Home
http://www.faz.net/-gv6-14w66
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Internationaler Finanzmarkt Griechenland kämpft um Vertrauen

31.01.2010 ·  Sorgen um die Währungsunion belasten den Euro. Je größer die Angst an den Kapitalmärkten, desto wahrscheinlicher wird das gefürchtete Szenario. Das Umfeld bleibt unsicher. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

Von Bettina Schulz
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (4)

Es ist Vollmond. Das ist nicht gut für die Finanzmärkte, vor allem nicht, wenn Fondsmanager voll investiert sind. Bei Vollmond können auch Fondsmanager nicht gut schlafen. Sie grübeln des Nachts über ihre Anlagepositionen, bekommen Panik und verkaufen. Manche Banker glauben fest an die Theorie des Vollmondes.

Für Fondsmanager gibt es derzeit genug zu grübeln. Erholt sich die Weltkonjunktur, oder droht von geldpolitischer oder fiskalpolitischer Seite Ungemach? Amerikas Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im vierten Quartal 2009 um 5,7 Prozent zu. Die Quartals- und Jahresergebnisse, die die Unternehmen vorlegen, sind nicht schlecht. Aber die volkswirtschaftlichen Daten über Auftragseingänge, Produktion und Arbeitsmärkte lassen in den westlichen Industrieländern nicht erkennen, ob es sich um eine nachhaltige Konjunkturerholung handelt und ob sich die Unternehmen in diesem Jahr so günstig refinanzieren können, dass sie die Konjunkturerholung mit Investitionen begleiten können.

Ein größeres Störfeuer

Die Notenbanken der westlichen Industrieländer halten an ihrem niedrigen Zinsniveau fest, lassen jedoch langsam ihre Notpolitik der quantitativen Lockerung auslaufen. Am Donnerstag wird voraussichtlich auch die Bank von England endgültig entscheiden, dass ihr Sonderprogramm der Anleihekäufe beendet ist und nicht noch einmal aufgestockt wird. Von der Europäischen Zentralbank (EZB) sind am Donnerstag auch keine Überraschungen zu erwarten.

Größeres Störfeuer kommt von Seiten der Fiskalpolitik. Eine Kombination von zu straffer fiskalpolitischer Disziplin in Form von Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen kann mit gleichzeitig zu scharfer Bankenregulierung in der jetzigen Situation ebenso gefährlich wirken wie eine zu restriktive Geldpolitik.

Sorge um Griechenland

Regierungen und Kapitalmärkte müssen deshalb gemeinsam eine schwierige Gratwanderung gehen, und da zählt gegenseitiges Vertrauen. Es hilft daher nicht, wenn Marktteilnehmer befürchten müssen, dass Regierungen mit ihren fiskalpolitischen Zahlen hinter den Berg halten. So hat Griechenland sein Haushaltsdefizit für 2009 von 6 auf 12,7 Prozent erhöht, Portugal von 8 auf 9,3 und Spanien von 9,5 auf 11,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Ebenso wichtig ist, dass die Kapitalmärkte den Programmen fiskalpolitischer Disziplin trauen können. Regierungen müssen glaubhafte Maßnahmenpakete vorlegen, wie sie ihre Haushaltsdefizite kürzen und Schuldenberge abtragen werden. Nur dann können sich die Länder das Vertrauen an den Kapitalmärkten erhalten. Das Vertrauen ist schnell verspielt, wie der Fall Griechenland und seine enttäuschende fünfjährige Anleiheemission über 8 Milliarden Euro Anfang vergangener Woche gezeigt hat. Zwar hatten die Investoren 25 Milliarden Euro nachgefragt, aber Griechenland musste auch einen Zinskupon von 6,1 Prozent bieten. Griechische Staatsanleihen haben allein im Januar 6 Prozent an Wert verloren. Die Rendite zehnjähriger Anleihen schnellte nach der Plazierung des jüngsten Schuldtitels auf 7,16 Prozent gegenüber 3,19 Prozent für Bundesanleihen in die Höhe. Die Sorge um Griechenland schlägt nun auch auf den Wechselkurs des Euro durch, der im Januar gegenüber dem Dollar um 3,2 Prozent und gegenüber dem Yen um 6,1 Prozent abwertete.

Hier zählt Glaubwürdigkeit

Die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion ist abwegig und wird lediglich von euroskeptischen angelsächsischen Medien geschürt, die seit Jahren auf das Ende der Währungsunion warten. Darum geht es nicht, wohl aber um ein Konzept, wie der Währungsblock den Kapitalmarktzugang all seiner Mitgliedstaaten bewahrt.

Hier zählt Glaubwürdigkeit. Überzeugen fiskalpolitische Programme die Kapitalmärkte, dann geben die Marktteilnehmer dem Land so lange Zeit, wie es braucht, um seine Programme umzusetzen. Je weniger die Marktteilnehmer jedoch von der fiskalpolitischen Glaubwürdigkeit überzeugt sind, desto weniger Zeit räumen die Kapitalmärkte dem verschuldeten Staat ein. Gleichzeitig verlangen die Marktteilnehmer höhere Risikoprämien.

Dem Staat bleibt nichts anderes übrig, als sich immer kurzfristiger und immer teurer zu refinanzieren. Dadurch verschlechtert sich seine Schuldensituation weiter. „Die größte Gefahr ist, dass Griechenland seinen Zugang zu den Kapitalmärkten verliert und dann gerettet werden muss. Je größer die Angst an den Kapitalmärkten vor diesem Szenario ist und je mehr die Risikoaversion steigt, desto wahrscheinlicher wird dieses Szenario“, warnt Barclays Capital.

Der gordische Knoten

Es stellt sich daher die Frage, ob es wirklich klug ist, Griechenland allein um seine Glaubwürdigkeit an den Kapitalmärkten kämpfen zu lassen. „Ein Hilfspaket gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mag für die Währungsunion peinlich sein. Ein Hilfspaket der Währungsunion ohne den IWF kann aber letztlich noch schlimmer sein“, gibt JP Morgan zu bedenken. „Egal, wie die Währungsunion diesen gordischen Knoten löst: es wird mittelfristig gewaltige Konsequenzen für die gesamte Region haben.“ Die Krise um hochverschuldete Staaten ist schneller zu einer Belastung für die Finanzmärkte geworden, als erwartet worden war. Die Gefahr besteht nun darin, dass die Kapitalmärkte die hochverschuldeten Staaten jetzt zu einer fiskalpolitischen Disziplin zwingen, die die Realwirtschaft gegenwärtig nicht verkraften kann, zumal die Hilfe der Notenbanken abflaut.

Dies sind Themen, die Fondsmanager umso mehr fürchten, als sie hoch investiert und überaus euphorisch in das neue Jahr gegangen sind. Jetzt lösen diese Investoren einen Teil ihrer Risikopositionen wieder auf. Dies erklärt, warum die Indizes an zahlreichen Aktienmärkten vergangene Woche durch wichtige Unterstützungslinien fielen. Der Dax hat seit Beginn des Jahres 5,9 Prozent und der amerikanische S&P-500-Index 3,7 Prozent verloren. Die Auflösung risikoreicherer Positionen ist auch an der Aufwertung des Dollar zu erkennen, der Ende der Woche bei 1,386 Dollar zum Euro notierte. Das ist der niedrigste Stand seit mehr als sieben Monaten.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Wirtschaftskorrespondentin in London.

Jüngste Beiträge

25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%