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Niedrigeres Wachstum : Kalte Dusche für Japans Hoffnungen

Japans Regierungschef Shinzo Abe muss eingestehen, dass das Land wirtschaftlich nicht so schnell vorankommt, wie geplant. Bild: AFP

Japans Wirtschaft ist im zweiten Quartal bei weitem nicht so stark gewachsen wie zunächst berechnet. Die Unternehmen investieren deutlich weniger als vermutet. Das ist ein Misstrauensvotum für die Abenomics.

          Die Konjunkturhoffnungen, die manche Beobachter mit den Mitte August vorgelegten ersten Wachstumsdaten Japans für das zweite Quartal verbanden, sind keine vier Wochen später verflogen. Die Regierung setzte am Freitag die Schätzung für das Wirtschaftswachstum im Zeitraum von April bis Juni deutlich herab. Statt einer Wachstumsrate von 1 Prozent gegenüber dem Vorquartal nennt das Kabinettsbüro jetzt nur noch ein Plus von 0,6 Prozent.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das ist kein schlechtes Ergebnis. Stärker wuchs die Wirtschaft zuletzt vor zwei Jahren. Auch gilt weiterhin, dass mit sechs Wachstumsquartalen nacheinander Japan sich so gut entwickelt wie seit 2005/06 nicht mehr. Dennoch kommt die Revision wie eine kalte Dusche.

          Das liegt vor allem daran, dass das niedrigere Wachstum weitgehend in schwächeren Investitionen der Unternehmen gründet. Seit der ersten Wachstumsschätzung Mitte August hatte das Finanzministerium neue Statistiken zur Finanzlage der Unternehmen vorgelegt. Diese sind nun in die Gesamtstatistik eingearbeitet und zeigen ein ernüchterndes Bild.

          Danach wuchsen die Anlageinvestitionen der Unternehmen zuletzt nur um 0,5 und nicht wie zuerst gemeldet um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Auch am Jahresbeginn investierten die Unternehmen schon weniger als zuvor angenommen. Die erhoffte Beschleunigung der nur moderat wachsenden Investitionen verschiebt sich damit weiter in die Zukunft.

          Die Zurückhaltung bei den Investitionen ist umso bemerkenswerter, weil die Unternehmen nach einem Rückschlag im Jahr 2015 ihre Gewinne seither wieder deutlich steigerten. Die Unternehmen erwirtschaften schon seit längerem mehr als der Hochstand vor der Finanzkrise 2008/09 und haben ihre Margen gesteigert. Dass sie dennoch nur sehr zögerlich investieren deutet darauf hin, dass es in den Chefetagen nur ein geringes Vertrauen in die längerfristigen Wachstumsaussichten Japans gibt. Man muss das als Misstrauensvotum für die Wirtschaftspolitik der Regierung, die Abenomics, lesen.

          Quelle: FAZ.NET

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