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John Paulson : Der Finanzkrisen-Profiteur muss Steuern zahlen

Hedgefondmanager John Paulson muss tief in die Tasche greifen: Rund eine Milliarde Dollar will das amerikanische Finanzamt von ihm haben. Bild: dpa

An der Finanzkrise verdiente der Hedgefonds-Manager John Paulson vier Milliarden Dollar. Jetzt bekommt der Staat seinen Teil vom Geld.

          John Paulson hat sich in der Finanzkrise einen Namen gemacht – beliebt wurde er allerdings nicht unbedingt: Er hatte darauf gewettet, dass arme Amerikaner ihre Hypotheken-Kredite nicht zahlen können. Genau das war das Problem vor der Finanzkrise: Zu viele Amerikaner hatten zu hohe Schulden aufgenommen und konnten sie nicht mehr begleichen. Als die Blase platzte, kamen die Banken in Bedrängnis – und Paulson wurde reich.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Jetzt allerdings stellt der amerikanische Hedgefond-Star einen neuen Rekord auf: Er bekommt den höchsten Steuerbescheid, den je eine Privatperson erhalten hat. Wie das „Wall Street Journal“ unter Hinweis auf Firmeninsider berichtet, muss Paulson der Bundessteuerbehörde der Vereinigten Staaten bis zum 17. April Steuern in Höhe von etwa einer Milliarde Dollar zahlen. Schon im vergangenen Jahr hatte er ungefähr 500 Millionen Dollar entrichtet. Diese enormen Summen übersteigen sogar den Höchstbetrag von 99.999.999 Dollar, den ein Steuerzahler mit einem einzigen Check beim IRS begleichen darf.

          Mit seiner großen Wette hatte Paulson für seinen Fonds 15 Milliarden Dollar Gewinn gemacht, und zirka 4 Milliarden für sich selbst. Laut Firmeninsidern verschob er einen Großteil der Steuern auf diese Gewinne um mehrere Jahre, indem er Steuerregeln nutzte, die damals Hedgefonds-Managern zur Verfügung standen. Doch jetzt ist die Rechnung fällig.

          Am 17. April ist Zahltag

          Für den 62 Jahre alten Paulson ist es zwar kein Ding der Unmöglichkeit, die 1,5 Milliarden hohe Steuerrechnung zu begleichen. Ganz so flüssig wie in berauschenden Tagen des Jahres 2008 ist er aber auch nicht mehr. Nach einer Kette schlechter Ergebnisse, einer misslungenen Wette auf Pharma-Aktien und dem Verlust einiger Kunden hat Paulson verschiedene Investments verkauft, um seine Rechnung zu bezahlen. Er ist auch dabei, Kosten zu senken und seinem Unternehmen eine Schrumpfkur zu verpassen – inklusive leitende Wertpapierhändler zu feuern.

          Noch vor sieben Jahren verwaltete Paulson ein Vermögen von 38 Milliarden Dollar und zählte fest zur Elite an der Wall Street, heute verwaltet seine Fondsgesellschaft Paulson & Co. weniger als 9 Milliarden Dollar Vermögen. Das meiste davon seien Paulsons eigene Vermögenswerte, sagen die dem Unternehmen nahestehenden Personen. Aus diesem Grund trifft die durch die Steuerbehörde gesetzte Deadline den Fondsmanager besonders schmerzlich. Paulson selbst lehnte eine Stellungnahme zu dem Thema ab.

          Wie die meisten Hedgefonds erhebt Paulson & Co. Erträge aus Gebühren, die bis zu 20 Prozent der Gewinne betragen, die für die Investoren erzielt wurden. Jahrzehntelang erlaubten es die Finanzbehörden den Hedgefonds, den Empfang dieser Erträge zu verzögern. Doch eine 2008 vom Kongress beauftragte Steueränderung gab Paulson und den anderen Hedgefonds-Managern bis zum diesjährigen amerikanischen Tag der Steuer am 17. April Zeit, um Steuern auf Gewinne zu entrichten, die vor der Gesetzesänderung erzielt wurden. Zu den anderen Hedgefonds-Managern, die sich auf horrende Steuernachzahlungen einstellen müssen, zählen Steven Cohen, David Einhorn und Daniel Loeb. Auch von ihnen wollte sich niemand dazu äußern.

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