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Internationaler Finanzmarkt Griechenland bleibt das wichtigste Thema

02.05.2010 ·  Trotz der Milliardenhilfen ist nicht klar, wie Griechenland seine Wettbewerbsfähigkeit stärken will. Es gibt bisher kein Beispiel, wo derart umfangreiche Anpassungs- und Strukturmaßnahmen in einer anhaltenden Rezession geglückt sind. Die Märkte warten darauf, ob und wie Griechenland geholfen wird.

Von Bettina Schulz
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Diese Woche ist für die Finanzmärkte in Europa entscheidend: Das am Wochenende mit der griechischen Regierung vereinbarte fiskalpolitische Maßnahmenpaket lässt die kurzfristige Rettung des Landes durch den Internationalen Währungsfonds und die Europäische Union in greifbare Nähe rücken. Griechenland beugte sich am Wochenende der Forderung, sein Haushaltsdefizit stärker zu verringern als bisher geplant.

Nach einer Ankündigung der griechischen Regierung soll das Haushaltsdefizit, das im vergangenen Jahr über 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betrug, im Jahr 2014 wieder unter die EU-Defizitgrenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung sinken. Im Gegenzug könnten nach verschiedenen Presseberichten Länder der Europäischen Union und der Internationale Währungsfonds nun bereit sein, Griechenland in diesem und den beiden kommenden Jahren mit Krediten und Kreditbürgschaften von bis zu 110 Milliarden Euro zu unterstützen. Auch eine freiwillige Hilfe europäischer Banken, Versicherer und Industrieunternehmen wird für möglich gehalten.

„Die Sorgen über die langfristige Zahlungsfähigkeit bleiben bestehen“

Mit der Hilfe wird Griechenland für fast drei Jahre erspart, an den internationalen Kapitalmärkten Geld aufnehmen zu müssen. Damit ist Griechenland zunächst nicht mehr abhängig von den Finanzierungskonditionen der Märkte, und die Angst vor einem Zahlungsausfall oder gar einer Umschuldung, in welcher Form auch immer, rückt zunächst in den Hintergrund.

Kurzfristig dürfte die sich abzeichnende Lösung für Griechenland die Märkte etwas erleichtern. Dies wurde bereits am Ende der vergangenen Woche sichtbar: Nach der Panik um die Rating-Herabstufung Griechenlands, Portugals und Spaniens durch Standard & Poor's sank die Rendite für griechische Papiere mit zweijähriger Restlaufzeit wieder auf unter 13 Prozent. Auch die Rendite zweijähriger portugiesischer Papiere gab wieder auf 4,16 Prozent nach. Der Euro wurde am Freitag gegen 1,3294 Dollar getauscht, nachdem er zuvor auf 1,3115 Dollar gefallen war. „Das Paket senkt das kurzfristige Liquiditätsrisiko Griechenlands und dürfte eine Rally von Anleihen mit kurzer Restlaufzeit des Lands auslösen“, heißt es aus der amerikanischen Bank JP Morgan. „Aber die Sorgen über die langfristige Zahlungsfähigkeit des Landes bleiben bestehen und damit auch die Aussichten für lang laufende griechische, portugiesische und irische Anleihen. Viel hängt davon ab, wie überzeugt die Marktteilnehmer davon sind, dass die griechische Regierung die Sparmaßnahmen auch umsetzen kann.“

Beispiellose Anpassungs- und Strukturmaßnahmen

Die Risikoaufschläge am mittleren und langen Ende der betroffenen Anleihemärkte würden daher so lange auf erhöhtem Niveau notieren, bis sich abzeichne, dass Griechenland seine fiskalpolitische Situation in den Griff bekomme. Trotz der Hilfe ist nicht klar, wie Griechenland seine Wettbewerbsfähigkeit ohne die Möglichkeit, abzuwerten, stärken will. Es gibt bisher auch kein Beispiel, wo eine Regierung derart umfangreiche Anpassungs- und Strukturmaßnahmen in einer anhaltenden Rezession erfolgreich umgesetzt hat.

Die Ratingagentur Moody's betonte in der vergangenen Woche: Sollte die Unterstützung für Griechenland von politischer Seite wanken oder würden die Maßnahmen nicht voll umsetzt, werde dies der griechischen Bonität „signifikant“ schaden. Es drohten dann weitere Abstufungen der Kreditwürdigkeit. Die Europäische Zentralbank signalisierte allerdings, dass griechische Anleihen dennoch als zentralbankfähige Papiere gelten werden, um den griechischen Banken nicht ihre Refinanzierungsmöglichkeiten zu beschneiden.

Neue britische Regierung wird ebenfalls drastisch sparen müssen

Wir sehr europäische Regierungen ihre defizitären Haushalte sanieren müssen, wird diese Woche auch mit Blick auf Großbritannien ein Thema: Am Donnerstag wird dort ein neues Parlament gewählt, und am Freitagmittag sollte klar sein, ob Labour nach 13 Jahren Regierungszeit abgewählt worden sein wird und die Konservativen die Macht übernehmen oder ob sie eine Koalitionsregierung mit den Liberalen eingehen müssen. Egal wer gewinnt - eine neue Regierung wird ebenfalls drastische Sparmaßnahmen verkünden müssen.

Angst an den Finanzmärkten, dass all die jetzt verkündeten Sparmaßnahmen die Konjunktur wieder abwürgen könnten, scheinen indes übertrieben. Nach einer Berechnung von JP Morgan gleichen sich die fiskalpolitischen Sparmaßnahmen innerhalb der Währungsunion in etwa mit den fiskalpolitischen Hilfsmaßnahmen von Ländern wie Deutschland aus. Im Gegensatz zu Griechenland nehmen Portugal, Spanien, Irland und Großbritannien zudem ihre haushaltspolitischen Anpassungen in einem beginnenden Konjunkturaufschwung vor.

Stimmung der europäischen Verbraucher hellt sich auf

Angesichts einer extrem niedrigen Inflation bleibt die Geldpolitik anhaltend expansiv. Dies ist mit Ausnahme Asiens auch in den Vereinigten Staaten und Japan der Fall und zwar trotz erstarkender Konjunktur, wie diese Woche voraussichtlich die amerikanischen Arbeitsmarktzahlen zeigen werden.

Blickt man über die Griechenland-Krise hinweg, sieht das Bild der Welt überraschend positiv aus. Während der Berichtssaison in den Vereinigten Staaten haben 78 Prozent der Unternehmen deutlich höhere Gewinne als erwartet vorgelegt. Auch in Europa zeigen die jüngsten Indikatoren, dass sich die Stimmung auch der Verbraucher aufhellt. Das bedeutet, dass immer mehr Länder ihre fiskalpolitischen Hilfsmaßnahmen werden auslaufen lassen können, die automatischen Stabilisatoren abklingen, die Steuereinnahmen langsam wieder steigen und sich allein deshalb die Haushaltslage wieder etwas entspannt.

Die Aktienmärkte nahmen die Griechenland-Krise und ihre Belastung für die Banken sowie die verheerende Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko indessen zum Anlass, nach dem Erreichen technisch wichtiger Widerstandsmarken eine Verschnaufpause einzulegen: Der Dax schloss mit 6135,70 Punkten und der S&P 500 mit 1186,68 Punkten.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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