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Internationaler Finanzmarkt Dollar unter Druck

03.12.2006 ·  Der Dollar steht unter Druck. Die amerikanische Währung verliert derzeit nahezu an jedem Handelstag ein Stück an Wert, vor allem gegen Euro, Yen und britisches Pfund. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

Von Claus Tigges, Washington
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Der Dollar steht unter Druck. Die amerikanische Währung verliert derzeit nahezu an jedem Handelstag ein Stück an Wert, vor allem gegen Euro, Yen und britisches Pfund. Der Euro ist für Amerikaner inzwischen so teuer wie seit 20 Monaten nicht mehr, und in der Kursentwicklung zum Pfund muß man gar 14 Jahre zurückblicken, um Austauschverhältnisse von mehr als 1,97 Dollar je Pfund zu finden.

Hinter den Verschiebungen im Wechselkursgefüge stecken vor allem die unterschiedlichen Wachstumserwartungen in Amerika, dem Euro-Raum und auf der Insel sowie daraus abgeleitet unterschiedliche Prognosen für den Pfad der Leitzinsen in den drei Währungsräumen. Dabei fällt es den Finanzmarktakteuren in diesen Tagen gar nicht leicht, sich ein Bild vom Zustand und insbesondere von den Aussichten für die amerikanische Wirtschaft zu machen.

Die Konjunkturdaten, die veröffentlicht werden, weisen mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung. In der vergangenen Handelswoche wurden die Börsianer zunächst von der Mitteilung überrascht, daß das Wachstum der größten Volkswirtschaft der Erde sich im dritten Quartal nicht so sehr abgeschwächt hat wie zunächst befürchtet. Dann aber schürte unter anderem die Nachricht von einer trüben Stimmung im produzierenden Gewerbe wieder die Sorge, daß dem Wachstum womöglich noch ein schärferer Knick bevorstehe als gemeinhin erwartet.

Inflation immer noch zu hoch

Eine ganze Reihe von Marktbeobachtern hält den recht zuversichtlichen Ausblick, den Notenbankchairman Ben Bernanke dieser Tage gegeben hat, für ein gutes Stück zu optimistisch. Bernanke rechnet damit, daß die Wirtschaft auch in den kommenden Monaten mit recht ordentlicher Geschwindigkeit wachsen wird. Die Chancen stehen seiner Ansicht nach gut, daß die zweifellos vorhandene Schwäche auf dem Immobilienmarkt keine größeren Kreise zieht.

Statt dessen sei die Inflation immer noch zu hoch und die Gefahr eines beschleunigten Preisauftriebs noch nicht gänzlich gebannt. In die Sprache der Märkte übersetzt, bedeutet dies, daß die Fed eine Lockerung der Geldpolitik bis auf weiteres nicht erwägt.

Ebendies aber halten zahlreiche Markt- und Fed-Beobachter für wahrscheinlich, von David Rosenberg von Merrill Lynch über Maury Harris von UBS bis hin zu Ian Shepherdson von High Frequency Economics. Sie setzen darauf, daß die Fed spätestens im kommenden Frühjahr um eine Zinssenkung gar nicht mehr umhinkommen wird.

Kombination aus hohen Aktien- und Anleihekursen

Diese Einschätzung vermag vielleicht auch den Widerspruch aufzuklären, der sich beim Blick auf die Aktien- und die Anleihemärkte derzeit scheinbar ergibt. An der Aktienbörse ist die Stimmung, abgesehen von schwächeren Handelstagen wie dem Freitag, nicht schlecht. Anders hätte der Dow Jones am 21. November kaum einen Rekord von 12.409 Punkten erreicht. Der schwächer werdende Dollar hat den Börsianern noch nicht ernsthaft aufs Gemüt geschlagen, was auch damit zusammenhängen mag, daß die Gewinne mancher amerikanischer Unternehmen aus dem Auslandsgeschäft durch die Kursverschiebung höher ausfallen.

Zugleich aber deuten die hohen Anleihekurse und niedrigen Renditen - die maßgebliche Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit wirft nur 4,43 Prozent ab, rund 82 Basispunkte weniger als im Sommer - auf die Erwartung eines deutlich schwächeren Wachstums hin. Schlüssig wäre diese Kombination aus hohen Aktien- und Anleihekursen dann, wenn sich in den niedrigen Renditen vor allem die Erwartung eines sich rasch verringernden Inflationsdrucks spiegelte.

Konjunkturaufschwung im Euro-Raum

Besorgt über die Inflation und darum auf dem Kurs zu höheren Leitzinsen ist vor allem die Europäische Zentralbank (EZB). Deren geldpolitischer Rat trifft sich am Donnerstag dieser Woche und wird - das darf als sicher gelten - den Hauptrefinanzierungszins um einen Viertelprozentpunkt auf 3,5 Prozent heraufsetzen.

Verschiedene Äußerungen europäischer Währungshüter, darunter EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark und Bundesbankpräsident Axel Weber, haben schon auf die Notwendigkeit einer zusätzlichen geldpolitischen Straffung hingewiesen. Der Euro zieht daraus einen Teil seiner Stärke, weil der nominale Zinsvorsprung, den kurzfristige Dollaranlagen bieten, in einigen Monaten noch weiter zusammenschmelzen dürfte. Noch zu frisch ist die Euro-Stärke indes, um tiefe Spuren im Exportgeschäft der Unternehmen zu hinterlassen.

Zumal in der EZB und andernorts mit einiger Zufriedenheit notiert wird, daß der Konjunkturaufschwung im Euro-Raum an Breite gewonnen und nicht mehr so sehr von der Warenausfuhr abhängig ist. Die Arbeitslosigkeit in den zwölf Ländern des gemeinsamen Währungsraums ist im Oktober vor allem wegen der Verbesserung auf dem deutschen Arbeitsmarkt auf das niedrigste Niveau seit den achtziger Jahren gesunken.

Es könnte weiter aufwärtsgehen

Es sind gleichwohl nicht nur Euro, Yen und Pfund, die von der Dollar-Schwäche profitieren. Auch der Goldpreis steigt. Zwar ist Gold mit 645 Dollar je Feinunze auf dem Kassamarkt noch ein gutes Stück von den Notierungen des frühen Sommers entfernt. Im Mai mußten mehr als 700 Dollar je Feinunze bezahlt werden, so viel wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Doch nach Einschätzung von Marktbeobachtern könnte es weiter aufwärtsgehen. Das Argument hierfür liefern nicht nur die geopolitische Unsicherheit und eine steigende Nachfrage nach physischem Gold, sondern auch der schwache Dollar: Demnach ist es durchaus plausibel, daß Notenbanken wie die chinesische, die japanische und andere, die einen riesigen Berg von Währungsreserven angehäuft haben und diesen vor allem in Dollar halten, aus Gründen der Risikostreuung ihr Reserveportfolio diversifizieren werden. Davon könnten dann nicht nur andere Reservewährungen wie der Euro, das Pfund oder der Schweizer Franken profitieren, sondern auch Gold.

Quelle: F.A.Z., 04.12.2006, Nr. 282 / Seite 24
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