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Internationaler Finanzmarkt Die Konjunkturpessimisten gewinnen die Oberhand

 ·  Keine rosigen Zeiten auf den Finanzmärkten: Rohstoff- und Technologieaktien sind unter Abgabedruck und die Kreditmärkte stehen im Bann von GM und Ford. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

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Über den Finanzmärkten ziehen dunkle Wolken auf. Denn das Wachstum der Weltwirtschaft scheint deutlich abzuflachen. Wenn man der jüngsten Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) Glauben schenken darf, ist in diesem Jahr immer noch mit einer Wachstumsrate von 4,3 Prozent zu rechnen, was sich mit einem Plus von 5,1 Prozent im vergangenen Jahr und einem langjährigen Durchschnitt von 3,6 Prozent vergleichen würde. Doch die IWF-Ökonomen hinken der Realität oft hinterher.

In den Märkten greift die Befürchtung um sich, daß die Wachstumsverlangsamung deutlicher ausfallen wird. Genährt wird die Angst vor allem von den jüngsten Konjunkturdaten aus Amerika, wo der private Konsum und auch die industrielle Produktion weit hinter den Erwartungen zurückblieben. Auch aus China, neben Amerika der zweite Wachstumsmotor der Weltwirtschaft, kommen jetzt schwächere Wachstumsimpulse, wie zumindest die sich weniger dynamisch entwickelnde Nachfrage nach Rohstoffen suggeriert.

Flaggschiff IBM enttäuschend

Folge dieser Wachstumssorgen ist ein Stimmungsumschwung an den Märkten. Noch vor wenigen Wochen prägten von der amerikanischen Zentralbank (Fed) genährte Inflationsängste das Klima. Dies ließ den langfristigen Kapitalmarktzins in Amerika bis auf 4,7 Prozent hochschießen. Inzwischen werden diese Inflationssorgen von Wachstumsängsten überlagert. Am Freitag gab die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen bis auf 4,23 Prozent nach.

In Deutschland fiel der entsprechende Zins sogar wieder unter 3,5 Prozent und ist damit nur wenige Basispunkte von seinem Allzeittief entfernt. Es hat wieder eine klassische Flucht in die Sicherheit eingesetzt. Leidtragende sind alle Anlageklassen, die in den Monaten zuvor haussierten - vor allem Rohstoffe und Hochzinsanleihen. Aber auch Technologieaktien, die sehr konjunktursensibel sind, gerieten unter Abgabedruck, zumal das Flaggschiff IBM für das erste Quartal mit einer herben Enttäuschung aufwartete. Vor einem Jahr gab es eine ähnliche Vertrauenskrise an den Märkten. Auch damals flachte das Wachstum in den Vereinigten Staaten ab, weil der hohe Öl- und Benzinpreis die Verbraucher vorsichtiger werden ließ. Es blieb aber eine auf das zweite Quartal begrenzte Wachstumsdelle.

Gerüchte um GM

Dieses Muster könnte sich nach Expertenmeinung wiederholen, wenn sich denn der Ölpreis auf einem niedrigeren Niveau stabilisieren sollte. Von seinem am 4.April erreichten Rekordhoch von mehr als 58 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) hat sich der Ölpreis wieder um nahezu 15 Prozent entfernt. Die Lagerbestände in Amerika sind zuletzt markant gestiegen, und die Internationale Energieagentur hat ihre Nachfrageprognose erstmals seit vier Monaten leicht gesenkt. An die Nachhaltigkeit dieser Korrektur scheinen die Finanzmärkte aber noch nicht zu glauben. Und Amerikas Verbraucher sind jetzt erst einmal mit so hohen Benzinpreisen konfrontiert wie nie zuvor.

Die amerikanische Automobilindustrie hat freilich noch ganz andere, akutere Probleme. Die beiden großen Hersteller General Motors (GM) und Ford Motor, zwei der größten Anleiheemittenten der Welt, kämpfen um Vertrauen an den Kreditmärkten. Am Donnerstag vergangener Woche kamen sogar Gerüchte auf, GM könnte über das Wochenende Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragen. Allein daß solche Gerüchte mancherorts ernst genommen werden, zeigt, wie schlimm es um die Bonität von GM - und mit kleinen Abstrichen auch von Ford - bestellt ist.

Im Sommer zur Junk-Adresse?

Noch stufen die Ratingagenturen beide Unternehmen als solide Schuldner ein (“investment grade“). Die Sprache der Märkte ist aber eine andere: Im Durchschnitt weisen die ausstehenden Anleihen der beiden Autohersteller Risikoaufschläge (Spreads) von 4,5 bis 5 Prozentpunkten gegenüber vergleichbaren Staatsanleihen auf. Der durchschnittliche Spread im Markt für Hochzinsanleihen (Junk Bonds) liegt aber nur bei 4 Prozentpunkten. De facto werden GM und Ford damit von den Märkten schon wie hochspekulative Schuldner behandelt.

Standard&Poor's, die die Autohersteller etwas kritischer beurteilt als Moody's und Fitch, dürfte Analysten zufolge die erste Agentur sein, die GM möglicherweise schon im Sommer zur Junk-Adresse machen wird. Aus den einschlägigen Anleiheindizes für solide Schuldner würde GM aber erst herausfallen, wenn mindestens zwei Ratingagenturen dem Unternehmen den „investment grade“ entzögen. Viele institutionelle Investoren wie Versicherer und Pensionsfonds wären für diesen Fall aufgrund ihrer Anlagerichtlinien gezwungen, die Anleihen zu verkaufen.

Quelle: F.A.Z., 18.04.2005, Nr. 89 / Seite 24
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