Home
http://www.faz.net/-gv6-t1zp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

IWF-Halbjahresbericht Währungsfonds befürchtet Turbulenzen am Finanzmarkt

12.09.2006 ·  Die Gefahr von Turbulenzen an den Finanzmärkten ist gestiegen, warnt der Internationale Währungsfonds. Die Märkte könnten heftig reagieren, falls die Inflation oder die Ölpreise unerwartet stiegen oder die amerikansiche Wirtschaft unerwartet schnell abkühle.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Der Internationale Währungsfonds (IWF) befürchtet eine steigende Gefahr von Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten. Vertreter des Fonds warnten zum Auftakt der Herbsttagung von IWF und Weltbank in Singapur, das Risiko einer globalen Konjunkturabkühlung sei gewachsen und könne größere Kurskorrekturen auslösen. Die Märkte könnten sehr empfindlich reagieren, falls die Inflation oder die Ölpreise unerwartet steigen oder die amerikansiche Wirtschaft überraschend zügig abkühlt, heißt es in dem halbjährlichen Bericht zur globalen Finanzstabilität.

„Die Märkte scheinen wenige Vorkehrungen für diese Risiken zu treffen. Wenn also eine der Gefahren oder eine Kombination daraus Wirklichkeit wird, könnten die Finanzmärkte größere Turbulenzen erleben“, warnte der IWF-Kapitalmarktexperte Jaime Caruana bei der Vorstellung des Berichtes in Singapur. Hedge-Fonds und Kredit-Derivate hätten die Märkte komplexer gemacht - und diese hätten sich bislang noch nicht in einer Krise bewähren müssen.

Globale Expansion könnte entgleisen

Handlungsbedarf besteht nach der Analyse des IWF aufgrund wachsender Unsicherheit unter internationalen Anlegern über die Weltwirtschaftsentwicklung. Das habe im Mai und Juni bereits leichte Finanzmarkt-Turbulenzen ausgelöst. Betroffen waren vor allem die Aktienmärkte in Argentinien, Ungarn, Polen, Rußland und der Türkei. Dennoch: „Die jüngsten Turbulenzen sind wahrscheinlich kein Vorbote
eines sich hinziehenden Abschwungs“, schreibt der IWF.

Als Risiken nennt die Organisation zum einen anziehende Preise, die stärkere Leitzinserhöhungen erfordern könnten als geplant. Zum anderen könne ein starkes Abkühlen des Immobilienmarktes in den Vereinigten Staaten die amerikanische Konjunktur, die Lokomotive der Weltwirtschaft, deutlich bremsen. „Es gibt das Risiko einer abrupten Abkühlung der amerikanischen Wirtschaft, die zum Entgleisen der globalen Expansion führen könnte“, sagte IWF-Chef Rodrigo Rato bei einem Seminar im Rahmen des Opec-Treffens in Wien. Investoren könnten zurückhaltender werden, was besonders Schwellenländer zu spüren bekämen, die in hohem Maß auf Kapital ausländischer Investoren angewiesen seien.

„Es ist wichtig, vorbereitet zu sein“

Die G7-Finanzminister werden sich bei ihrem Treffen einem Agenturbericht zufolge jedoch zuversichtlich zeigen, daß das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten und Europa anhalten wird. Die amerikanische Wirtschaft befinde sich auf bestem Wege zu einem nachhaltigen Wachstumspfad, zitierte die japanische Nachrichtenagentur Kyodo aus einem Entwurf der G7-Erklärung, die im Rahmen des G7-Finanzministertreffens veröffentlicht werden soll.

Auch in Europa werde das beschleunigte Wachstum bis zum Jahresende anhalten. Die G7-Finanzminister halten ebenfalls einen Anstieg der Inflationserwartungen oder der Ölpreise für mögliche Gefahren für die Weltkonjunktur, berichtete die Agentur weiter. Ein Kursrutsch des Dollar bedroht nach IWF-Auffassung ebenfalls weiterhin die Stabilität der Finanzmärkte, auch wenn diese Gefahr relativ gering sei. „Das Risiko besteht aber weiter, und es ist wichtig, vorbereitet zu sein“, mahnte Caruana.

G7-Erklärung mit Spannung erwartet

So konzentrierten sich die Finanzmärkte eher auf die Gefahr einer Wachstumsverlangsamung als auf das Risiko der Ungleichgewichte im Welthandel. Die internationalen Investoren seien zuversichtlich, daß die Vereinigten Staaten ihr riesiges Handelsdefizit in den Griff bekämen. Der IWF mahnte die Regierungen, mit einer entsprechenden Politik zur Lösung dieses Problems beizutragen.

Der Entwurf zur G7-Erklärung enthält dem Agenturbericht zufolge bislang noch keine Erklärung zu Wechselkursen, da dieses Thema noch diskutiert werde. Die Erklärung wird an den Märkten mit besonderer Spannung erwartet und kann zu großen Kursbewegungen führen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters und dpa
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%