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Internationaler Finanzmarkt Rückkehr der Rezession im Euroraum

 ·  Die Wirtschaft im Euroraum schrumpft. Investoren hoffen auf neue Anleihekäufe der EZB. Das ist auch treibender Faktor für die neuerlichen Kursgewinne an den Aktienmärkten.

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© dapd Die Märkte schauen dieser Tage gespannt auf die EZB

Noch immer werden die Kapitalmärkte von der Hoffnung auf einen Befreiungsschlag durch die Europäische Zentralbank (EZB) bestimmt. Die von EZB-Präsident Mario Draghi Ende Juli in Aussicht gestellten Anleihekäufe sollen es richten. Die bevorstehenden schwachen Konjunkturdaten dürften die Erwartungen gegenüber der Notenbank noch verstärken. Am Dienstag wird Frankreich voraussichtlich für das Frühjahr eine schrumpfende Wirtschaft melden.

Die relativ robuste deutsche Wirtschaft dürfte in den Monaten April, Mai und Juni zwar noch geringfügig gewachsen sein. Das reicht anders als im ersten Quartal jedoch nicht mehr aus, um die gesamte Wirtschaft der Währungsgemeinschaft über der Null-Linie zu halten. Deshalb wird für den Euroraum insgesamt ein Rückgang um etwa 0,2 Prozent erwartet, und die meisten Ökonomen der Banken rechnen damit, dass sich die Talfahrt fortsetzt.

Seit fünf Wochen Kursgewinne

Auf den Aktienmärkten hat es jedoch trotz der tristen Aussichten zuletzt Kursgewinne gegeben. Seit gut fünf Wochen steigen die Kurse überwiegend. Allein in der vergangenen Woche legte der Dax um 1,4 Prozent auf 6.995 Punkte zu und der breiter angelegte F.A.Z.-Index um gut 1 Prozent auf 1.498 Punkte. Treibender Faktor ist vor allem das Versprechen des EZB-Präsidenten Draghi, er habe die Mittel, um ein Scheitern des Euro zu verhindern, und werde sie auch einsetzen. In den kommenden Tagen wird das Rätseln darüber, was das genau bedeuten wird, die Märkte weiterhin beschäftigen.

Denn Draghi entscheidet nicht allein, und die meisten anderen Notenbanker haben sich noch nicht im Detail zu den angekündigten Käufen von kurzlaufenden Anleihen der finanzschwachen Euroländer geäußert - wohl auch deshalb, weil die Details nicht feststehen. Umso mehr Raum gibt es für Spekulation: So mutmaßt die Royal Bank of Scotland schon, am wirksamsten sei das Programm „Bond Buying 2.0“, wenn es unbegrenzt sei. Dann müsse die Zentralbank es vielleicht gar nicht anwenden, weil die Preise italienischer und spanischer Staatsanleihen, getrieben von vorauseilenden Käufen privater Investoren auch ohne Intervention, der EZB steigen.

Ohne Limit wäre jedoch nicht nur die Marktwirkung des Kaufprogramms größer, zugleich wären auch die möglichen Ausfallrisiken jeder Begrenzung entzogen. Bei der letzten großen Runde von Anleihekäufen zugunsten Spaniens und Italiens im vergangenen Jahr hat die Bundesbank deshalb gemeinsam mit anderen skeptischen Notenbankern eine Obergrenze durchgesetzt. Alle zwei Wochen legte der EZB-Rat diese Grenze neu fest. Nach Informationen dieser Zeitung lag sie im November 2011 bei etwa 20 Milliarden Euro.

Eine andere wichtige offene Frage für das Kaufprogramm ist, ob die EZB als bevorrechtigter Gläubiger auftritt. Bei der Umschuldung Griechenlands blieb sie ungeschoren. Seitdem müssen private Anleger fürchten, dass sich mit jedem Anleihekauf der EZB ihre eigene Position für den Fall einer Umschuldung verschlechtert, weil die privaten Gläubiger einen umso größeren Verzicht leisten müssten. Die Notenbank kann zwar nun erklären, dass sie bei künftigen Umschuldungen auf ein Vorrecht verzichten will, doch das dürfte nicht alle Zweifel der Investoren ausräumen.

Auf den Märkten überwiegt Zuversicht

Doch trotz dieser Unwägbarkeiten überwiegt auf den Märkten derzeit die Zuversicht. Insbesondere für italienische und spanische Anleihen mit kurzer Laufzeit haben sich die Renditen spürbar verringert, wenngleich die Finanzierungskosten für beide Staaten weiterhin bedenklich hoch sind. Spanien müsste derzeit etwa 6,8 Prozent Rendite bieten, um sich für zehn Jahre Geld leihen zu können. Für diese Woche sind keine Anleiheemissionen geplant. Allerdings braucht Griechenland 3,1 Milliarden Euro, um am Montag nächster Woche eine fällige Anleihe zu tilgen, die von der Umschuldung ausgenommen worden war.

Das Geld wird sich die Regierung voraussichtlich bei den heimischen Banken leihen, die dafür im Gegenzug die neuen Staatstitel bei der griechischen Notenbank beleihen. Das ist eigentlich nicht möglich, weil die EZB griechische Anleihen nicht mehr akzeptiert. Doch per Ratsbeschluss hat die EZB das Volumen für das Notprogramm ELA, dass die griechische Notenbank auf eigene Rechnung betreiben darf, ausgeweitet.

Neue Hinweise auf den Weg aus der Krise könnte es aus Italien geben. Dort gewinnt das Programm zur Privatisierung von Vermögenswerten an Konturen. Rund 10 Milliarden Euro soll die Plazierung von Anteilen an den drei Unternehmen Fintecna, Sace und Simest bei einer Staatsbank einbringen. Weitere 5 Milliarden Euro verspricht sich Italiens Regierung vom Verkauf von Immobilien. Laut einem Bericht der italienischen Bank Unicredit besitzt die öffentliche Hand in Italien Immobilien im Wert von 450 bis 600 Milliarden Euro, von denen etwa 10 Prozent kurzfristig für einen Verkauf in Frage kommen könnten.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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