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Interview „Macro-Fonds werden weiter gut abschneiden“

27.06.2002 ·  Nicht die Short-Seller sind die eigentlichen Gewinner der Börsenkrise, sondern die Macro-Fonds, sagt Omar Kodmani von der Permal Gruppe im Gespräch mit FAZ.NET.

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Seit die Börsen fallen, scheinen Hedge Fonds in der Hoffnung auf stabile Erträge regen Zulauf zu haben. Auch die Presse hat das Thema verstärkt entdeckt und berichtet öfter darüber, als in der Vergangenheit. Früher standen die „mysteriösen“ Gesellschaften lediglich dann im Brennpunkt, wenn es wieder einmal irgendwo kriselte und wenn Sündenböcke gesucht wurden.

FAZ.NET unterhielt sich mit Omar Kodmani von der Permal-Gruppe. Als Manager eines Dachfonds kennt er die Hedge Fonds-Szene bestens. Permal selbst ist seit 30 Jahren im Geschäft und hat dabei unter anderem bei George Soros und Michael Steinhardt investiert. Das Flaggschiff-Produkt, die Haussmann Holdings, erzielte seit 1974 eine jährliche Performance von 20 Prozent. Wer damals 100.000 Dollar investiert hätte, säße heute auf knapp 15 Millionen Dollar.

Hedge Fonds - immer wieder wird über sie berichtet, als ob sie eine einheitliche Anlageform wären. Sind sie das tatsächlich?

Nein, es gibt viele Wege, das „Hedge Fonds-Universum“ zu klassifizieren. Wir unterscheiden drei Gruppen. Einmal haben wir die direktionalen Fonds, dann gibt es „Relative Value“- oder Arbitrage-Fonds und den Event-Driven- oder ereignisorientierten Ansatz.

Was bedeutet direktional in diesem Zusammenhang?

Das heißt, die Manager gehen Wetten ein auf die Richtung der Börse, der Anleihen oder der Währungen. Eine Untergruppe ist der so genannte Macro-Stil, bei dem die Manager auf Grund von makroökonomischen Analysen auf bestimmte Währungen, Zinsveränderungen oder Indizes setzen. Die Strategie ist zwar riskant, bringt aber auch hohe Erträge. In jüngster Zeit sind die Risiken sogar geringer geworden.

Trotz der Schwierigkeiten in Argentinien und der schlechter werdenden Situation in Brasilien?

Ja, denn die Spieler in diesem Bereich konzentrieren sich immer mehr auf OECD-Länder. Sie setzen beispielsweise auf Bewegungen im Dollar-Yen, beim Goldpreis oder am Bondmarkt. Sie waren nicht so exponiert in den Emerging Markets, versuchen aber trotzdem, Alternativen zu den schwachen Aktienmärkten zu finden. Macrostrategien waren ziemlich die erfolgreichsten Strategien in den vergangenen Jahren. Eine andere direktionale Strategie ist „Long-Short“. Das ist die größte Kategorie der Hedge Funds insgesamt.

Was heißt das, wie viel ist das konkret?

Die gesamte Hedge Fonds Industrie wird auf 600 Milliarden Dollar geschätz, davon sind 40 Prozent „Long-Short“. Der erste Hege Fonds hatte diesen Stil.

Was ist das eigentlich?

Man versucht Aktien gezielt auszuwählen oder gegeneinander auszuspielen. Viele dieser Fonds sind tendenziell „long“. Andere versuchen, eine marktneutrale Strategie zu fahren. Sie kaufen beispielsweise GM und verkaufen gleichzeitig Ford. So kann man von der Aktienauswahl profitieren und gleichzeitig das Branchenrisiko ausschalten oder zumindest reduzieren.

Was tun die Relative-Value-Fonds?

Sie machen in erster Linie Arbitrage, vor allem im Zusammenhang mit Anleihen. Es werden beispielsweise Wandelanleihen gekauft und dagegen Aktien verkauft. Oder mit statistischer Arbitrage werden auf Basis von mathematischen Modellen Preisunterschiede zwischen verschiedensten Wertpapieren herausgefiltert und dann mit automatischen Handelsprogrammen ausgenutzt. Diese Strategie generiert relativ hohe Wertpapierumsätze, bei relativ geringen Gewinnmargen.

Zuletzt Event-Driven-Fonds - was machen die?

Diese Strategie setzt nicht auf den Markt. Sondern hier stehen Veränderungen bei Unternehmen im Brennpunkt. Beliebt ist vor allem die Fusionsarbitrage. Fondsmanager eruieren Fusionsgelegenheiten, kaufen das „Zielunternehmen“ und verkaufen den „Übernehmer“, um von der Preiskonvergenz zu profitieren. Daneben werden sie auch bei Insolvenzen aktiv. Sie kaufen beispielsweise die Anleihen und verkaufen die Aktien, um vom der unterschiedlichen rechtlichen Ausstattung der Wertpapiere zu profitieren.

Welcher Stil war der erfolgreichste in den vergangenen zwei Jahren?

Macro-Fonds haben ein Plus von 15 Prozent gemacht im vergangenen Jahr. Die Arbitrage mit Wandelanleihen hat etwa zwölf Prozent gebracht im vergangenen Jahr.

Es waren also nicht die berüchtigten „Short-Seller“, die das meiste Geld verdient haben?

Nein, die kamen im Schnitt gerade einmal plusminus null heraus.

Auf welche Strategie würden sie aktuell setzen?

Auf die Direktionale. Solange die Märkte weiter so unberechenbar sind, dürften sich die Macro Fonds weiter gut entwickeln. Entscheidend ist aber die Auswahl der richtigen Fonds Manager. Der Beste könnte ein Plus von 35 Prozent und der Schlechteste von minus fünf erzielen. Long-Short-Fonds dürften sich dann gut entwickeln, wenn sich die Märkte erholen. Und davon gehen wir aus.

Wie finden Sie die erfolgreichen Fonds Manager?

Wir schauen uns jedes Jahr etwa 100 Manager nach quantitativen und qualitativen Kriterien an. Dabei überwiegen die Qualitativen. Aber zum größten Teil setzen wir auf erfahrene Spieler, die schon länger im Markt sind.

Wie lange sind Sie selbst am Markt?

Seit 30 Jahren. Aus diesem Grund haben wir exzellent Beziehungen und können auch bei jenen Managern investieren, die ihre Bücher für die Öffentlichkeit längst geschlossen haben.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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