09.03.2009 · Österreichs Ruf als Schuldner steht auf dem Prüfstand. Die Alpenrepublik ist ins Gerede gekommen. Die österreichischen Banken und der Staat müssen für Anleihen ungewohnt hohe Aufschläge bieten. Der Bericht vom internationalen Kapitalmarkt.
Von Hanno MußlerÖsterreichs Ruf als Schuldner steht auf dem Prüfstand. Die Alpenrepublik will in dieser Woche ihre bis 2014 laufende und 2 Milliarden Euro schwere Staatsanleihe um eine halbe Milliarde Euro aufstocken. Dieser Betrag sollte leicht auf dem Anleihemarkt einzusammeln sein. Allerdings ist Österreich ins Gerede gekommen. Das liegt an der tiefen Rezession in weiten Teilen Osteuropas. Dort haben österreichische Banken Forderungen von 280 Milliarden Dollar - eine Zahl, die dem österreichischen Bruttoinlandsprodukts nahekommt. Wegen der wachsenden Schwierigkeiten osteuropäischer Schuldner, ihre Kredite zurückzuzahlen, sind die Bedenken der Anleger mit Blick auf die Kreditwürdigkeit Österreichs und seiner Banken in den vergangenen Tagen gewachsen.
Ein Indiz für die Skepsis ist die Renditedifferenz zwischen österreichischen Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen. Noch nie war sie so groß wie derzeit. Für zehnjährige Laufzeiten zum Beispiel beträgt die Differenz fast 1,4 Prozentpunkte. Bundesanleihen rentieren mit 2,9 Prozent, österreichische mit immerhin 4,3 Prozent. Auf dem zu Übertreibungen neigenden Markt für Kreditausfallversicherungen (CDS) ist die Diskrepanz zwischen Österreich und Deutschland sogar noch größer. Die Aufstockung der österreichischen Staatsanleihe ist daher keinesfalls Routine.
Element der Investitionsfreude
Auch die österreichischen Banken müssen deutlich mehr Rendite bieten als ihre deutschen Konkurrenten, wenn sie Anleihen verkaufen wollen. Das hat in der vergangenen Woche die Raiffeisenzentralbank (RZB) zu spüren bekommen. Während die aus dem M-Dax gefallene IKB-Bank ihre von Deutschland garantierte 2 Milliarden Euro schwere drei Jahre laufende Anleihe mit einem Renditeaufschlag zu Mid-Swaps von 45 Basispunkten loswurde, musste die RZB, immerhin die zweitgrößte Bankengruppe in Österreich, für die gleiche Laufzeit 85 Basispunkte Aufschlag bieten. In dieser Woche kommt nun die Österreichische Volksbanken AG (Övag) an den Anleihemarkt und will, ebenfalls durch den österreichischen Staat garantiert, für eine Laufzeit von vier Jahren 1 bis 2 Milliarden Euro einsammeln.
Die nicht nachlassenden Emissionen staatsgarantierter Bankanleihen in Europa werden immer stärker nur von einheimischen Anlegern nachgefragt, beobachten Fachleute. Die Anleihe der IKB zum Beispiel wurde zu 48 Prozent von deutschen Anlegern gezeichnet, die der Raiffeisenzentralbank zu 50 Prozent von Österreichern. Wie die DZ Bank, eine der federführenden Banken der 1,25 Milliarden Euro großen Emission, mitteilte, kam mit 10 Prozent ein ungewöhnlich großer Anteil der RZB-Investoren auch aus dem Mittleren Osten. Um die lange boomenden Zentren der Region wie Abu Dhabi und Dubai war es zuletzt mit sinkendem Ölpreis ruhig geworden. Allerdings hat sich der Preis für 159 Liter Öl der Sorte WTI, der Mitte Dezember auf 32,40 Dollar gefallen war, inzwischen auf fast 45 Dollar erholt. Dies mag zur Investitionsfreude beigetragen haben.
Vertrauen in Osteuropa
Der gerade in den vergangenen Tagen gestiegene Ölpreis gilt auch als eine Erklärung dafür, warum der russische Aktienmarkt die vergangene Woche mit einem Plus von 3 Prozent beendete. Damit nahm Russland eine Ausnahmestellung ein. Ausgehend vom amerikanischen Aktienmarkt, tobte ansonsten überall eine Abwärtswelle. Die Aktienindizes Dow Jones und Standard & Poor's fielen im Wochenvergleich um 6 Prozent auf den tiefsten Stand seit 1997. Am Freitag allerdings drehten die Indizes in der letzten halben Handelsstunde leicht ins Plus. Gleichwohl ist das Vertrauen in die Aktie als Anlageform erschüttert. Analysten haben ausgerechnet, dass seit 1969 das Sparen mit Anleihen in Amerika lukrativer war als mit Aktien.
Erschüttert ist auch das Vertrauen in Osteuropa. Die Kursentwicklung der Währungen zumindest deutet auf einen gefährlichen Kapitalabfluss aus der Region hin. Der ungarische Forint und die türkische Lira haben seit einem Monat 8 Prozent zum Euro abgewertet. Beide Währungen befinden sich auf Rekordtiefs. Die schwierige Lage Ungarns ist bekannt, seitdem der Internationale Währungsfonds (IWF) das Land mit 20 Milliarden Euro Notkredit vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrte. Auch die Türkei verhandelt mit dem IWF über Nothilfen. Am Wochenende wurde bekannt, dass die Verhandlungen wegen der strikten Sparauflagen des IWF stocken. Die Regierung in Ankara will den Wählern vor den Kommunalwahlen am 29. März offenbar keinen reinen Wein einschenken.
Zahlungsschwierigkeiten lösen
Die Abwertung der osteuropäischen Währungen erhöht für die Banken die Wahrscheinlichkeit von Kreditausfällen. Zum Beispiel in Ungarn sind mehr als 50 Prozent der Hypothekenkredite in Hartwährungen wie in Franken vergeben. Schuldner, die schrumpfende Einkommen in heimischer Währung erhalten, tun sich noch schwerer mit der Kreditrückzahlung, wenn die Kreditwährung aufwertet. Allerdings können flexible Wechselkurse auch ein Ventil sein, um die zweifellos schweren Anpassungen, vor denen viele Volkswirtschaften in Osteuropa stehen, etwas abzufedern. Diese Möglichkeit besteht im Baltikum nicht, weil die lokalen Währungen dort fest an den Euro gekoppelt sind. Um die Sparforderungen des IWF an Lettland, das 7,5 Milliarden Notkredit erhielt, zu erfüllen, müssen daher die Löhne in dem baltischen Land um 30 Prozent sinken, hat die Bank of America ausgerechnet.
Die Europäische Union (EU) versucht, den IWF vom Euro-Raum fernzuhalten und mögliche Zahlungsschwierigkeiten zum Beispiel von Griechenland mit EU-Hilfen zu lösen. Dabei könnte die Europäische Investitionsbank (EIB) eine Rolle spielen. Diese von 27 EU-Staaten getragene Förderbank ist zumindest schon an dem 24,5 Milliarden Euro großen Hilfspaket beteiligt, das die Staatengemeinschaft für Banken in Osteuropa geschnürt hat. Fast folgerichtig will die EIB nun in dieser Woche mit einer European Area Reference Note (“Earn“) genannten Anleiheemission über 2 bis 5 Milliarden Euro ihren wachsenden Kapitalbedarf decken. Dies ist nur der Auftakt: Im Gesamtjahr will die mit einem AAA-Rating ausgestattete EIB nach 60 Milliarden Euro in 2008 mindestens 70 Milliarden Euro am Markt aufnehmen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |