11.03.2007 · Die Korrektur steckt den Marktteilnehmern noch in den Knochen. Doch an vielen Börsenplätzen haben die Notierungen zumindest einen Teil ihrer Verluste wieder aufgeholt. Die sinkende Rezessionsangst hellt die Stimmung auf.
Von Claus Tigges, WashingtonDie Wunden, die der jüngste Kursrutsch an den Börsen bei vielen Anlegern gerissen hat, sind noch nicht verheilt. Die Stimmung in den Handelssälen aber hat sich deutlich gebessert, die Nerven der Marktakteure liegen nicht mehr so blank wie noch vor einer Woche.
Das lässt sich nicht nur an verschiedenen Börsenbarometern ablesen, vom Dow Jones der wichtigsten amerikanischen Industrieaktien über den marktbreiteren S&P-500 oder auch den Deutschen Aktienindex Dax und den FTSE-100 in London: An vielen Börsenplätzen haben die Notierungen zumindest einen Teil ihrer Verluste wieder aufgeholt. Auch die Schwankungsanfälligkeit der Kurse, in Amerika gemessen am Volatilitätsindex Vix der Chicagoer Optionsbörse, hat sich verringert - um rund 28 Prozent in der vergangenen Handelswoche.
Angst der Anleger schwindet
Es ist vermutlich noch zu früh, um schon Entwarnung zu geben. Eine gewisse Nervosität und damit auch ein Potential für Kursrückschläge bleiben. Aber die Sorge vor einem scharfen Knick in der Konjunktur, womöglich gar einer Rezession, in den Vereinigten Staaten ist durch die jüngsten Wirtschaftsdaten etwas geringer geworden. Von der verhältnismäßig trüben Lage auf dem Immobilienmarkt - die Schwäche dort ist wohl noch nicht ausgestanden - hat sich der Rest der amerikanischen Wirtschaft bisher nicht spürbar anstecken lassen.
Der Arbeitsmarkt bleibt in robuster Verfassung, wie die ordentliche Zahl neugeschaffener Stellen und auch der Rückgang der Arbeitslosenquote von 4,6 auf 4,5 Prozent im Februar belegen. Das gibt dem privaten Verbrauch einen wichtigen Impuls. Die schwindende Angst der Anleger ist nicht nur am Aktien-, sondern auch am Anleihemarkt abzulesen. Die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihe kletterte am Freitag um 7 Basispunkte auf 4,58 Prozent, der kräftigste Zuwachs seit Ende Dezember. Und die aus den Kursen am Terminmarkt für Anleihen abgeleitete Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung der Notenbank (Fed) bis spätestens Juli sank von 66 Prozent auf 34 Prozent. Auf ihrer nächsten Sitzung am 20. und 21. März werden die Währungshüter den Leitzins aller Voraussicht nach auf 5,25 Prozent belassen.
Trichet: Korrektur willkommen
Auffällig und zugleich beruhigend ist der Umstand, dass sich die Notenbanken rund um den Globus durch die Kurskorrektur nicht haben verunsichern lassen. Sowohl in Australien als auch in Kanada und Großbritannien beschlossen sie, den Leitzins nicht zu verändern. „Trotz der jüngsten Volatilität an den globalen Finanzmärkten gilt weiter die Einschätzung, dass die Risiken ihrer Inflationsprognose ungefähr ausgeglichen sind“, teilte der geldpolitische Rat der Bank von Kanada mit. Am Donnerstag setzte der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) seinen Kurs der geldpolitischen Straffung erwartungsgemäß fort und erhöhte den Hauptrefinanzierungszins für den Euro-Raum um einen Viertelprozentpunkt auf 3,75 Prozent.
Der Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet, wies anschließend auf das solide Wirtschaftswachstum im Euro-Raum hin und auf die Inflationsgefahr, die nicht zuletzt aufgrund des hohen Geldmengen- und Kreditwachstums mittel- und langfristig bestehe. Die Kurskorrektur an den Börsen bezeichnete Trichet als durchaus willkommene Adjustierung des Risikos durch die Anleger. Allzu abrupte Kursausschläge seien freilich unerwünscht, fügte Trichet hinzu. Die Marktteilnehmer dürfen sich darauf einstellen, dass der Leitzins im Euro-Raum zumindest noch auf 4 Prozent steigt, falls nicht unvorhergesehene Ereignisse das Konjunkturklima spürbar eintrüben.
Schlagzeilenträchtige „Carry Trades“
Über einen Mangel an Liquidität können die Marktakteure ohnehin nicht klagen. Vielmehr ist die global verfügbare Liquidität in den vergangenen zehn Jahren deutlich schneller gestiegen, als die Volkswirtschaften gewachsen sind. Die Ökonomen der Hypo-Vereinsbank haben ausgerechnet, dass die weltweite Überschussliquidität, gemessen an verschiedenen Geldmengenaggregaten im Verhältnis zu den Bruttoinlandsprodukten, seit 1997 um rund 25 Prozent zugelegt hat. Eine vergleichsweise lockere Geldpolitik in Europa, aber auch in Japan und China hat nach den Erkenntnissen der Bankvolkswirte in besonderem Maße zur Liquiditätsschwemme beigetragen.
In diesem Zusammenhang spielen auch die schlagzeilenträchtigen „Carry Trades“ eine Rolle: Investoren verschulden sich in einer Währung wie dem Yen oder dem Schweizer Franken, wo die Kreditzinsen verhältnismäßig gering sind, und legen das Kapital in einer höher verzinsten Währung wie dem Dollar oder Euro, aber auch in verschiedenen Schwellenländervaluten an. Das schnelle Wachstum der Euro-Geldmenge könnte durch den japanischen Kapitalexport zusätzlich beschleunigt worden sein, denn viele Investoren, nicht zuletzt wetteifernde Hedge-Fonds, haben sich in den vergangenen Jahren auf diese Weise an den internationalen Finanzmärkten engagiert. Inzwischen aber sind Carry Trades etwas weniger attraktiv geworden, nachdem die Bank von Japan im Februar den Leitzins erhöht hat.
Während der jüngsten Marktturbulenzen lösten viele Anleger ihre Carry Trades auf: Der Yen legte auf den Devisenmärkten zu Währungen wie dem Dollar und dem Euro deutlich zu, weil offenbar weniger geborgtes Geld aus Japan herausfloss. Gleichwohl ist es unmöglich, eine Kausalität herzustellen nach dem Motto: Die Auflösung von Carry Trades hat den Kursrutsch an den Börsen ausgelöst. Es kann aber eine Folge des Kursrutsches gewesen sein, dass jene Investoren, die mit geliehenem Geld aus Japan andernorts Aktien und Anleihen gekauft hatten, diese nun abgestoßen und mit dem Erlös ihre Yen-Schulden getilgt haben. Die Beruhigung des Marktgeschehens hat allerdings auch auf dem Devisenmarkt die Kursrichtung wieder geändert: Zu Dollar und Euro steht der Yen nun wieder unter Druck.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |