10.10.2011 · Gold und Goldaktien haben zuletzt korrigiert. Warum er die langfristige Hausse im Edelmetallsektor dennoch intakt sieht, erklärt Markus Bachmann, Fondsmanager des Craton Capital Precious Metal Fund, im Interview.
Der Goldpreis hat zuletzt korrigiert und die schwachen Börsen halten die Goldminenaktien schon seit geraumer Zeit im Zaum. Gemessen am Goldpreis sind Goldminenaktien dadurch derzeit nach Ansicht vieler Experten vergleichsweise günstig bewertet.
Wenn es nach Markus Bachmann, CEO und Gründer des auf Edelmetall- und Rohstoffminen spezialisierten Investmenthauses Craton Capital geht, sind die Goldproduzenten derzeit so günstig bewertet wie nie zuvor. Was der verantwortliche Fondsmanager des Craton Capital Precious Metal Fund, den er seit dessen Auflage am 3. November 2003 verwaltet, sonst noch zum Thema Investments im Goldsektor zu sagen hat, lesen Sie im nachfolgenden Interview.
Herr Bachmann, nach starken Gewinnen hat der Goldpreis jüngst heftig korrigiert. Was waren die Gründe dafür und ist die gestiegene Volatilität möglicherweise ein Hinweis auf ein nahendes Ende der langfristigen Goldpreis-Hausse?
Nein, so schnell wird das nicht geschehen. Dass der Goldpreis über die letzten Monate einen Rekordpreis erreicht hat, kam ja nicht von ungefähr. Die globale Schuldenkrise und das Unvermögen der Politik die strukturellen Probleme konstruktiv zu lösen, verunsichern die Märkte. Rezessionsängste leben auf – das alles wird sich nicht über Nacht in Luft auflösen und uns bedauerlicherweise noch lange in Atem halten. Für die jüngste Goldpreiskorrektur gibt es mehrere Erklärungen.
Die Verwerfungen an den Aktienmärkten erhöhten den Bedarf an Liquidität von Anlegern um Verluste auszugleichen. Und Gold ist bekanntlich immer liquide. Ich denke, dass Gewinnmitnahmen kurzfristig orientierter Anleger eine maßgebliche Rolle spielten. Hinzu kam, dass die CME, größter Börsenbetreiber für Derivative, die Margins, das heißt die Sicherheitsleistungen für den Handel mit Gold, Silber und Kupfer erhöht hat, was zu Zwangsliquidationen führte.
Wie sieht derzeit Ihr volkswirtschaftliches Grundszenario aus? Und wie wird sich das nach Ihrer Einschätzung auf den Goldpreis und die Goldminenaktien auswirken?
Das gesamtwirtschaftliche Umfeld vor allem in den entwickelten Ländern wird insgesamt schwierig bleiben. Die Politik findet keine wirksamen Rezepte gegen die Schuldenkrise und ist zu lange untätig geblieben. Beschwichtigungen und neuen Plänen wird nicht mehr geglaubt und werden von den aktuellen Entwicklungen an den Finanzmärkten immer wieder überholt. Wir haben eine massive Vertrauenskrise in die Institutionen. Ich sehe Europa gefährdeter als Amerika. Auch wenn sich das Wachstum in den aufstrebenden Volkswirtschaften abkühlt, rechnet man immer noch mit rund 3,5 Prozent globales Wachstum. Das kann stabilisierend für die Rohstoffmärkte sein.
Für Goldminenaktien hat sich die Lage insgesamt verbessert. Der Kostendruck ist unter anderem durch den günstigeren Ölpreis gesunken, die eigene Währung hat sich generell abgeschwächt und der Dollar ist vorüber gehend wieder gestiegen. Die Rentabilität der Firmen ist auf einem Allzeithoch.
Was müsste passieren, dass die Gold-Hausse des vergangenen Jahrzehnts ein abruptes Ende findet?
Das halte ich für eher unwahrscheinlich. Die Gründe, die zum Goldpreisanstieg geführt haben sind präsenter denn je. Oder können Sie mir sagen, welche der strukturellen Problemzonen gelöst ist? Denken Sie, dass kurzfristig die Realzinsen ins Positive steigen werden?
Die Aktien der Goldproduzenten konnten in diesem Jahr nicht richtig vom Anstieg des Goldpreises profitieren. Worauf führen Sie das zurück und was könnte als Katalysator für eine Wiederentdeckung dieser Titel dienen?
Goldpreis und Goldaktien haben sich temporär voneinander abgekoppelt. Goldminenaktien folgen den Grunddynamiken der Aktienmärkte und sind derzeit signifikant unterbewertet. Wir haben in diesem Jahr, mal abgesehen von der Unfähigkeit der Politik über dem Atlantik und in Europa, viel zusätzliche Unsicherheiten und Katastrophen wie die Erdbeben in Japan und ihre Folgen, den arabischen Frühling.
Die Märkte brauchen Transparenz und Richtung. Kehrt einigermaßen wieder Normalität ein, werden Goldtitel überproportional profitieren selbst wenn der Goldpreis nicht weiter ansteigt.
Der Goldpreis und die Goldaktien kommen oft auch dann unter Druck, wenn die Aktienkurse so richtig nach unten rauschen. Spricht dieses Verhalten nicht gegen den Status als Hort der Sicherheit, den dieses Segment inne hat?
Sichere Häfen gibt es nicht. Das ist ein Trugschluss der Verallgemeinerung. Gold ist eine Währung, Goldaktien sind Aktien. Gold ist in jeder Marktsituation liquide und liquidierbar. Der Verkaufsdruck ist vor allem von den Terminmärkten gekommen. Das Anlegerprofil hat sich wenig verändert. ETF-Bestände sind sogar leicht gestiegen.
Neuerdings versuchen die Staaten mit Rohstoffvorkommen mit neuen Vorgaben, einen größeren Anteil an den von den Produzenten erwirtschafteten Gewinnen für sich einzubehalten. Spricht diese Tendenz zusammen mit der Tatsache, dass physisches Gold im Krisenfall womöglich auch als Zahlungsmittel eingesetzt werden kann, nicht dafür, das Geld vor allem in physisches Gold zu stecken anstatt in Goldaktien?
Die Motivation für Gold und Goldaktien muss unterschiedlich sein. Goldaktien sollten Teil eines gut diversifizierten Portfolios sein. Man sollte sie halten wenn sie unterbewertet sind und das Marktumfeld günstig ist, um mit Aktien Renditen zu erwirtschaften. Natürlich sollte man wissen warum man einen Titel hält und seine Hausaufgaben machen. Der Bewertungsunterschied zwischen Goldpreis und Goldaktien ist auch nach der jüngsten Korrektur enorm. Physisches Gold ist nichts anderes als eine Art Versicherung für das, was man noch nicht weiß.
Auch der Craton Capital Precious Metall Fund musste jüngst einen deutlichen Rückschlag hinnehmen. Wie sind Sie im Fondsmanagement mit den Turbulenzen der vergangenen Wochen umgegangen und standen Sie dabei eher auf der Käufer- oder auf der Verkäuferseite?
Ja, sicher mussten wir in diesem Marktumfeld auch Verluste hinnehmen. Das ist nicht angenehm und glauben Sie mir wir hinterfragen ständig ob wir mit unseren Titeln richtig liegen. Mittlere und kleine Werte haben generell das größte Renditepotential, unterliegen aber auch eher hohen Schwankungen. In Krisenzeiten werden deshalb groß kapitalisierte Minenwerte bevorzugt und dann sieht unser Fonds im Vergleich temporär nicht so gut aus.
In diesem Marktumfeld ist man eher auf der Käuferseite und hält genügend Liquidität um zum richtigen Zeitpunkt parat zu stehen wenn der Markt dreht.
Welche Einzelaktien gefallen Ihnen derzeit am besten und was sind die Gründe dafür?
Wir möchten keine Kommentare zu Einzeltiteln abgeben. Grundsätzlich bevorzugen wir unterbewertete Titel mit gesunden Bilanzen und einem professionellen Management. Insgesamt sehen wir sehr gute Chancen für Minenunternehmen, die in politisch stabilen Regionen agieren, Bodenschätze kontrollieren und ihr Rohstoff-Exposure nicht abgesichert haben. Im Vergleich zu Banken, Industrieunternehmen oder einem durchschnittlichen TMT-Unternehmen weisen sie ein deutlich geringeres endogenes Risiko auf.
Bei den jüngst abgehaltenen großen Goldkonferenzen in Nordamerika zeigten sich die Branchenvertreter fast unisono zuversichtlich für die weiteren Aussichten ihrer Branche. Ist dieser weit verbreitete Optimismus nicht ein Kontraindikator und damit ein Warnsignal?
Nein, wieso - lassen Sie die Leute optimistisch sein? Der Optimismus ist ja begründet und von Goldhausse kann man eigentlich auch nicht reden. Trotz des schwierigen Marktumfeldes sind Goldminen sensationell rentabel, die Nettomarge steigt und darum sind sie glücklich. Gönnen wir es ihnen. Sie waren nie so günstig zu haben wie zurzeit.
Neben einem Edelmetall-Fonds bieten Sie auch einen Rohstoffaktien-Fonds an und einen Fonds, der sich auf den Bereich Erneuerbare Energien fokussiert. In welchem dieser drei Bereiche sehen Sie derzeit die besten Anlagechancen und warum?
Gute Anlagechancen sind in allen drei Produkten gegeben. Fundamental sind die Firmen trotz schwieriger Rahmenbedingungen gut aufgestellt und im Vergleich zu anderen Sektoren ist das innere Risiko der Aktien gering. Bei vielen Firmen im Rohstoffbereich liegt die durchschnittliche Dividendenrendite bei rund 2,5 Prozent und höher. Das schlägt jede Festgeldanlage. Volatilität beherrscht die Finanzmärkte überall. Absolut und relativ sind Minenunternehmen sehr attraktiv bewertet. Für Trendsurfer ist dieser Sektor allerdings weniger geeignet. Anleger sollten einen längeren Anlagehorizont von 3 bis 5 Jahren mitbringen.
Das auf Edelmetall- und Rohstoffminen spezialisierte Investmenthaus Craton Capital wurde 2003 in Johannesburg, Südafrika gegründet. Das Investment-Team besteht aus Experten mit langjähriger Bergbauerfahrung sowie Analysten und Fondsmanagern mit bewiesener Erfolgsbilanz (siehe Performance-Vergleich bei den Grafiken).
Das Investmenthaus verfolgt einen strukturierten, wertorientierten Anlageansatz mit einer Kombination aus ‚bottom-up’ und ‚top-down’ Analyse. Besonderen Schwerpunkt legen die Rohstoff-Experten auf die fundamentale Unternehmensanalyse mit gründlichen und umfassenden Bewertungen der Unternehmen, der Rohstoffpreise und ihrer bestimmenden Faktoren, ein striktes Risikomanagement und unabhängige Kontrollprozesse. Zu den Stärken zählt man nach eigener Einschätzung die Fähigkeit, unterbewertete Minenwerte zu identifizieren, die vom Markt häufig ignoriert werden.
Der geologische Namen Kraton (engl.: Craton /’kreiton/) steht für einen relativ festen und unbeweglichen Teil der Erdkruste, der seit mindestens 1500 Millionen Jahren stabil ist; der stabile innere Kern eines Kontinents, der typischerweise aus festem kristallinem Grundgebirge besteht. Er trennt solche Regionen von weniger stabilen Bereichen, die der Absenkung ausgesetzt sind. Viele Kratone enthalten Edelmetalle und andere natürliche Ressourcen, wie beispielsweise der australische Yilgarn Kraton, der Kanadische Kraton oder der südafrikanische Kaapvaal Kraton. Ursprung: vom griechischen kratos, welches „Stärke“ bedeutet.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |