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Internationaler Finanzmarkt Gefahren für den globalen Aufschwung

08.08.2010 ·  Der amerikanische Arbeitsmarktbericht verspricht nichts Gutes für den künftigen Konsum. In Europa und vor allem Deutschland hält die Konjunkturerholung dagegen noch an. Die absehbar restriktive Fiskalpolitik versetzt dem Konsum aber auch in zahlreichen europäischen Ländern einen Dämpfer.

Von Bettina Schulz, London
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Der enttäuschende amerikanische Arbeitsmarktbericht vom Freitag ist kein erfreulicher Vorbote für die Sitzung des Offenmarktausschusses der amerikanischen Notenbank (Fed) am Dienstag. Mit 71.000 Stellen wurden im amerikanischen Privatsektor nicht so viele Arbeitsplätze geschaffen wie erhofft. Im staatlichen Sektor fielen mit 202.000 Stellen mehr Arbeitsplätze der Rezession zum Opfer als erwartet. Damit sind im Juli außerhalb des Agrarsektors nochmals 131.000 Stellen fortgefallen. Dies verspricht nichts Gutes für den künftigen Konsum, zumal Daten über Hausverkäufe und Industrieaufträge im Juni ebenfalls mager ausfielen.

Dabei hatte sich die Lage an den Finanzmärkten dank überraschend guter Unternehmens- und Bankenergebnisse für das erste Halbjahr entspannt. Zu den positiv ausgefallenen Stresstests europäischer Banken und dem Entgegenkommen des Baseler Komitees für Bankenaufsicht, das die künftigen Anforderungen für Eigenkapital und Liquidität nicht so harsch ausfallen lassen wird wie befürchtet, gesellte sich eine überraschend erfreuliche Berichtssaison.

EZB konnte Käufe zuvor illiquider Peripherieanleihen weiter senken

Bei fast allen Finanzinstituten war zu erkennen, dass sich die Verluste aus Abschreibungen gefährlicher Risikopositionen fast halbierten, die Banken mit einer höheren Eigenkapitalquote dastehen als zuvor und sie mehr Liquidität vorhalten. Das Verhältnis von Kreditgeschäft zu Einlagen hat sich bei fast allen Finanzinstituten verbessert, und die Banken haben die Risikopositionen (Value at Risk) und ihren Fremdkapitalhebel (Leverage) gesenkt. Dies alles sind zwar technische Details. Sie zeigen aber, dass die Branche langsam gesundet. In Großbritannien haben die beiden mehrheitlich verstaatlichten Großbanken, die Royal Bank of Scotland und die Lloyds Banking Group, gar wieder die Gewinnschwelle erreicht. Zahlreiche Bankaktien haben in den vergangenen drei Wochen Kursgewinne von 10 bis 25 Prozent verbucht.

Die solidere Lage in der Finanzbranche hat zu einer Entspannung am Geldmarkt geführt und die Investoren wieder mutigere Anlageentscheidungen fällen lassen. Sie haben zum Beispiel verstärkt Anleihen der zuvor gemiedenen Peripherieländer der Währungsunion gekauft, so dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Käufe zuvor illiquider Peripherieanleihen weiter senken konnte.

Restriktive Fiskalpolitik versetzt dem Konsum einen Dämpfer

Der deutsche Aktienindex Dax erreichte angesichts dieser entspannten Stimmung in der vergangenen Woche ein Jahreshoch von fast 6400 Punkten, fiel aber am Freitag nach den enttäuschenden amerikanischen Arbeitsmarktdaten auf 6259 Punkte zurück. Der amerikanische Aktienindex S&P 500 stabilisierte sich am späteren Nachmittag und schloss bei 1122 Punkten nur marginal schwächer.

Diese Woche wird sich der Blick der Marktteilnehmer allerdings auf die bedenkliche Wirtschaftslage richten. In der Zeit, in der die Industrie nach der schweren Rezession ihre Lagerhaltung aufstocken und die bessere Nachfrage befriedigen musste, legten Aufträge, Produktion und Wirtschaftswachstum erfreulich zu. Dies war die Zeit, in der die Industrie exportorientierter Länder wie Deutschland einen Aufschwung erlebte. Diese Konjunkturerholung hält in Europa und vor allem in Deutschland noch an. Der Konsum jedoch lässt langsam zu wünschen übrig: In den angelsächsischen Ländern bauen die Verbraucher angesichts der Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Unsicherheit ihre Verschuldung ab, bevor sie sich in neuen Konsum stürzen. Die absehbar restriktive Fiskalpolitik versetzt dem Konsum auch in zahlreichen europäischen Ländern einen Dämpfer.

Rendite amerikanischer Staatsanleihen mit zwei Jahren Restlaufzeit auf Rekordtief

J.P. Morgan erwartet daher, dass sich das Weltwirtschaftswachstum von 3,6 Prozent 2009 in diesem Jahr auf 2,6 Prozent verlangsamen wird. „Ein niedrigeres Wirtschaftswachstum ist kein Problem, solange es mit mehr Stabilität an den Finanzmärkten einhergeht“, heißt es bei J.P. Morgan. Die Analysten erwarten, dass der Welt „nur“ diese Art einer zwischenzeitlich schwächeren Wachstumsrate bevorstehe. Wenn jedoch das Wachstum unter 2 Prozent falle, warnt J.P. Morgan, bedeute dies höhere Haushaltsdefizite, mehr Arbeitslosigkeit, niedrigere Unternehmensgewinne und Unsicherheit an den Finanzmärkten.

Diese Woche dürfte bei der Fed wie auch im Inflationsbericht der Bank von England zu erkennen sein, dass beide Notenbanken abwarten und nur die Risiken und Unsicherheiten der weiteren Konjunkturerholung hervorheben. Die Maßnahmen, die Notenbanken in wirtschaftlich schwachen Zeiten ergreifen können, sind ausgeschöpft. Die Rendite amerikanischer Staatsanleihen mit zwei Jahren Restlaufzeit belief sich nach Veröffentlichung der schwachen Arbeitsmarktdaten auf nur noch knapp 0,5 Prozent, ein Rekordtief. Neue Maßnahmen der quantitativen Lockerung wären möglich, würden jedoch ein Alarmsignal an die Märkte senden. So könnte die Fed im September ihre quantitative Lockerung mit dem Kauf von Staatsanleihen oder mit Hypotheken besicherten Anleihen wiederaufnehmen. Aber J.P. Morgan erwartet, dass die Fed so erst bei drastisch schlechteren Wirtschaftsdaten reagieren werde.

Dollar auf dem tiefsten Stand seit 15 Jahren

Die EZB verfolgt noch einen gegenteiligen Kurs: Im Zuge der Griechenland-Krise hatte sie die Normalisierung ihrer Geldpolitik unterbrochen, könnte ihren Kurs jedoch im September fortsetzen, vermutet die BHF-Bank. Auch wenn sich EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vergangene Woche fast überrascht über die „sehr gute“ Erholung in der Währungsunion im zweiten Quartal äußerte, so warnt Barclays Capital, dass sich Europa vom langsameren Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten im zweiten Halbjahr nicht werde abkoppeln können.

Vergangene Woche fiel der Dollar angesichts der schwachen Arbeitsmarktdaten vom Freitag gegenüber der japanischen Währung auf 85,15 Yen. Der Wechselkurs nähert sich 84,81 Yen und damit dem tiefsten Stand seit 15 Jahren. Gegenüber dem Euro gab der Dollar auf 1,33 Dollar nach. Die Talfahrt des Dollar hat in den vergangenen Wochen zu höheren Rohstoffpreisen geführt – der Ölpreis liegt wieder bei mehr als 80 Dollar je Barrel (159 Liter). Furcht vor einer durch Rohstoffpreise und Agrargüter entfachten Inflation vor allem in den Schwellenländern wurde am Markt für Weizen geschürt. Nach kräftigen Preissteigerungen hat Russland aufgrund seiner verheerenden Ernteeinbußen den Getreideexport bis Anfang Dezember ausgesetzt.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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