangenheit!
Joachim Schroeder (Pequod)
- 26.05.2012, 10:17 Uhr
Qualifizierte Leute wären von Nachteil.
Ulrich Hinderer (tiger_78)
- 26.05.2012, 03:29 Uhr
Meine Güte!
Thomas Mirbach (lurkius)
- 26.05.2012, 00:55 Uhr
Hinweis
Frieder Sudermas (Frisu)
- 25.05.2012, 23:45 Uhr
