Endlich ist es 'raus. Morgan Stanley Capital International (MSCI) wird seine Indizes erst mit Wirkung zum 1. Dezember 2001 umstellen. Dann werden sie nach dem Anteil der handelbaren Aktien (Free Float oder Streubesitz) gewichtet, nicht mehr nach der gesamten Marktkapitalisierung. In einem zweiten Schritt sollen die Indizes am 1. Juni 2002 auf eine breitere internationale Basis gestellt werden, so dass die weltweite Marktkapitalisierung zu 85 Prozent anstatt wie bislang zu 60 Prozent erfasst wird.
Die Märkte in Asien und Europa reagierten unbeeindruckt. „Das ist noch lange hin“, kommentierten Händler. Am Sonntag gab MSCI die Regeln für die Umstellung seiner gesamten Indizes bekannt. Davon sind mittelfristig Einzelaktien und Märkte rund um die Welt betroffen. Immerhin haben Fondsmanager rund drei Billionen Dollar indexnah angelegt. Das heißt, sie benutzen die Länder- oder Branchenindizes von MSCI als Vergleichsmaßstab (Benchmark), und gleichen ihre Depots der Indexzusammensetzung an.
Dafür haben sie jetzt genügend Vorlauf. Giacomo Fachinotti von MSCI betont, dass man sich der großen Verantwortung bewusst sei, und deshalb den Marktteilnehmern Zeit für ihre umfangreichen Umschichtungen geben wolle. Über die konkreten Auswirkungen der Neuregelung, sprich: betroffene Einzelwerte, darf indes weiter spekuliert werden. Erst im Juni will MSCI diese Informationen herausgeben.
Wirkung auf Länder
Fest steht aber, dass die asiatischen Märkte am stärksten betroffen sind, bei denen der Anteil der frei handelbaren Aktien oft ziemlich gering ist. So sind zum Beispiel in Japan von den meisten Unternehmen nur rund 65 Prozent der Aktien in Streubesitz, während es in den USA rund 94 Prozent sind. Noch geringer ist der Anteil nach Angaben von MSCI in Hongkong (46 Prozent) und Malaysia (30 Prozent). Vor allem die USA, aber auch die Briten werden aus Expertensicht profitieren. Dagegen dürften Titel aus Japan, Deutschland und Frankreich zu den Verlierern gehören. Nach Berechnungen von Credit Suisse First Boston werden außerdem Griechenland, Israel, Südkorea und Taiwan von dem neuen System profitieren, während Chile, Indien, Malaysia und die Türkei an Boden verlieren.
Die Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney erwartet, dass die anstehenden Veränderungen das Gewicht der US-Aktien im MSCI World Index auf 55,7 Prozent von derzeit 51,2 Prozent und das von Firmen aus Großbritannien auf 10,4 Prozent von bislang 9,68 Prozent steigen lassen wird. Für Japan wird indes eine Verringerung der Gewichtung auf 9,6 (bislang 11,5) Prozent, für Frankreich auf 4,1 (5,0) Prozent und für Deutschland auf 3,0 (3,9) Prozent erwartet.
Betroffene Einzelwerte
Zu den Unternehmen, die besonders unter der Umstellung zu leiden haben, gehören nach Angaben der Investmentbanken unter anderem die France Telecom, Telecom Italia, Deutsche Telekom und die japanische NTT. Bei der Deutschen Telekom etwa befindet sich die Mehrheit der Aktien noch im Besitz des Bundes. Die Deutsche Post dagegen ist noch gar nicht in den Indizes vertreten, muss also auch keine indexbezogenen Verkäufe befürchten.
Ermittlung des Streubesitzes problematisch
Bei der Berechnung des Streubesitzes soll auf jeweils fünf Prozent aufgerundet werden, so dass etwa ein Anteil von 23 Prozent mit 25 Prozent in den Index eingeht. Unternehmen mit einem unter 15 Prozent liegenden Anteil sollen generell ausgeschlossen werden.
Den tatsächlich frei gehandelten Anteil zu ermitteln, ist aber gar nicht so einfach. Evert-Jan ten Brundel von MSCI betont, dass es besonders für die so genannten Emerging Markets oft an verlässlichen Daten fehlt. Damit stehe man auch vor dem Problem, möglicherweise regionale Märkte zu bestrafen, die bereits fortschrittliche Informationsanforderungen an ihre Unternehmen stellten. Auch deshalb braucht die Umstellung viel Zeit. Gut für die Fonds.
