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Internationaler Finanzmarkt : Verschnaufpause nach rasantem Jahresstart

  • -Aktualisiert am

Am Montag treffen sie wieder aufeinander: Bundeskanzlerin Angela Merkel und der spanische Premierminister Mariano Rajoy Bild: dpa

Nach einem wechselhaften Januar nutzen die Investoren nun die Gelegenheit, erste Kursgewinne einzukassieren: An den Aktienmärkten sind die Kurse deutlich gestiegen, der Euro hat aufgewertet.

          Jetzt gibt es wohl erst einmal eine Verschnaufpause: Nach der rasanten Bewegung an den Aktienbörsen sowie den Anleihe- und Devisenmärkten im Januar nutzen die Investoren nun die Gelegenheit, ihre Strategien zu überprüfen und erste Kursgewinne einzukassieren. Am Donnerstag wird der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) auf der Pressekonferenz nach der Ratssitzung sicherlich Fragen zum Wechselkurs des Euro beantworten müssen. Eine geldpolitische Entscheidung wird nicht erwartet.

          Am Freitag war der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar auf 1,37 Dollar gestiegen. Der Euro hat seit Sommer vergangenen Jahres gemessen an dem handelsgewichteten Dollar-Index um 8 Prozent aufgewertet. Draghi könnte daher andeuten, dass an der expansiven Geldpolitik der EZB auf längere Zeit nichts geändert werden müsse. Die Inflation im Euroraum ist im Januar nach vorläufigen Daten von Eurostat auf 2 Prozent und damit auf das Inflationsziel der EZB gefallen.

          Gemischtes Bild am amerikanischen Arbeitsmarkt

          An diesem Montag trifft Bundeskanzlerin Angela Merkel den spanischen Premierminister Mariano Rajoy. An den Finanzmärkten wird davon ausgegangen, dass Spanien angesichts der zuversichtlichen Lage an den Anleihemärkten womöglich darum herum kommen wird, ein umfassendes Hilfsprogramm zu beantragen - so stark haben die Ankündigung der potentiellen Nothilfe durch die EZB und die Rückendeckung durch die Bundesregierung gewirkt. Auch die Reformen der Peripherie-Länder werden immer mehr zur Kenntnis genommen. Bei einer Sentix-Umfrage fürchteten nur noch 17,2 Prozent der Befragten, dass in den kommenden zwölf Monaten ein Land aus der Währungsunion austreten könnte. Im Juli vergangenen Jahres waren es noch 73 Prozent gewesen.

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          LCH Clearnet will am Mittwoch wieder die Sicherheitsmargen für das Clearing von spanischen und französischen Staatsanleihen senken. Dies sind immer wieder Nachrichten, die zeigen, wie sich die Lage langsam entspannt.

          In den Vereinigten Staaten waren die Signale in der vergangenen Woche gemischt: Das Wachstum des vierten Quartals fiel enttäuschend aus, war aber angesichts der Furcht um das „fiscal cliff“ nicht anders zu erwarten gewesen. Die Zuversicht der amerikanischen Verbraucher hellte sich dagegen nach dem Michigan Index im Januar deutlich auf. Am Arbeitsmarkt zeigte sich ein gemischtes Bild.

          Investoren hoffen nun, dass sich die Wirtschaftsentwicklung und die Unternehmensgewinne wieder bessern. Dann würde sich eine beherztere Umschichtung von den Anleihemärkten in die Aktienmärkte rechtfertigen lassen, eine Bewegung, die im Laufe dieses und nächsten Jahres an Fahrt aufnehmen dürfte.

          Kein Grund mehr, am Fortbestand des Euro zu zweifeln

          In Japan wird in dieser Woche der neue Notenbankgouverneur sprechen. Schon am Wochenende gab es von dem japanischen Finanzminister Taro Aso Andeutungen, dass Japan seinen verschärften Kurs gegen die Deflation fortsetzen werde. Dabei denke das Land gar an die dreißiger Jahre und den damaligen Finanzminister Takahashi. Er hatte damals die Notenbank angehalten, den Staat durch den massiven Kauf von Anleihen zu finanzieren. Takahashi führte damals die japanische Volkswirtschaft mit schuldenfinanzierter Nachfrage (deficit spending) und einer drastischen Abwertung der Währung aus der Depression. Takahashi wurde aber im Jahr 1936 ermordet, als er diese Politik rückgängig machen und die Ausgaben wieder drosseln wollte.

          Am Donnerstag wird der künftige Notenbankgouverneur der Bank von England, Mark Carney, vor dem britischen Finanzausschuss sprechen. Mit Spannung wird erwartet, ob Carney für eine in Großbritannien umstrittene Aufweichung des Inflationsziels plädieren wird.

          Weiteres Thema an den Märkten ist Zypern. Der Untersuchungsbericht von Pimco über den Kapitalbedarf der zypriotischen Banken dürfte am kommenden Montag den Euro-Finanzministern präsentiert werden. Dann dürften weiterhin harte Verhandlungen mit der Troika folgen, zumal der Bundestag ein etwaiges Hilfspaket für Zypern absegnen müsste, sollte es dazu kommen. In der vergangenen Woche hatte Finanzminister Vassos Shiarly mitgeteilt, dass vorrangige private Anleihegläubiger der Banken keinen Schuldenschnitt zu befürchten hätten.

          Es wird in diesem Sommer immer wieder Themen geben, welche die Märkte daran erinnern, dass die Banken- und Schuldenkrise noch nicht überstanden ist, auch wenn kein Grund mehr besteht, am Fortbestand des Euro zu zweifeln. Dies hat die Verstaatlichung der niederländischen Bank SNS Reaal zeigt, und der Skandal um die italienische Monte dei Paschi di Siena. Auch die zähen Verhandlungen um die Bankenunion sind in den Augen der Finanzmärkte kein gutes Zeichen, denn eine direkte Bankenkapitalisierung durch den Rettungsschirm ESM hatte eigentlich die verhängnisvolle Abhängigkeit der Bonität von Banken und Staaten voneinander kappen sollen.

          Quelle: F.A.Z.

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