Herr O'Neill, Sie sind der Erfinder der BRIC-Idee. Werden die BRIC-Staaten auch künftig die führenden Schwellenländer sein?
Von ihrer Größe her werden sie sicher die wichtigsten Schwellenländer bleiben. Bereits 2015 werden sie in ihrer Gesamtheit größer sein als die Wirtschaft der Vereinigten Staaten. Bei den Wachstumsraten werden andere Länder in den Mittelpunkt rücken. Zum Beispiel Indonesien, das in diesem Jahrzehnt um voraussichtlich sechs Prozent jährlich wächst, mehr als Russland und Brasilien. Und Nigeria und Vietnam dürften mit 7,5 Prozent fast so stark wachsen wie China.
Sollten das auch die Favoriten für Anleger sein?
Ich bin sehr angetan von Mexiko. Das Land wird als Produktionsstandort immer wettbewerbsfähiger, weil der Transport zu den Kunden in den Vereinigten Staaten wegen der räumlichen Nähe günstig ist und China seinen Preisvorteil etwas verliert. China dürfte trotzdem künftig für Anleger wieder interessant sein, obwohl es in den vergangenen Jahren enttäuscht hat.
Warum?
Weil jetzt alle erwarten, dass das Wirtschaftswachstum sinkt und daher auf andere Länder setzen. Ich glaube aber, dass China das niedrigere, aber gesündere Wachstum mit weniger Inflation guttut. Das Land kann nun wieder positiv überraschen, was in den vergangenen Jahren schwierig war.
Und welche der wichtigen Schwellenländer werden weniger erfolgreich sein?
Südkorea, denn es altert sehr stark, was die Wachstumsraten drückt, in den nächsten zwei Jahren auch die Türkei, die aber langfristig wieder interessant ist.
Gibt es Länder, die bald zur Spitzengruppe der Schwellenländer hinzustoßen werden?
Unserer Meinung nach in diesem Jahrzehnt nicht. Aber danach könnten Ägypten, Nigeria und auch Iran stark aufholen.
Wie würden Sie in Schwellenländer investieren?
Über Aktien. Sie sind günstig bewertet. Daher ist derzeit ein guter Zeitpunkt, sie zu kaufen. Die Konjunktursorgen vieler Anleger teile ich nicht. Bei Anleihen ist der Renditevorsprung zu den Industrienationen schon sehr gesunken.
Wie viel Gewinn können Anleger in den nächsten Jahren erwarten?
Ich glaube, dass Aktien aus Schwellenländern in den kommenden Jahren zweistellige Gewinne abwerfen können.
Welche Branchen präferieren Sie?
In China auf jeden Fall konsumnahe Unternehmen. Denn das Land wandelt sich gerade von einer Exportnation zu einer am Binnenmarkt ausgerichteten Nation. Die Menschen werden wohlhabender und konsumieren mehr.
Ist es auch interessant, in deutsche Aktien zu investieren, die von den Schwellenländern profitieren?
Ja, das wird auch künftig attraktiv sein. Deutschland ist sozusagen das BRIC-Land in der entwickelten Welt. Seine Exportfirmen werden am Boom in den Schwellenländern weiter gut verdienen, vor allem konsumnahe Branchen wie die Autobauer, aber auch der Maschinenbau profitiert. Genauso wie europäische Luxusgüterhersteller.
Das Gespräch führte Dyrk Scherff.
