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Internationaler Finanzmarkt Vorboten des Aufschwungs an den Börsen?

14.04.2009 ·  Die Kurse steigen - trotzdem halten manche Experten den Konjunkturoptimismus für übertrieben. Denn die Krise hat sich vom Finanzsystem lediglich in andere Teile der Wirtschaft verschoben, die Weltkonjunktur befindet sich nach wie vor im Abschwung.

Von Claus Tigges, Washington
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Vergleiche mit der Großen Depression sind in diesen Wochen beliebt, wenn es darum geht, Dimension und Dramatik der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise deutlich zu machen. Doch nun kann der Blick zurück auf die schwere Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ausnahmsweise einmal einen Hoffnungsschimmer liefern: Der Standard & Poor's 500, eines der wichtigsten Börsenbarometer an der Wall Street, hat sich von seinem Tiefstand Anfang März inzwischen um mehr als 25 Prozent erholt - dank einer der schnellsten Kurserholungen seit dem Ende ebenjener Großen Depression. Und auch der Dow Jones, der Durchschnittskurs der 30 führenden amerikanischen Industrieaktien, ist nun fünf Wochen in Folge gestiegen und wird mit 8083 Punkten gut 23 Prozent höher berechnet als zum zyklischen Tief am 8. März.

In den Kursgewinnen spiegelt sich die vorsichtige Erwartung der Marktakteure, dass nach vielen Monaten der Misere bald die Talsohle des Abschwungs erreicht sein könnte. Einige Konjunkturdaten in Amerika haben zuletzt diese Vermutung nahegelegt. Die Ankündigung von Wells Fargo, einer der größten Banken des Landes, für das erste Quartal einen Rekordgewinn zu melden, hat ein Übriges getan, um die Stimmung in den Handelssälen zu heben - nicht nur an Wall Street, sondern auch an anderen Börsenplätzen rund um die Welt. Der Dax beispielsweise steht ebenfalls fast 23 Prozent besser da als noch in der ersten Märzwoche. Goldman Sachs hält die Gelegenheit offenbar für so günstig, dass die Bank über die Emission neuer Aktien nachdenkt in der Absicht, mit den Erlösen zumindest einen Teil des 10-Milliarden-Dollar-Kredits der Regierung in Washington zu tilgen.

Weltkonjunktur liegt nach wie vor danieder

Die knifflige Frage, über die sich Marktstrategen und Bankvolkswirte die Köpfe zerbrechen, ist, ob diese kraftvolle Bärenmarktrally tatsächlich der Vorbote des Aufschwungs ist. Eine Reihe von Marktbeobachtern hat erhebliche Zweifel und befürchtet weitere Rückschläge. Thomas Lee, Chef der Aktienstrategie von JP Morgan Chase, sagt: „Wir werden neue Tiefstände sehen. Es ist zwar nicht so, dass ich dafür bete, aber ich erwarte es mit hoher Wahrscheinlichkeit.“ Auch Joost van Leendert von Fortis Investment beurteilt die Aussichten skeptisch: „Der Konjunkturausblick hat sich zwar etwas verbessert. Aber ich bin nicht überzeugt, dass sich nun auch die Weltkonjunktur wieder zum Besseren wendet. Hinzu kommt, dass zwar die Aktienkurse, nicht aber die Kurse für Unternehmensanleihen gestiegen sind.“ Zu den Befürchtungen, die derzeit geäußert werden, zählt jene, dass sich die Krise lediglich vom Finanzsystem in andere Teile der Wirtschaft verschiebt und dass der Einzelhandel, Energie- und Chemieunternehmen längst nicht aus dem Gröbsten heraus seien.

Video: Neue Spielregeln für Wall Street

Der jüngste Monatsbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) liest sich ebenfalls nicht ermutigend. Die Währungshüter um Präsident Jean-Claude Trichet stellen darin fest: „Die jüngsten Wirtschaftsdaten und Umfrageergebnisse bestätigen, dass sich die Wirtschaft weltweit, auch im Euro-Raum, in einem schwerwiegenden Abschwung befindet.“ Mit einer Konjunkturerholung im Euro-Raum ist nach Einschätzung der EZB erst im kommenden Jahr zu rechnen. Einige Ratsmitglieder, darunter die Notenbankgouverneure der Niederlande und Österreichs, Nout Wellink und Ewald Nowotny, haben sich grundsätzlich offen für die Option geäußert, den Leitzins im Euro-Raum auf weniger als 1 Prozent zu senken, und auch andere Möglichkeiten der Geldschöpfung wie den direkten Kauf von Unternehmensanleihen durch die EZB zu prüfen. Allerdings finanzieren sich Unternehmen in der Euro-Zone weniger als amerikanische über den Kapitalmarkt und nehmen lieber traditionelle Bankkredite in Anspruch.

Leerverkäufe könnten verboten werden

Die Äußerungen Wellinks und Nowotnys haben den Euro auf dem Devisenmarkt unter Druck gesetzt und den Kurs zum Dollar etwas bröckeln lassen. Gleichwohl haben einige Währungsstrategen in den vergangenen Tagen ihre Kursprognosen für Dollar und Euro verändert. Sie setzen darauf, dass sich die Lage auf den Finanzmärkten weiter entspannen und damit auch die Risikobereitschaft internationaler Investoren etwas steigen wird. Der Dollar hat seit dem vergangenen Sommer von der Risikoscheu der Anleger profitiert und von seinem Status als „sicherer Anlagehafen“.

Die Devisenfachleute von Goldman Sachs rechnen nun damit, dass in drei Monaten rund 1,40 Dollar und in einem halben Jahr 1,45 Dollar für einen Euro bezahlt werden müssen, deutlich mehr als zum aktuellen Kurs von 1,32 Dollar je Euro. Und sie raten auch dazu, ausgewählten „Carry Trades“ wieder eine Chance zu geben, sich also zum niedrigen Zins in Dollar oder Yen zu verschulden und das Geld in höher verzinsten Währungen wie dem mexikanischen Peso, der indischen Rupie oder auch dem südafrikanischen Rand anzulegen. Als Niedrigzinswährungen zur Verschuldung seien auch der Schweizer Franken und der Singapur-Dollar geeignet.

Mit großem Interesse verfolgen die Finanzmarktakteure Überlegungen der amerikanischen Börsenaufsicht SEC, Leerverkäufe von Aktien unter bestimmten Umständen zu verbieten oder einzuschränken. Geprüft wird von der SEC-Vorsitzenden Mary Schapiro und ihren Kollegen unter anderem, Leerverkäufe von Aktien nur zu einem höheren als dem zuletzt festgestellten Kassakurs zuzulassen, wenn die Aktienkurse innerhalb eines Handelstages um mehr als 10 Prozent gefallen sind. In einer Anhörung wurde allerdings deutlich, dass es nach wie vor keine empirischen Beweise dafür gibt, dass Leerverkäufe für den Kursrutsch an den Börsen im vergangenen Herbst verantwortlich waren. Die Daten der SEC zeigen vielmehr, dass Leerverkäufe - also der Verkauf geliehener Aktien in der Erwartung fallender Kurse - vor allem in Zeiten steigender Notierungen getätigt wurden und nicht, wenn die Kurse ohnehin sanken. Schapiro kündigte keine vorschnelle Entscheidung an: „Wir wollen sorgfältig prüfen, was im besten Interesse der Investoren ist.“

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