Die am Wochenende von den Finanzministern des Euroraums angekündigten Hilfen von bis zu 100 Milliarden Euro für die spanischen Banken dürften in der kommenden Woche für weitere Erleichterung an den internationalen Finanzmärkten sorgen. Das ist zumindest die weitgehende Konsensmeinung von Marktbeobachtern. „Die Summe ist ziemlich hoch, höher als erwartet. Obwohl wir noch weitere Details brauchen, wird es die kurzfristigen Ängste an den Aktienmärkten in den Vereinigten Staaten und in der ganzen Welt mildern“, sagte Tim Speiss, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Eisner Amper in New York gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Hoffnung auf die Milliardenhilfen hatte bereits in der zweiten Hälfte der vergangenen Woche eine breitangelegte Kurserholung ausgelöst. Der amerikanische Standardwerteindex S&P 500 legte im Wochenvergleich um 3,7 Prozent zu, so stark wie bisher in keiner einzigen Woche dieses Jahres. Im Vergleich zum Jahresanfang liegt das Marktbarometer um 5,4 Prozent im Plus. Das Ergebnis ist allerdings vor allem dem ersten Quartal geschuldet, als die Aktienkurse weltweit gestiegen waren.
Erholung am spanischen Aktienmarkt
Ab Mai führten dann die wieder aufgeflammten Sorgen um die europäische Schuldenkrise und mögliche negativen Folgen für die globale Konjunktur zu einer Flucht aus risikoreicheren Anlagen wie Aktien. Auch innerhalb der Aktienmärkte gab es eine Umschichtung zu defensiven Titeln. Nachgefragt wurden Anteile von Unternehmen, deren Ergebnisse relativ wenig von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Im Anleihemarkt setzten Anleger ebenfalls auf Sicherheit. Die Renditen amerikanischer und deutscher Staatsanleihen, die sich wie bei allen Anleihen gegensätzlich zu ihren Kursen entwickeln, sackten auf Rekordtiefs, weil sie als sicherer Hafen in turbulent wogenden Finanzmärkten gelten.
Der breitgefasste europäische Aktienindex Stoxx Europe 600 stieg im Wochenvergleich um 2,9 Prozent, liegt seit Jahresanfang aber immer noch leicht im Minus. Die kräftigste Erholung der Aktienkurse in den einzelnen europäischen Ländern gab es Spanien, wo der Ibex in der vergangenen Woche um 8 Prozent klettere. Der Jahresverlust wurde dadurch geschmälert, beträgt aber immer noch 24 Prozent.
Kathleen Brooks, die in London die Marktanalyse des Online-Devisenmaklers Forex.com leitet, erwartet - unter der Voraussetzung, dass die Hilfen für Spanien als ausreichend hoch bewertet werden - eine mögliche Rückkehr des Eurokurses auf eine Niveau von 1,30 Dollar. Der Kurs der Gemeinschaftswährung hatte sich in der vergangenen Woche bereits leicht auf 1,25 Dollar erhöht. Amerikanischen und deutschen Staatsanleihen prophezeit sie einen Anstieg der Renditen, für spanische Papiere erwartet sie einen Rückgang. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren derzeit mit 1,3 Prozent, amerikanische Staatsanleihen mit gleicher Restlaufzeit um 1,6 Prozent. Die Renditen spanischer Staatsanleihen haben bereits in der vergangen Woche in der vergangenen Woche etwas nachgegeben, liegen aber immer noch über 6 Prozent.
Wie lange die Hilfen für die spanischen Banken die nervösen Akteure an den Finanzmärkten beruhigen werden, ist allerdings eine offene Frage. Am kommenden Wochenende stehen Parlamentswahlen in Griechenland an, die die Weichen für die Zukunft des Landes im Euroraum stellen werden. In der vergangenen Woche hatten einige Marktteilnehmer zudem auf eine Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) gehofft, um das schleppende Wirtschaftswachstum zu beflügeln. Der EZB-Rat ließ den Leitzins mit 1,0 Prozent allerdings unverändert.
Kein „Kuhandel“ zwischen EZB und Regierungen
EZB-Präsident Mario Draghi gab den Druck für eine Lösung der Krise an die Regierungen der Euroländer weiter. Die Geldpolitik dürfe nicht für die Versäumnisse anderer in die Bresche springen, sagte er. Es gebe keinen „Kuhhandel“ zwischen der EZB und den Regierungen im Euroraum. Diese Äußerungen machen es unwahrscheinlich, dass die EZB bei ihrer nächsten Sitzung im kommenden Monat die Geldpolitik lockern wird. Der amerikanische Notenbankpräsident Ben Bernanke hatte die Krise in Europa bei einer Anhörung vor dem Kongress als „signifikantes“ Risiko für Finanzsystem und Konjunktur der Vereinigten Staaten bezeichnet. Obwohl die Notenbank Fed bereit stehe, im Fall einer Eskalation der Spannungen stützend einzugreifen, hat Bernanke auch keine Signale für eine Lockerung der Geldpolitik gegeben.
Im April und Mai hatte sich der Beschäftigungszuwachs in Amerika deutlich abgeschwächt. Die nächste Sitzung des Fed-Offenmarktausschusses, der die Geldpolitik bestimmt, steht in anderthalb Wochen an. Die Leitzinsen überraschend gesenkt hat in der vergangenen Woche allerdings die chinesische Zentralbank. Chinas Wirtschaft kühlt sich ab, wie zuletzt auch die schlechter als erwarteten Daten aus dem Einzelhandel und der Industrie unterstrichen haben. Diese Melange dürfte den Finanzmärkten genügend Stoff für Unsicherheit bieten, wenn die Euphorie über die spanischen Milliardenhilfen wieder verflogen ist.
Anleger begrüßen Hilfen für Spanien
Uwe Bussenius (uwebus)
- 11.06.2012, 12:08 Uhr
Natürlich...
Sybille Dillinger (DieterBuerger)
- 11.06.2012, 12:06 Uhr
Dem Jubel folgt bald Ernüchterung
Ralf Vormbaum (Vormbaum)
- 11.06.2012, 10:45 Uhr
