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Wohin Geld fließt : Die Schwellenländer sind wieder da

Mühsame Arbeit: Brasilien ist eines der Schwellenländer, das in der Anlegergunst besonders gelitten hatte - bis vor wenigen Wochen die Wende kam. Bild: AP

Nach herben Kursverlusten und großen Sorgen schöpfen die Anleger neue Hoffnung: Sie stecken wieder mehr Geld in Anlagen aufstrebender Volkswirtschaften. Riskant bleibt das dennoch.

          Anleger, die in Schwellenländer investieren, sind einiges an Kummer gewohnt. Das Auf und Ab an diesen Finanzmärkten ist seit jeher besonders ausgeprägt. Nimmt die Risikofreude der Investoren ab, dann verlassen sie diese Märkte sogleich in Scharen, was die Kurse tief in den Keller fallen lässt, und umgekehrt. Zuletzt sorgten vor gut einem Jahr vor allem zunehmende Wachstumssorgen der Anleger besonders im wichtigsten Schwellenland China, fallende Rohstoffpreise und Zinserhöhungsphantasien in entwickelten Staaten für einen herben Abschwung.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein Aktienindex wie der MSCI Emerging Markets verlor bis zu einem Drittel seines Wertes. Einzelne Marktbarometer wie Brasiliens Bovespa gingen mit einem Minus von 37 Prozent noch etwas deutlicher in die Knie. Doch im Januar kam die Wende. Seither sind die Indizes vieler Schwellenländerbörsen wieder gestiegen. Für den Auswahlindex des MSCI ging es um 22 Prozent aufwärts. Der Bovespa hat bislang 35 Prozent zugelegt.

          Anleger investieren vor allem über Fonds in diese Länder. Schon im März zeigte eine Umfrage von Bank of America Merrill Lynch, dass nicht nur Rohstoffe als Anlageklasse die deutlichste Aufwärtsbewegung verzeichnet haben, die dort jemals zu beobachten war, sondern auch Schwellenländer wieder wachsendes Interesse auf sich zogen. Schwellenländern insgesamt flossen allein im März 36,8 Milliarden Dollar zu – der höchste Zufluss seit 21 Monaten, schätzt der internationale Bankenverband Institute of International Finance (IIF). Die IIF-Volkswirte begründen dies mit der weiterhin sehr lockeren Geldpolitik vieler Notenbanken, dem schwächeren Dollar, der Stabilisierung in China und der Erholung des Ölpreises.

          Ende der Talsohle

          Nach IIF-Angaben teilten sich die Zuflüsse zu 18,9 Milliarden Dollar auf Anleihen und zu 17,9 Milliarden Dollar auf Aktien auf. Die Hälfte der neuen Mittel sei in Asien angelegt worden. Hohe Zuwächse habe auch Lateinamerika verzeichnet. Ausländische Investoren hätten für 2 Milliarden Dollar brasilianische Aktien gekauft, was die IIF-Volkswirte mit günstigen Bewertungen und Hoffnungen auf eine politische Wende begründeten. Schwellenländerfonds flossen demnach 10,5 Milliarden Dollar zu, vor allem durch Privatanleger. Der Großteil ging an börsengehandelte Indexfonds (ETF). In Anleihefonds flossen im März nach IIF-Angaben 4,3 Milliarden Dollar. 70 Prozent davon stammten aus dem Euroraum, was vor allem an den höheren Zinsen der Schwellenländer liegen dürfte, hieß es.

          „Für die Aktien in den Schwellenländern dürfte langsam das Ende der Talsohle erreicht sein“, sagt Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der Deutschen Asset Management. Die Gründe hierfür seien zahlreich. Nach den im Vergleich zu entwickelten Aktienbörsen schwachen Jahren, spreche allein aus der relativen Betrachtung heraus einiges dafür, Schwellenländer im Blick zu behalten. Hinzu komme, dass sich die Währungen vieler Schwellenländer zu stabilisieren schienen.

          Einer der Hauptfaktoren für die Kursverluste waren aber die weithin fallenden Rohstoffpreise, gehören doch Schwellenländer zu den großen Exporteuren auf dem Weltmarkt. Sie hätten in den vergangenen Quartalen unter dem Preisverfall ihrer Hauptausfuhrgüter massiv gelitten, heißt es von der DZ Bank. Doch inzwischen hat sich die Entwicklung umgekehrt. Viele Preise sind wieder gestiegen Bei zahlreichen Rohstoffen wie Rohöl scheint zumindest der Abwärtstrend gestoppt, sagt Kreuzkamp. Der Preis für Öl der Sorte Brent war im Januar bis auf 29 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) gefallen – allein seit Anfang September ein Minus von 50 Prozent. Seither ist er gleichwohl um rund ein Drittel auf zuletzt rund 39 Dollar gestiegen. Besonders empfindlich reagierte die russische Börse auf den Ölpreis. Rohöl ist für das Land ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Öl- und Gasexporte stehen dort laut DZ Bank für zwei Drittel der Exporterlöse. Zusätzlich belasteten hier die umfangreichen Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts.

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