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Internationaler Finanzmarkt Die Zweifel an der Erholung wachsen

 ·  Die Wahlen in Italien und schlechte Konjunkturzahlen verunsichern die Anleger. Zudem werden immer mehr Länder von den Ratingagenturen herabgestuft. Ein Wiederaufflammen der Krise ist möglich.

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© F.A.Z. Vergrößern

Zu hohe Staatsschulden sind nicht nur ein Merkmal der Europäischen Währungsunion. Am späten Freitagabend entzog die Ratingagentur Moody’s Großbritannien zum ersten Mal in der Geschichte die Bestnote „Aaa“. Das gleiche Schicksal erlitten schon die Vereinigten Staaten, als Standard&Poor’s (S&P) im Sommer 2011 die Höchstnote von „AAA“ aberkannt hatte. Auch Frankreich strichen S&P und Moody’s die Topnote. Die Zinsen amerikanischer und französischer Staatsanleihen sind aber nicht nach oben geschossen, das Gegenteil war der Fall.

Daher dürfte nach der Ratingherabstufung Großbritanniens, mit der die Finanzmärkte schon länger rechnen mussten, eine Verkaufswelle britischer Staatsanleihen wohl ausbleiben. Die Entscheidung ruft aber in Erinnerung, dass Moody’s Ende Juli 2012 den Ratingausblick für Deutschland von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt hatte. Noch genießt der deutsche Staat bei Moody’s und S&P die höchste Kreditwürdigkeit. Aber die Lasten aus der Euro-Krise wecken Zweifel.

Die Wachstumsaussichten sind schlecht

Erst recht, wenn der Spareifer in den Krisenländern nachlässt. Mit Spannung blicken die Anleger auf die Wahlen in Italien, die am Sonntag begonnen haben. Am Montagnachmittag schließen die Wahllokale. Das Rennen ist offen, nachdem der frühere Ministerpräsident Silvio Berlusconi in den Umfragen an Boden gutgemacht hat. Unabhängig vom Ausgang dürften die Wahlen zeigen, dass große Teile der Bevölkerung den zum Abbau der hohen Staatsverschuldung notwendigen Sparkurs nicht mittragen.

Die Wachstumsaussichten sind nicht nur in der Europeripherie schlecht. So kappte am Freitag die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose für den Euroraum in diesem Jahr von plus 0,1 auf minus 0,3 Prozent. Damit verlängert sich die Rezession um ein Jahr. Immer stärker greift die Wachstumsschwäche auf Kernländer wie Frankreich oder die Niederlande über. Die Regierung in Den Haag kämpft mit einer Immobilienkrise und musste den Hypothekenfinanzierer SNS Reaal auffangen.

Stand früher das Kürzel „PIIGS“ für die Euro-Krisenländer Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien, macht nun das Akronym „FISH“ die Runde. Es steht für Frankreich, Italien, Spanien und Holland. Während die italienische und die spanische Wirtschaft schrumpfen und die französische stagniert, breitet sich in Deutschland Zuversicht aus. Der am Freitag vom Münchner Konjunkturforschungsinstitut Ifo veröffentliche Geschäftsklimaindex stieg im Februar auf das höchste Niveau seit zehn Monaten.

Die Deka-Bank führt die seit vier Monaten steigende Zuversicht in der Wirtschaft auf nachlassende Sorgen vor einem Zerfall der Währungsunion zurück. Doch die politischen Risiken bestehen weiterhin. Verwundert zeigt sich Ariel Bezalel, Fondsmanager der britischen Kapitalanlagegesellschaft Jupiter, über die in den Krisenländern noch herrschende Stabilität.

Denn die Sparmaßnahmen treffen immer mehr Bevölkerungskreise und sorgen für Unmut. Die Stabilisierung im Euroraum setzt voraus, dass die Regierungen in diesen Ländern dem wachsenden Druck der Wähler standhalten und die drastischen Sparmaßnahmen fortsetzen. Daran sind Zweifel erlaubt. Deshalb müssen Investoren das Wiederaufflammen der Krise in ihr Kalkül einbeziehen.

Das zeigt sich am erlahmenden Eifer europäischer Banken in der Rückzahlung der Liquiditätshilfen an die Europäische Zentralbank (EZB). Für die an diesem Mittwoch anstehende Sondertilgung hatten Analysten ein Volumen von 120 Milliarden Euro erwartet. Doch die Banken wollen nur die Hälfte tilgen. Sie sind aufgrund des unsicheren Wahlausgangs in Italien nicht bereit, vorschnell auf günstige EZB-Kredite zu verzichten.

Aber auch aus den Vereinigten Staaten, wo die Banken zuletzt mit guten Ergebnissen aufwarteten, kommen verunsichernde Signale. Denn im geldpolitischen Rat der Notenbank Federal Reserve wird das Ankaufprogramm für Staats- und Hypothekenanleihen zunehmend kritischer gesehen. In Frankfurter Großbanken werden die Fed-Käufe als ein Sanierungsprogramm für amerikanische Bankbilanzen kritisiert. Eine geldpolitische Wende ist aber noch nicht in Sicht.

Der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke hält die Anleihekäufe weiter für notwendig. Zwar kommt die amerikanische Konjunktur in Schwung, aber das ist auch der sehr expansiven Geldpolitik geschuldet. Ein Ausstieg aus der Billiggeldpolitik birgt daher das Risiko eines Rückschlags. Die Finanzmärkte auf beiden Seiten des Atlantiks werden wohl noch einige Zeit am Tropf der Notenbanken hängen.

In der anstehenden Woche dürften die Finanzmärkte von dem am Montagabend feststehenden Ergebnis der italienischen Wahl beeinflusst werden. Als heikel betrachten die Commerzbank-Analysten, dass Italien schon am Mittwoch eine neue zehnjährige Staatsanleihe im Volumen von 3,5 bis 4 Milliarden Euro versteigern will.

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