20.09.2005 · 3i ist eine der größten europäischen Beteiligungsgesellschaften. Derzeit bringt das Unternehmen den Immobilienfinanzierer Interhyp an die Börse. Deutschland-Geschäftsführer Stephan Krümmer über das schwierigere Beteiligungsgeschäft in Deutschland.
Die spektakuläre Übernahme von Großunternehmen, die für Konkurrenten wie Permira oder BC Partners zum Alltag gehören, sind für die Beteiligungsgesellschaft 3i die Ausnahme. Die Gesellschaft konzentriert sich auf mittelständische Beteiligungen und erwirbt in Deutschland jedes Jahr sechs bis zehn Unternehmen. Nachdem 3i vor einigen Jahren durch mißlungene Übernahmen in der Technologiebranche viel Geld verloren hat, ist die Gesellschaft nun wieder erfolgreicher als je zuvor und hat vor kurzem angekündigt, 500 Millionen Pfund an ihre Aktionäre auszuschütten.
Herr Krümmer, was ist das Besondere an 3i?
Wir sind eigentlich nichts anderes als drei Private-Equity-Unternehmen unter einem Dach. Denn wir konzentrieren uns auf drei Bereiche: Gut die Hälfte unserer Gelder fließen in Buy-outs, also mehrheitliche Übernahmen von mittelgroßen Unternehmen, ein Drittel in Growth Capital, sprich die Bereitstellung von Wachstumskapital durch Minderheitsbeteiligungen, und 10 bis 15 Prozent gehen in Venture Capital.
Welche Marktposition nehmen Sie ein?
Wir sind die Nummer eins im europäischen Mittelstandsgeschäft. Im vergangenen Jahr hat es in Europa etwa 330 Buy-outs gegeben, die von rund 180 Private- Equity-Unternehmen gekauft wurden. Wir haben aber allein 19 Firmen erworben. Im laufenden Jahr 2005 sind es bereits 15 in Europa.
In der öffentlichen Wahrnehmung scheint 3i aber im Vergleich zu großen Häusern wie KKR oder Blackstone kaum präsent.
Da haben wir in der Tat einiges aufzuholen. Aber wir sind der führende Mittelstandsinvestor. Wir investieren im Buy-out-Geschäft jedes Jahr europaweit bis zu einer Milliarde Euro in rund 20 Unternehmenskäufe in der Größenordnung von 50 Millionen bis eine Milliarde Euro. Wir investieren also etwa genausoviel wie die großen Buy-out-Fonds, konzentrieren uns aber auf mehrere kleinere Unternehmen.
Warum?
Wir könnten auch größere Übernahmen stemmen, aber wir verdienen einfach mehr Geld in dem Mittelstandsbereich. Ein Beispiel dafür ist die Telefonbuchgesellschaft Yellow Brick Road, die wir aus einem niederländischen, finnischen und österreichischen Unternehmen geformt und für 1,8 Milliarden Euro weiterverkauft haben - damit haben wir unser Eigenkapital vervierfacht. Wir versuchen, mit den erworbenen Unternehmen Werte zu schaffen.
Wie geht das?
Dazu braucht man Mitarbeiter mit operativer Managementerfahrung - Leute, die aus Konzepten Geld machen können. Die Zeiten, in denen man im Private-Equity-Geschäft über reines "Financial Engineering" Geld verdienen konnte, sind eigentlich vorbei. Und weil wir 80 Leute in Deutschland haben, die sich intensiv um die Unternehmen kümmern, können wir mehr daraus machen. Das geht mit einem Drei-Mann-Betrieb nicht. Da fehlt einfach die Erfahrungsbasis. Wir haben zudem einen intensiveren Vertriebsprozeß als andere. Wir dürfen nicht herumsitzen und darauf warten, bis uns eine Investmentbank die Verkaufsunterlagen schickt. Wir müssen vielmehr draußen sein und vor Ort mit Wirtschaftsprüfern, Rechtsanwälten, M&A-Beratern und den Unternehmen selbst sprechen, um an "Deals" heranzukommen.
Aber auch Sie kommen doch nicht um Auktionen herum, in denen die Preise nach oben geschaukelt werden?
Ja, und wir sehen in der Tat weitaus höhere Preise als noch vor einem Jahr. Die sind auf einem sehr hohen Niveau, weil unter anderem die Banken die Preise nach oben treiben. Wir machen diese überzogenen Finanzierungen aber nicht mit. Erst vor ein paar Wochen wurde uns eine Bankenfinanzierung angeboten, die einen weitaus höheren Kaufpreis vorsah, als wir zahlen wollten. Das haben wir abgelehnt.
Aber um in den Bieterverfahren zu gewinnen, müssen Sie dieses Gepokere doch mitspielen?
Der Preis spielt immer eine entscheidende Rolle - keine Frage. Aber es ist ein großer Unterschied, ob man mit einem Koffer voll Geld ankommt oder mit zwei Koffern - einem mit Geld und einem gefüllt mit Erfahrung.
Die „Heuschrecken“-Debatte hat bei manchen die Vorurteile gegenüber Private Equity verstärkt. Andere sind dadurch aber vielleicht erst darauf aufmerksam geworden. Hat das Ihrem Geschäft im Rückblick mehr geschadet oder genutzt?
Diese emotional aufgeladene Diskussion war zunächst natürlich unerfreulich. Aber derartige Situationen muß man für sich nutzen. Ich erkläre den Unternehmern immer, daß wir eher Heinzelmännchen sind als Heuschrecken. Wir packen viele Sachen an, an die sich sonst niemand herantrauen würde. Wenn wir ein Unternehmen kaufen, müssen wir die Ärmel hochkrempeln, um Werte zu schaffen.
In Ihrem Geschäftsfeld Wachstumskapital gehen Sie vor allem Minderheitsbeteiligungen ein. Ist das nicht ein Risiko, weil man die Strategie des Unternehmens letztlich nicht beeinflussen kann?
Wir machen das nur unter bestimmten Voraussetzungen: Meist erwerben wir mindestens eine Sperrminorität, also über 25 Prozent der Anteile des Unternehmens. Außerdem müssen wir uns mit den anderen Aktionären schon vorher über die Managementkonzepte und die Ausstiegsstrategie einig sein.
Ein Mittelständler könnte sich aber doch einfach über die Bank oder Mezzanine-Fonds Geld für Wachstum beschaffen. Da hat er den Vorteil, die Kontrolle nicht aus der Hand geben zu müssen.
Bei uns müssen die Unternehmen aber nicht diese extrem hohen Zinsen zahlen. Was da zum Teil für Mezzanine-Produkte an Zinsen verlangt wird, kann die Unternehmen schnell in finanzielle Probleme stürzen. Wir sagen, wir wollen keine laufende Verzinsung. Nur wenn es gut klappt, wollen wir am Ende unsere Rendite. Wenn es aber schiefgeht, dann haben auch wir Pech gehabt.
Sie investieren auch in Risikokapital, also in junge Gründungsunternehmen. Der Markt dafür sieht aber derzeit nicht gerade rosig aus, auch 3i hat sich dort vor einigen Jahren verkalkuliert. Warum also noch Venture Capital?
In den vergangenen Jahren haben sich viele aus diesem Bereich zurückgezogen, weil sie sich mit dem Ende der Interneteuphorie blaue Flecken geholt haben. Wir gehen wieder verstärkt in diesen Markt hinein, weil gerade jetzt gute Einstiegspreise möglich sind.
Der von Ihnen mitfinanzierte Internet-Baufinanzierer Interhyp hat nun Details zum Gang an die Börse genannt. Planen Sie in diesem Jahr noch weitere Verkäufe über die Börse?
Wir haben in diesem Jahr im deutschsprachigen Raum schon zwei Unternehmen an die Börse begleitet - das Biotechnologieunternehmen Paion und in der Schweiz Arpida. Neben der Interhyp könnte es in diesem Jahr noch einen weiteren Börsengang aus unserem Portfolio geben. Auch 2006 werden wir für ein paar Börsengänge gut sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |