Die Bewertungen am Neuen Markt haben zum Teil paradoxe Niveaus erreicht. Würde beispielsweise Mediascape seine Cashpositionen auflösen und an den Aktionär ausschütten, so würde er ein sattes Plus zum jetzigen Kurs erzielen. FAZ.NET sprach mit dem Vorstand Frank Brügmann über die Geschäftsaussichten von mediascape und das Fiasko seines Unternehmens an der Börse. Mehrheitsaktionär der mediascape ist die ebenfalls am Neuen Markt gelistete Emprise, die überschuldet ist und für die Experten bereits den Gang zum Insolvenzverwalter vorhersagen. Im Link „Das Verhältnis zu Emprise“ äußert sich Brügmann auch zum angeschlagenen Anteilseigner.
Beschreiben Sie bitte kurz die Zukunftschancen von mediascape?
Im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahre werden immer komplexere Internetanwendungen auf den Markt drängen, die Nachfrage nach IP-basierten Lösungen zur Kommunikation wird stetig wachsen. Voraussetzung für die Implementierung solcher Anwendungen sind bandbreitenstarke Internetzugänge, wie mediascape sie bietet. Wir möchten für unsere Kunden kompetenter Internetpartner sein, daher bieten wir schon heute Zusatzdienstleistungen rund um das Internet an. Wir wachsen mit unseren Kunden, sowohl was die Bandbreite betrifft, als auch was Zusatzdienstleistungen betrifft.
Wann sollten Gewinne erzielt werden? Wie sehen Ihre Planungen für Umsatz und Gewinn je Aktie in den kommenden Jahren konkret aus?
Der Break Even soll 2003 erreicht werden. Für 2001 erwartet mediascape einen Umsatz von 25 bis 30 Millionen Mark.
Wo liegen die größten Risiken, die Ihre Wachstumspläne durchkreuzen könnten?
Das weitere Marktwachstum wird stark von der Entwicklung des Bandbreitenbedarfes und damit von der Verbreitung neuer Applikationen abhängen. Es ist absehbar, dass die gegenwärtig noch bestehenden Kapazitätsengpässe in zwei bis drei Jahren beseitigt sein werden. Die daraus resultierende Verschärfung des Wettbewerbs wird zu entsprechenden Konsequenzen für die Preisentwicklung führen.
Der Zielmarkt des Konzerns unterliegt einem schnellen technologischen Wandel, sich ändernden Kundenbedürfnissen, der fortlaufenden Einführung neuer Produkte sowie kurzen Produktlebenszyklen. Der künftige Erfolg des Konzerns wird wesentlich von seiner Fähigkeit abhängen, kontinuierlich neue Produkte zu entwickeln, die mit den technologischen Entwicklungen Schritt halten und den ständig wachsenden Anforderungen des Marktes genügen. Um das Wachstum des Konzerns zu gewährleisten, muss die rechtzeitige Gewinnung von qualifiziertem Personal in den Bereichen Vertrieb und Technik gelingen.
Wer sind Ihre stärksten Konkurrenten und wie sehen Sie die Marktstellung Ihres Unternehmens im Vergleich zu diesen Mitbewerbern?
Hauptkonkurrenten der mediascape sind die Firmen Firstmark, Broadnet, Callino und Star 21. All diese Firmen erhielten im Rahmen der Ausschreibungen Lizenzen für das Betreiben von Richtfunknetzen. Unser Wettbewerbsvorsprung liegt klar in der großen Spanne an Bandbreiten, die wir unseren Kunden bieten können und die Flexibilität in der Skalierbarkeit und Technologie. Ein weiterer Vorteil ist der zeitliche Vorsprung, den wir im Laufe der letzten 18 Monate gewinnen konnten. Mit 26 Städten, in denen unser Richtfunknetz bereits arbeitet und über 600 Breitbandkunden, liegen wir klar vorne. Des weiteren bieten wir mit 155 Mbit/s als einziger Anbieter eine so hohe Bandbreite mittels Richtfunk.
Durch unseren Fokus auf Direktvertrieb, also auf die direkte Kundenbindung wird es uns gelingen, den Kunden bei wachsendem Bedarf an Dienstleistungen wie Videoconferencing, Voice over IP und ähnliche Produktgruppen anzubieten. All unsere Dienstleistungen basieren auf IP (Internet Protokoll) und dem breitbandigen Zugang zum Internet. Desweiteren verfügen wir heute auch backboneseitig bereits über das bestausgebauteste Netz am Markt.
Der Aktienkurs der mediascape notiert mit zuletzt 5,50 Euro deutlich unter der Liquidität je Aktie, die zum Jahreswechsel um 8,60 Euro lag. Wie bewerten Sie dies?
Börsenfantasien und damit auch Anlegerverhalten werden durch Trends bestimmt. Des weiteren folgen die Meisten der Masse. Sagt einer den Telekomwerten den Tod voraus, steigen alle aus - zum Teil leider auch ohne Rücksicht auf Verluste. Die Entwicklung der Werte am Neuen Markt und die Negativpresse wirken sich auf kleine illiquide Werte besonders hart aus. Wir sind zuversichtlich, dass die Orientierung an Fundamentaldaten der Unternehmen in den kommenden Monaten deutlich steigen wird, sich die Finanzmärkte im Allgemeinen beruhigen werden und dass unsere bestehenden Anleger und potenzielle Investoren darauf aufmerksam werden, dass die Aktie der mediascape unter Liquidität bewertet ist.
Wie hoch ist derzeit die Liquidität und in welcher Form wurde das Geld angelegt?
Zur Zeit verfügt der Konzern über Liquide Mittel in Höhe von 90,5 Millionen Mark. Ein Großteil dieser Finanzmittel ist in Form von deutschen Commercial Paper mit Laufzeiten zwischen einem und drei Monaten angelegt. Es werden nur solche Commercial Paper gewählt, die über ein Mindestmaß an Sicherheit verfügen.
