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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Im Gespräch „Die Bundesanleihe steht nicht im Fokus der Märkte“

27.10.2009 ·  Bundesanleihen machen in den großen Rentenfonds der Deka nur noch 10 bis 30 Prozent aus. Unternehmensanleihen oder andere Staatsanleihen sind attraktiver geworden, sagt Frank Hagenstein, Mitglied der Geschäftsführung.

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Die Deka-Bank ist der zentrale Vermögensverwaltungseinrichtung der deutschen Sparkassen, wurde 1956 gegründet und 1999 mit der 1918 gegründeten Deutschen Girozentrale verschmolzen. Mit einem verwalteten Fondsvermögen von mehr als 160 Milliarden Euro, über fünf Millionen betreuten Depots und Konzernstandorten in Luxemburg und der Schweiz ist sie einer der größten Vermögensverwalter in Deutschland.

Frank Hagenstein ist Mitglied der Geschäftsführung von Deka Investments, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft, die für die kapitalmarktbasierte Vermögensverwaltung. das heißt das Investmentfondsgeschäft zuständig ist.

Es wird erwartet, dass die Rentenmärkte angesichts steigender Rendite unattraktiver werden. Sind Rentenfonds damit noch für den Anleger interessant?

Wir folgen nicht der Konsensmeinung, dass die Renditen zwangsläufig steigen. Wir glauben, dass die Inflation unter Kontrolle ist und nur moderat steigen wird. Von daher sehen wir weiterhin - nach Abzug der Inflation - eine gute Realverzinsung für den Anleger. Ein Kupon von 3 bis 4 Prozent ist doch attraktiver als Tagesgeld. Dann bieten wir ja auch Produkte an, bei denen wir leichte Kursverluste kompensieren können.

Wie gelingt Ihnen das?

Wir investieren zum Beispiel verstärkt in Jumbo-Pfandbriefe, oder wir haben Fonds aufgelegt, die mit Unternehmensanleihen bestückt sind. Auch die Schwellenländer haben sich, zumindest was die besseren betrifft, gut erholt. Die Rentenmärkte dort bieten attraktive Kupons.

Was sind für nächstes Jahr Ihre Favoriten an den Rentenmärkten?

Unternehmensanleihen favorisieren wir weiterhin. Wir glauben, dass man damit mehr verdienen kann als mit Staatsanleihen - vorausgesetzt, man vermeidet die möglichen Verlierer, die es unweigerlich geben wird. Wir mögen auch weiterhin Staatsanleihen aus den Peripherieländern innerhalb des Euro-Raums ...

... Länder wie Griechenland, Spanien, Portugal oder auch Irland.

Alle Länder im Euro-Raum, die einen höheren Zins bieten müssen als die Kernländer Deutschland, Frankreich oder auch die Niederlande. In den Peripherieländern hat sich der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen in den vergangenen Monaten nicht so stark abgebaut, so dass dort attraktive Chancen zu finden sind, einen höheren Kupon zu verdienen.

Viele Akteure am Rentenmarkt erwarten steigende Renditen, weil sie angesichts der ausufernden Staatsschulden mit einer höheren Inflation rechnen. Teilen Sie diese Furcht?

Nein, wir denken, dass sich die Inflation im nächsten Jahr knapp unter 1,5 Prozent bewegt und dass die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von jetzt 3,1 Prozent auf etwa 3,5 Prozent steigen wird. Der Renditeanstieg wird dann durch die Beendigung der Disinflation ausgelöst. Dieser Erwartung liegt jedoch zugrunde, dass die Europäische Zentralbank EZB ihre Niedrigzinspolitik noch nicht beendet. Wenn das geschieht, haben wir eine neue Situation.

Damit liegt Ihre Prognose im Vergleich zu anderen niedrig.

Ja, das ist relativ moderat. Vor etwas mehr als einem Jahr lag die Rendite von Bundesanleihen auch bei rund 4 Prozent, die Inflation betrug ebenso 4 Prozent. Damit lag die Realverzinsung bei null. Das alles spricht dafür, mehr auf den Kupon zu achten und nicht so sehr auf weitere Kurssteigerungen zu hoffen.

Was wird die Rentenmärkte im nächsten Jahr treiben?

Vor allem bei Unternehmensanleihen sehen wir einen großen Bedarf an neuen Emissionen. Die Nachfrage ist von institutioneller Seite und von privaten Anlegern her sehr groß. Das Angebot von Unternehmensseite wird auch hoch bleiben, weil die Banken bei der Kreditvergabe restriktiv sind und sich viele Unternehmen von Banken unabhängiger machen wollen. Deshalb wird die Emissionsschwemme bei Unternehmensanleihen zwar zurückgehen, aber die Tätigkeit wird dauerhaft hoch bleiben.

Bleiben angesichts dieser Perspektiven Unternehmensanleihen interessant?

Wir hatten am Jahresanfang Unternehmensanleihen mit einem aktienähnlichen Renditeversprechen. Zum Teil boten solide Industriekonzerne 7 oder 8 Prozent. Unternehmensanleihen boten eine deutlich attraktivere Anlage als Aktien. Das hat sich mittlerweile zurückgebildet. Wenn man heute die Dividendenrendite mit der Anleihenrendite vergleicht, ist die Aktie wieder deutlich attraktiver.

Die Rendite von Unternehmensanleihen ist nicht mehr viel wert, wenn der Emittent in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Wie viel Ausfälle erwarten Sie bei den soliden Adressen?

Das ist für uns als Fondsmanager eine entscheidende Frage. Es wird Verlierer geben. Und wir müssen versuchen, die großen Ausfälle zu vermeiden. Dann ist die Unternehmensanleihe das beste Investment. Wenn ich aber zehn Anleihen kaufe und habe zwei Verlierer dabei, verliere ich viel Geld. Wir haben eigene Analysemethoden, um frühzeitig eine Verschlechterung der Kreditwürdigkeit zu erkennen. Wir haben auch ein klares Regelwerk mit einer strikten Verkaufssystematik.

Deutsche Bundesanleihen waren ja früher das Basisinvestment in einem klassischen Rentenfonds. Welchen Anteil haben diese noch bei Ihnen?

Das kann schwanken, zwischen 10 und 30 Prozent. Das hängt davon ab, ob wir gerade Risiko suchen oder ob wir das Risiko eher gering halten wollen, dann wäre die Bundesanleihe weniger stark gewichtet und umgekehrt. Das kann dann aber auch die französische Staatsanleihe sein. Aber wir nehmen für unsere Euro-Rentenfonds keine illiquiden Emissionen. Wir investieren nur in Werte, die unser Research auch eng betreut.

Was erwarten Sie denn für die neue Legislaturperiode?

Die Staatsverschuldung wird überbordend sein. So viel steht fest. Auch das spricht eher für Unternehmensanleihen. Die hohe Staatsverschuldung führt dazu, dass alle anderen Marktsegmente sich besser als Bundesanleihen entwickeln sollten. Die Bundesanleihe steht derzeit nicht so sehr im Fokus der Rentenmärkte.

Das Gespräch führte Christian von Hiller.

Quelle: F.A.Z.
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