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Hypothekenkrise Amerikanische Manager kaufen eigene Aktien

15.08.2007 ·  Die von der Krise am Hypothekenmarkt ausgelöste Unsicherheit an den amerikanischen Börsen führt zu unterschiedlichen Reaktionen der Anleger. Insider-Käufe gelten als positives Signal, verunsicherte Privatanleger dagegen parken ihr Geld.

Von Norbert Kuls, New York
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Die von der Krise im amerikanischen Hypothekenmarkt ausgelöste Unsicherheit an den amerikanischen Börsen führt zu unterschiedlichen Reaktionen verschiedener Anlegertypen. Spitzenmanager von Unternehmen kaufen vor dem Hintergrund gefallener und stark schwankender Aktienkurse verstärkt Aktien des eigenen Konzerns. Das gilt als positives Signal für die Börse, weil diese Personen in der Regel die Verfassung des Unternehmens gut einschätzen können.

Privatanleger erwerben dagegen Geldmarktfonds, mit denen Geld vermeintlich sicher geparkt werden kann. Allerdings hat in dieser Woche auch ein Geldmarktfonds des auf solche Anlagen spezialisierten Vermögensverwalters Sentinel die Auszahlungen eingefroren. Geldmarktfonds gelten als sicher, weil sie überwiegend in kurzfristige Anleihen investieren.

Yahoo glaubt offenbar an bald steigende Kurse

Bestimmte Anlagen des Sentinel-Fonds, mit Immobilien-Darlehen besicherte Anleihen mit kurzer Laufzeit, hatten aber unter den Verwerfungen am Hypothekenmarkt gelitten. In der vergangenen Woche hatten amerikanische Privatanleger 36 Milliarden Dollar in Geldmarktfonds umgeschichtet. Das waren nach Angaben des Informationsdienstes AMG die höchsten Zuflüsse seit Dezember 2005.

Susan Decker, die Präsidentin des Internetunternehmens Yahoo, glaubt offenbar an steigende Kurse. Decker kaufte in der vergangenen Woche Yahoo-Aktien im Wert von 1,1 Millionen Dollar im offenen Markt, nachdem die Titel auf den tiefsten Stand seit drei Jahren gefallen waren. Spitzenmanager müssen Aktien-Transaktionen bei der Börsenaufsicht SEC melden. Der Aktienkauf von Decker war der größte Kauf eines Yahoo-Managers seit mehr als vier Jahren, hieß es beim Informationsdienst Insiderscore.com.

Aktienmarkt seit Anfang 2003 kontinuierlich gestiegen

Fachleute, die die Trends beim Kauf und Verkauf sogenannter „Insider“ verfolgen, sprechen von den besten Signalen für den Aktienmarkt seit dem Kurseinbruch im Herbst 2002. Der „Insider Confidence Index“, der die Zuversicht von Unternehmens-Insidern misst, befand sich Ende Juli auf einem Stand von 57,4 Punkten. Ein Stand über 55 gilt als „stark auf steigende Tendenz eingestellt“. Im vergangenen Jahr hatte der Index durchschnittlich bei 55,9 Zählern notiert.

Der amerikanische Aktienmarkt war seit Anfang 2003 ohne große Rückschläge kontinuierlich gestiegen und hatte schließlich neue Rekordstände erreicht. Die gestiegenen Ausfälle bei Immobiliendarlehen für Kunden minderer Bonität (Subprime-Hypotheken) hatten dann aber vor einigen Wochen in einer Kettenreaktion zu starker Verunsicherung, sinkender Risikobereitschaft und zu fallenden Aktienkurse geführt. An der Wall Street befürchten Pessimisten eine Schwächung der amerikanischen Konjunktur, falls sich die Krise im Hypothekenmarkt in sinkenden Ausgaben der amerikanischen Verbraucher niederschlagen sollte.

„Der Subprime-Ausverkauf ist übertrieben worden“

Die Insider-Käufe könnten ein Ende dieses negativen Trends andeuten. „Die Tatsache, dass sie stark zugreifen, scheint zu zeigen, dass der Subprime-Ausverkauf übertrieben worden ist“, sagte Mark LoPresti, Analyst beim Finanzinformationsdienst Thomson Financial.

Die Käufe der Manager waren zunächst auf den Finanzsektor konzentriert, haben sich nun aber auch auf andere Segmente wie Öl, Stromversorgung und Pharma ausgeweitet. Das Segment der Finanzdienstleister war von der Hypothekenkrise am stärksten erfasst worden. Zahlreiche Hypothekenbanken sind pleite gegangen, und Analysten befürchten Verluste bei Banken, die im Geschäft mit der Verbriefung von Hypotheken oder als Anleger in mit Risikohypotheken besicherten Anleihen engagiert sind.

Viele kleine Hypothekenfinanzierer haben aufgegeben

Erst in dieser Woche wurde der Handel mit Aktien des Hypothekenfinanzierers Thornburg Mortgage ausgesetzt, nachdem deren Kurs um 47 Prozent eingebrochen war. Das Unternehmen kündigte wegen einer angespannten Geschäftslage die Verschiebung der Dividende an. Am Mittwoch gab der Sachversicherer Commerce Group die Einstellung des Geschäfts bei der Hypotheken-Tochtergesellschaft Bay Finance bekannt. Dutzende kleinerer Hypothekenfinanzierer haben in den vergangenen Monaten aufgegeben.

Analysten schätzen den Verlust wegen Subprime-Krediten beim größten amerikanischen Finanzdienstleister Citigroup auf 1 Milliarde Dollar. Die Düsseldorfer Bank IKB war wegen Anlagen in Subprime-Anleihen in Schieflage geraten. In der vergangenen Woche hatte auch der Hypothekenfinanzierer Aegis Gläubigerschutz beantragt. Aegis gehörte einst zu den 30 größten amerikanischen Hypotheken-Häusern. Zu den Gläubigern von Aegis gehört auch die Deutsche Bank.

Quelle: F.A.Z., 16.08.2007, Nr. 189 / Seite 17
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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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