09.02.2012 · Europäische und japanische Aktien sind günstig, ein Ende des Kursaufschwungs nicht absehbar. Die Liquidität könnte langfristig noch einen Schub bringen, meint Vermögensverwalter Peter Huber.
Die ergriffenen Maßnahmen lösen die Euro-Schuldenkrise nicht. Vielmehr ist irgendwann mit einem Zusammenbruch des Systems zu rechnen. Zumindest befürchtet das der vielfach ausgezeichnete Fondsmanager Peter E. Huber.
Das Aushängeschild des Vermögensverwalters Star Capital AG rechnet dennoch eher mit Deflation statt mit Inflation. Lesen Sie, wie Huber das begründet und warum er trotz dieser Risiken Aktien mittel- bis langfristig als einzigem produktivem Sachwert das mit Abstand beste Chance/Risiko-Potential zubilligt.
Herr Huber, die Weltbörsen sind überraschend gut in das neue Jahr gestartet. Wie beurteilen Sie derzeit die Ausgangslage für die Aktienmärkte?
Bereits im November haben wir in unserem monatlichen Marktausblick unter dem Titel „Jahresend- Rallye“ auf die verbesserten Aussichten für die Aktienmärkte hingewiesen. In der Januar-Ausgabe haben wir unsere Aussage wiederholt. Wir schrieben wörtlich: „Selbst wenn es heute keiner hören will, bieten deshalb Unternehmensbeteiligungen – auch in Form von Aktien – auf längere Sicht das mit Abstand beste Chance/Risiko- Verhältnis.“
Unter der Überschrift „Für Aktien noch zu früh?“ gaben wir folgendes Statement ab: „Angesichts der ungelösten Schuldenkrise und der bevorstehenden Rezession ist es für aggressive Aktienkäufe vielleicht noch etwas zu früh“ Wir empfahlen deshalb, Aktien „neutral“ zu gewichten, also auf keinen Fall unterzugewichten. Pessimismus sieht anders aus!
Haben die die Aktienquoten in Ihren Fonds in jüngster Zeit erhöht und Absicherungen aufgehoben?
Nicht ganz! Als Antizykliker kaufen wir in Schwächephasen und laufen nicht steigenden Kursen hinterher. In unserem internationalen Aktienfonds „StarCap Starpoint“ haben wir unsere Absicherungen bereits im November und Dezember komplett aufgelöst und sind seitdem voll investiert! In unserem chancenorientierten Vermögensfonds „StarCapital Huber Strategy 1“ hatten wir die Aktienquote vor dem Einbruch im letzten Sommer auf das Minimum von 40 Prozent reduziert. Nach dem Einbruch haben wir die niedrigen Kurse genutzt und die Aktienquote wieder auf 60 Prozent erhöht. Dies entspricht unserer Benchmark und damit einer neutralen Gewichtung. Wir haben die Aktienquote also antizyklisch um 50 Prozent erhöht! Zudem hält der Huber Strategy 1 viele hochverzinsliche Unternehmensanleihen, die ebenfalls an der Aktienmarktentwicklung hängen.
Wie hoch ist die Gefahr eines Kursrückschlags?
Kurzfristig lassen sich Aktienmärkte nur schwer prognostizieren. Wir raten deshalb von solchen Aktionen ab. „Hin und her macht Taschen leer“, lautet eine alte Börsenweisheit. Wir orientieren uns lieber an den langfristigen Aussichten und die sind für Aktien hervorragend. Die derzeitige Aufwärtsbewegung erfolgt entlang einer „Wall of Worry“ und scheint daher recht gesund. Die ungelöste Schuldenkrise und die Abschwächung der Wirtschaft bergen aber ein hohes Risiko. Deshalb werden wir unsere Aktienbestände auch wieder teilweise absichern, wenn dem Markt die Puste ausgeht. Das ist aber bis jetzt nicht erkennbar.
Sie schreiben, dass Aktien extrem niedrig bewertet sind. Auf der anderen Seite weisen Sie aber darauf hin, dass amerikanische Aktien mit einem Shiller-KGV von 22,8 alles andere als preiswert sind. Bedeutet dies, dass nur die deutschen Aktien billig sind?
Amerikanische Titel sind in der Tat derzeit nicht billig. Die Bewertung liegt einiges über dem historischen Durchschnitt. Deshalb sind sie in unseren Fonds auch deutlich untergewichtet, obwohl sie momentan am besten laufen. Niedrig bewertet sind die Märkte, für die die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer negativ ist. Dies gilt insbesondere für die europäischen und japanischen Börsen. Extrem niedrig bewertet sind derzeit viele Aktien aus Problemländern wie Italien, Spanien oder Österreich.
Wie beurteilen Sie die Inflationsgefahren?
Die Inflationsfurcht hierzulande ist schon erstaunlich. 90 Prozent der Deutschen erwarten deutlich steigende Teuerungsraten, obwohl es dafür keinerlei Anzeichen gibt. Dafür gibt es zwei Ursachen. Erstens geht man davon aus, dass durch die heiß laufenden Notenpressen das vorhandene Geld entwertet wird. Zweitens erwartet man, dass durch die wachsende Weltbevölkerung die Preise für Rohstoffe und Nahrungsmittel deutlich steigen werden.
Eine besonders aggressive Geldpolitik wurde bisher in Amerika und Japan gefahren. Es wurde viel frisches Geld geschöpft, um damit Staatsanleihen aufzukaufen und eine Nullzinspolitik betrieben. Trotzdem liegt in Amerika die Kerninflationsrate nur bei rund 2 Prozent und in Japan ist die Preisentwicklung sogar deflationär. Es ist ein verbreiteter Irrglaube anzunehmen, Notenbanken oder Regierungen könnten nach Belieben Inflation erzeugen. Es kann unbeschränkt neues Geld gedruckt werden. Solange dies nicht nachfragewirksam wird, entsteht auch keine Inflation.
Eine Inflation entsteht grundsätzlich nur über stark steigende Löhne, die in eine Lohn-Preis-Spirale münden. Dieser Entwicklung muss ein knappes Güterangebot gegenüberstehen – so wie im Jahr 1923, als es für das gedruckte Geld nichts zu kaufen gab. Diese Voraussetzungen sind heute nicht gegeben. Im Gegenteil: In Amerika ist das Lohnwachstum seit Jahren rückläufig (siehe Grafik).
Irgendwo muss sich die von den Notenbanken geschaffene Überschussliquidität, die in der Wirtschaft gar nicht benötigt wird, aber bemerkbar machen. Und das ist an den Anlagemärkten. Zunächst wurden die vermeintlich sicheren Anlagen wie Bundesanleihen, Edelmetalle, Kunst oder Immobilien auf absurde Bewertungsniveaus getrieben. Jetzt könnten vermeintliche Risikoanlagen wie Aktien oder Hochzinsanleihen an die Reihe kommen (crack-up-Boom).
Muss Gold nicht weniger als Rohstoff anstatt als Währung eingestuft werden und wie schätzen Sie die Aussichten für den Goldpreis ein?
Es stimmt, Gold ist die ultimative Währung, die über die letzten Jahrtausende ihre Kaufkraft erhalten hat. Mehr aber auch nicht! Die Bestimmungsgröße für den Goldpreis ist also die Inflationsrate und nicht die Menge der umlaufenden Papierdollars. In den vergangenen 10 Jahren ist der Goldpreis um rund 600 Prozent gestiegen (von 250 auf 1750 Dollar pro Unze) während sich die Inflation in Europa nur um 26,2 Prozent erhöht hat. Die Inflation müsste daher in den nächsten Jahren mit zwei- bis dreistelligen Raten wachsen, um den derzeitigen Goldpreis zu rechtfertigen. Da erscheint doch etwas Vorsicht angebracht, auch wenn man das gelbe Metall als Beimischung in einem ausgewogenen Vermögensmix durchaus halten kann.
Glauben Sie angesichts der Schuldenkrisen, in denen die führenden Industriestaaten stecken, an eine Zukunft unseres bisherigen Finanzsystems?
Wir hatten immer noch die leise Hoffnung, dass die europäischen Staaten versuchen werden, ihre ausufernden Schulden wirksam zu beschneiden – mit kräftiger Unterstützung der EZB und des IWF. Die 180-Grad-Wende in der Politik der EZB unter ihrem neuen Chef Mario Draghi macht diese Hoffnung zunichte. Das im Dezember beschlossene LTRO-Programm der EZB, das den Banken unbegrenzte Liquidität für drei Jahre zu einem Zinssatz von einem Prozent zur Verfügung stellt, steht den QE-Programmen der amerikanischen Notenbanken in nichts nach. Die Politik hat sofort reagiert. Die geplanten Sparprogramme sind nur noch Lippenbekenntnisse, von denen man intern bereits abgerückt ist. Stattdessen setzt man bereits wieder auf Wachstum mit noch mehr Schulden.
Mit immer mehr Schulden kann man eine Schuldenkrise aber nicht lösen. Man kauft sich Zeit, verschlimmert aber das Problem. Ein Zusammenbruch des Systems in Form eines europaweiten Schuldenschnitts wird damit früher oder später unvermeidlich. Dies ist deflationär und nicht inflationär, weil es zu einer enormen Vermögensvernichtung führt.
Sollen Nachzügler jetzt noch in Aktien einsteigen?
Wer noch keine oder wenige Aktien hat, sollte Anfangspositionen aufbauen. Bei unseren hauseigenen Produkten raten wir zu Engagements im Starpoint oder im Huber Strategy 1 und diese Positionen im Falle einer stärkeren Abwärtskorrektur schrittweise zu verstärken. Unsere Standardempfehlung für langfristig orientierte Anleger bleibt aber der StarCap Winbonds +. Dieser defensive Vermögensfonds bietet eine Partizipation mit Netz, was angesichts der ungelösten Probleme in Euroland einen guten Kompromiss darstellt.
Die 1996 in Oberursel gegründete Vermögensverwaltung Star-Capital AG ist seit Juli 2006 eine 100-prozentige Tochter der Huber Portfolio AG. Es werden derzeit rund 1,2 Milliarden Euro verwaltet. Durch die Töchter Star-Capital S.A. in Luxemburg und Star-Capital Swiss AG in der Schweiz ist das Unternehmen international aufgestellt.
Weil nach Ansicht der Verantwortlichen das derzeitige Umfeld eine breite Streuung und Berücksichtigung unterschiedlichen Anlageklassen verlangt, werden neuerdings nur noch die vermögensverwaltenden Flaggschifffonds aktiv vermarktet. Dabei handelt es sich um den StarCapital Huber Strategy1 (VV Fonds mit dynamischem Charakter) und den StarCap SICAV Winbonds+ Fonds (VV Fonds mit defensivem Charakter).
Hinzu kommt der Aktienfonds StarCap SICAV Starpoint, bei dem eine Absicherungsmöglichkeit von bis zu 100 Prozent und eine Kassehaltung von bis zu 50 Prozent möglich sind. Komplettiert wird das Quartett durch den Rentenfonds StarCapital Argos, der auf Anleihenbasis ebenfalls eine ganzheitliche vermögensverwaltende Anlagepolitik verfolgt.
Die jeweils aktuellen Markteinschätzungen werden in der monatlich erscheinenden Publikation StarInvest kundgetan. Abrufbar unter der Internet-Adresse: www.starcapital.de
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |