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Internationaler Finanzmarkt Marktakteure rechnen mit Zinspause der Federal Reserve

06.08.2006 ·  Die Europäische Zentralbank will die Geldpolitik weiter straffen. Doch die wichtigste Entscheidung der Woche fällt bei der amerikanischen Notenbank. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt von Claus Tigges.

Von Claus Tigges, Washington
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Tun sie's, oder tun sie's nicht? Die Aufmerksamkeit der Akteure in den Finanzmärkten gilt in dieser Woche zunächst der amerikanischen Notenbank (Fed). Die Währungshüter um Chairman Ben Bernanke treffen sich am Dienstag und beraten darüber, ob sie ihren Weg der geldpolitischen Straffung fortsetzen und einen weiteren Zinsschritt unternehmen oder ob sie es zunächst bei der siebzehnten Leitzinsanhebung in Folge um insgesamt 4,25 Prozentpunkte belassen und die Wirkung der gedrosselten Liquiditätszufuhr ein wenig länger beobachten.

Die Konjunkturdaten der vergangenen Wochen, die den Ausschlag für den Zinsbeschluß geben sollen, haben kein eindeutiges Bild von den Risiken für Wachstum und Inflation gezeichnet. Zwar haben sich die Hinweise auf eine Abkühlung der Wirtschaft verstärkt. Allerdings scheint die Gefahr eines weiteren, unerwünschten Anstiegs der Teuerung noch nicht ganz gebannt. Die Frage, die die Währungshüter beantworten müssen, lautet darum: Wird sich die Konjunktur ausreichend stark beruhigen, um auch den mittelfristigen Inflationsdruck zu bremsen? Die Daten zum Arbeitsmarkt im Juli, die zum Schluß der vergangenen Handelswoche veröffentlicht wurden, ließen ebenfalls keinen ganz klaren Schluß zu.

EZB auf sicherem Kurs zu höheren Zinsen

Auf der einen Seite fiel der Stellenzuwachs schwächer aus als erwartet, und die Arbeitslosenquote erhöhte sich von 4,6 auf 4,8 Prozent. Auf der anderen Seite kletterten die Stundenlöhne um 0,4 Prozent - eine zusätzliche Kostenbelastung für die Unternehmen, die tendenziell preistreibend wirken könnte. Viele Marktakteure rechnen gleichwohl nun zumindest mit einer Pause in der Zinsrunde. Wie sich aus den Kursen am Terminmarkt lesen läßt, geben die Marktakteure einem Zinsschritt am Dienstag nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 16 Prozent.

Auf einem sicheren Kurs zu höheren Zinsen ist indes die Europäische Zentralbank (EZB). Die von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach Frankfurt beorderten Ratsmitglieder haben am Donnerstag die Erwartungen der Marktakteure bestätigt und den Leitzins für den Euro-Raum um einen Viertelprozentpunkt auf 3 Prozent angehoben. Aus den Äußerungen Trichets zu Wachstum und Inflation durften die EZB-Beobachter den Schluß ziehen, daß der Leitzins in den kommenden Monaten mindestens auf 3,25 Prozent, womöglich auch auf 3,5 Prozent steigen wird.

Wechselhafte Stimmung an den Aktienbörsen

Vielfach unerwartet hat die Bank von England ebenfalls am Donnerstag ihren Leitzins von 4,5 auf 4,75 Prozent heraufgesetzt. Gouverneur Mervyn King nannte eine Beschleunigung der Konjunktur und eine über den Zielwert von 2 Prozent hinaus gestiegene Inflationsrate von 2,5 Prozent als Grund für die geldpolitische Straffung.

An den Aktienbörsen und an den Kapitalmärkten ist die Stimmung nun schon seit einigen Wochen wechselhaft. Gute Quartalsergebnisse und Berichte von Fusionen und Übernahmen hellen die Stimmung immer wieder auf und treiben die Notierungen in die Höhe. Dann aber gibt es Tage, an denen die Furcht vor einem weiteren Entzug der globalen Liquidität - nicht nur durch Fed und EZB, sondern auch durch die Notenbanken in Japan, der Schweiz, Australien und anderswo - und die Sorge vor einem Knick im Wachstum der Weltwirtschaft die Oberhand gewinnen und auf die Kurse schlagen.

Die Kurse schwanken auf den Anleihemärkten

Der Blick aus einiger Entfernung auf maßgebliche Börsenindizes läßt eine Seitwärtsbewegung erkennen: Der Dow Jones beendete die Handelswoche mit einem Tagesverlust von 0,02 Prozent auf 11240 Punkten und steht damit nur 150 Punkte oder rund 1,3 Prozent besser als vor einem Monat. Der Deutsche Aktienindex Dax verbuchte zwar ein ordentliches Plus von 1,47 Prozent am Freitag, liegt mit 5723 Punkten aber nur 0,7 Prozent besser als vor vier Wochen.

Auf den Anleihemärkten schwanken die Kurse ebenfalls. Die amerikanische Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit wirft derzeit eine Rendite von 4,91 Prozent ab. Das sind gut 50 Basispunkte mehr als Anfang Januar, aber auch 28 Basispunkte weniger als Anfang Juli. Damit neigt sich die amerikanische Zinsstrukturkurve ein Stück nach rechts, was von manchen Ökonomen als sicheres Zeichen für eine herannahende Rezession gewertet wird. Die deutsche Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit rentiert mit 3,88 Prozent, ebenfalls gut 50 Basispunkte höher als zu Jahresbeginn und knapp 20 Basispunkte niedriger als vor vier Wochen.

„Ich hatte erwartet, daß es dabei bleibt“

Für ein wenig Überraschung unter den Marktakteuren sorgte vergangene Woche das amerikanische Finanzministerium. Dabei ging es nicht so sehr um die erste öffentliche Rede des neuen Finanzministers Hank Paulson. Dieser hatte New York als Ort für seine Bemerkungen zur Lage der Wirtschaft gewählt und bekräftigte das Credo, wonach ein starker Dollar im Interesse Amerikas sei. Verwundert zeigten sich Analysten über die Ankündigung, daß die Staatsanleihe mit 30 Jahren Laufzeit, der sogenannte Long Bond, vom kommenden Jahr an im vierteljährlichen Rhythmus zur Versteigerung angeboten werden soll.

Bei seiner Wiedereinführung im Februar wurde für die Staatsanleihe mit der längsten Laufzeit eine halbjährliche Plazierung anvisiert. „Ich hatte erwartet, daß es dabei bleibt, angesichts des abnehmenden Finanzierungsbedarfs aufgrund der sinkenden Haushaltsdefizite“, äußerte sich David Greenlaw von Morgan Stanley überrascht. Zugleich stellte das Ministerium für das kommende Jahr eine leichte Erhöhung des Volumens des Long Bond von rund 24 Milliarden Dollar auf rund 28 Milliarden Dollar in Aussicht. Greenlaw vermutet, daß die Schuldenmanager der Regierung sich die verhältnismäßig niedrigen Zinsen für geraume Zeit sichern wollen.

Quelle: F.A.Z., 07.08.2006, Nr. 181 / Seite 22
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