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Internationaler Finanzmarkt Baissiers müssen auf den Zug aufspringen

03.06.2007 ·  Trotz aller Befürchtungen scheint die Hausse am Aktienmarkt ungebremst weiterzugehen. Anlegern, die bisher gezögert haben, bleibt nichts anderes übrig, als jetzt einzusteigen. Auch amerikanische Konjunkturdaten zeichnen ein optimistisches Bild.

Von Bettina Schulz, London
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Ist es eine Blüte der Dekadenz oder ist es Zufall, dass gerade in der Woche, in der der amerikanische Aktienmarkt einen neuen Rekord aufstellt, ein mit Diamanten bestückter Totenkopf seine morbide Faszination auf die Londoner Szene ausübt? Der mit 8601 Diamanten besetzte Schädel ist für umgerechnet 75 Millionen Euro zu haben - angefertigt von dem englischen Künstler Damien Hirst und einem Juwelier der Bond Street, Bentley & Skinner. Der Öffentlichkeit vorgestellt wurde der Totenkopf im Londoner Stadtteil Mayfair, von dem aus die Manager der Hedge-Fonds ihre Strategien an den Finanzmärkten steuern.

Sind Geld, Kunst und Kommerz endgültig übergeschnappt, und ist es Zeit, das Feld in Panik zu räumen? Die Investoren an den Finanzmärkten sind in der Tat vorsichtig. Seit 1931 hat es an der New Yorker Börse Nyse nicht so viele Leerverkäufe der Skeptiker gegeben wie jetzt. Viele Investoren bezweifeln, dass es mit den überraschend guten Unternehmensgewinnen so weitergehen könnte. „Wir beobachten, dass die Fondsmanager an den Anleihe- und Aktienmärkten und Märkten für Schwellenländer ihre Bestände sogar leerverkauft haben“, betont JP Morgan. Es fehle an dem Engagement.

Amerikanische Konjunkturrisiken nehmen ab

Das jedoch erscheint als eine gute Voraussetzung für weitere Kurssteigerungen. „Eine zögerliche Rally ist immer die beste“, heißt es bei der amerikanischen Investmentbank. Der Markt dreht erst, wenn nahezu alle Anleger investiert sind und daher der Strom neuen Kapitals für weitere Kurssteigerungen ausbleiben muss. Jetzt aber haben immer noch viele Investoren auf eine Korrektur des Marktes gesetzt und sich mit Leerverkäufen positioniert.

Bei einer - wie jetzt - andauernden Hausse werden sie allerdings böse erwischt und müssen ihre Positionen zu Verlusten eindecken und strampeln, um die verlorene Rendite wieder einzuholen. Sie müssen auf das Boot aufspringen und Aktien kaufen. Je höher der Anteil der Leerverkäufe am durchschnittlichen Handelsvolumen, desto größer die Chance für einen weiteren Kursanstieg. Dies gilt vor allem, wenn sich der Markt so stark ins Positive dreht wie in der vergangenen Woche.

Die Sorge, die amerikanische Konjunktur könnte über die Anpassung am Immobilienmarkt in die Knie gezwungen werden und die Weltkonjunktur dämpfen, ist verflogen. Nach dem Protokoll des amerikanischen Offenmarktausschusses räumt die Federal Reserve ein, dass die amerikanischen Konjunkturrisiken abnehmen.

Kurseinbruch in China schnell verdaut

Diese Zuversicht gibt den Anlegern Mut. Mehrere amerikanische Konjunkturdaten zeichneten vergangene Woche ein Bild einer sich wieder erholenden Konjunktur. Vor allem die überraschend starken Arbeitsmarktzahlen und die weiterhin moderaten Inflationsdaten stützten dieses optimistische Bild. Der Markt fasst derzeit jede Meldung positiv auf: Schwächere Konjunkturdaten sind ein Trost, dass die Inflationsrisiken im Zaum gehalten werden. Positive Konjunkturdaten sind ohnehin ein Gewinn. Gesundes Wirtschaftswachstum mit moderater Inflation sind ideale Rahmenbedingungen für die Aktienmärkte. Dies gilt vor allem, wenn die Märkte, gemessen an dem Kurs-Gewinn-Verhältnis, sogar günstiger bewertet sind als im Jahr 2000, nach oben also noch Luft besteht.

Es war daher kein Wunder, dass die Märkte den scharfen Kurseinbruch am inländischen Aktienmarkt Chinas in der vergangenen Woche schnell verdaut hatten. Die Investoren wissen mittlerweile, dass die Explosion der Kurse am chinesischen Aktienmarkt ein Spiegelbild der mangelnden Anlagealternativen für dortige Sparer ist und eine Korrektur nicht auf grundlegende Probleme in der chinesischen Wirtschaft hindeutet. Das haben die Investoren bereits bei der letzten Korrektur des chinesischen Aktienmarktes im Februar erkannt.

Übernahmen halten den Markt in Atem

Der Vormarsch an den Aktienmärkten ließ sich daher nicht aufhalten. Noch am selben Tag, an dem die chinesische Regierung mit einer Verdreifachung der Stempelsteuer dem Aktienmarkt einen Dämpfer verpasste, schob sich der amerikanische Aktienindex Standard & Poors's 500 auf einen neuen Rekord von 1530 Punkten vor. Der Dow-Jones-Aktienindex gewann in der vergangenen Woche 1,2 Prozent und kletterte gegen Ende der Woche auf den 26. Rekord in diesem Jahr. Auch andere Aktienindizes erklommen in der vergangenen Woche Höchststände, allen voran der deutsche Aktienindex Dax, der am Freitag während des Handels erstmals seit dem März 2000 wieder die Marke von 8000 überrundete. Der Dax verbuchte vergangene Woche ein stattliches Plus von 3,2 Prozent.

Eine Flut von Übernahmen und Übernahmegerüchten hält den Markt in Atem. Noch immer schleusen die Schwellenländer, allen voran China, und die erdölexportierenden Länder jährlich eine Billion Dollar in die Anleihemärkte des Westens. Die daher historisch niedrigen Renditen spornen Unternehmen an, sich höher zu verschulden und ihre Aktien zurückzukaufen - oder Private-Equity-Gesellschaften tun dies für sie, indem sie die Unternehmen übernehmen, hoch verschulden und eine entsprechend hohe Eigenkapitalrendite erzielen. Beide Strategien stützten die Aktienkurse. „Die Aktienmärkte profitieren daher indirekt und am meisten von der Kapitalzufuhr aus China und den erdölexportierenden Ländern“, heißt es bei JP Morgan.

Die Notenbanken stehen am Rande. Die Inflation ist moderat, und so sieht sich die amerikanische Federal Reserve augenblicklich in einer Position, in der sie vorläufig nicht reagieren muss. Die Europäische Zentralbank wird diese Woche voraussichtlich ihren Zins auf 4 Prozent erhöhen. Erst mit diesen 4 Prozent wäre ein Zinsniveau erreicht, das vom Markt als nicht mehr „expansiv wirkend“ eingestuft wird.

Quelle: F.A.Z., 04.06.2007, Nr. 127 / Seite 32
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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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