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Sonntag, 19. Februar 2012
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Hoffnung auf Ende der Krise Die Börsen setzen auf „Schnäppchenjäger“

20.04.2008 ·  Frühjahrsputz bei den Banken: Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Kreditkrise lässt Bankaktien stark steigen. Aber die Geldmärkte signalisieren, dass die Banken weiter sehr nervös sind. Die Inflationsraten steigen indes, ein Ende ist nicht abzusehen.

Von Benedikt Fehr
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Bei den Banken fällt der Frühjahrsputz in diesem Jahr etwas gründlicher aus. Institute wie Merrill Lynch und Citigroup haben in den vergangenen Tagen auf faule Hypothekenanleihen und andere Aktiva weitere milliardenschwere Wertberichtigungen vorgenommen, die Deutsche Bank hat Übernahmekredite im Wert von einigen Milliarden Euro verkauft, einige amerikanische Banken haben Milliardenbeträge an frischem Eigenkapital aufgenommen. Ähnliche Aktionen zeichnen sich ab, zum Beispiel in dieser Woche bei der britischen Großbank RBS, die laut Medienberichten zum einen Wertberichtigungen in Höhe von bis zu 9 Milliarden Euro ankündigen könnte, zum anderen die Aufnahme von bis zu 15 Milliarden Euro an Eigenkapital über Ausgabe junger Aktien. Ist das der Anfang vom Ende der Kreditkrise?

Die inzwischen so wichtigen Märkte für Kreditversicherungen spiegeln dieses Szenario. So ist der Index für die Versicherung von Krediten europäischer Banken seit Mitte März von 283 auf zuletzt 110 Basispunkte gefallen. Dahinter steht, dass die amerikanische Notenbank Fed Mitte März zur Rettung der Investmentbank Bear Stearns faule Wertpapiere im Volumen von 29 Milliarden Dollar zu Lasten des Steuerzahlers garantierte und zudem den Investmentbanken ganz allgemein direkten Zugang zu Liquidität verschaffte.

Die Banken machen reinen Tisch

Seither gehen die Märkte davon aus, dass die Fed keine größere Pleite zulassen wird. Auch in Großbritannien zeichnet sich ab, dass Notenbank und Regierung den Banken in dieser Woche zur Seite springen werden. Demnach dürfte die Bank of England derzeit unverkäufliche Hypothekenanleihen im Volumen von 50 Milliarden Pfund in liquide Staatsanleihen umtauschen. In der vergangenen Woche hat die Hoffnung auf ein Ende der Krise auch bei den Bankaktien gezündet.

Die Investoren nahmen die Ankündigungen von hohen Verlusten als Beleg, dass die Banken reinen Tisch machen - und dass es nach dem miserablen ersten Quartal wieder aufwärtsgeht. Sie kauften deshalb kräftig zu; der amerikanische Großinvestor Christopher Flowers bekundete sogar Interesse, gleich 24,9 Prozent an dem Münchner Immobilien- und Staatsfinanzierer Hypo Real Estate zu erwerben.

An der Börse wird nun auf weitere „Schnäppchenjäger“ gehofft. Für zusätzliche Phantasie sorgten Spekulationen, dass die französische Großbank Crédit Agricole den Rivalen Société Générale übernimmt. Beide Aktien haben daraufhin allein am Freitag mehr als 5 Prozent gewonnen. In der Gesamtwoche hat die „Soc-Gen“-Aktie sogar fast 12 Prozent zugelegt, die Papiere der britischen Institute HBOS und Barclays stiegen um 10 und 9,5 Prozent, die der Deutschen Bank immerhin gut 5 Prozent.

Noch einige Leichen im Keller

Gepaart mit einigen guten Quartalsergebnissen amerikanischer Unternehmen, hat dies den großen europäischen und amerikanischen Aktienindizes zu Wochengewinnen von 3 Prozent und mehr verholfen. Wenig Beachtung geschenkt wurde der Warnung eines Analysten von Goldman Sachs, der den Unternehmen im Index S&P 500 für 2008 fallende Gewinne vorhersagte. Nach dieser Prognose wird dieser Index zum Jahresende bei 1380 Punkten liegen - das wäre noch ein paar Punkte niedriger als das aktuelle Niveau von 1390 Punkten.

Anders als Goldman Sachs erwartet die Mehrheit der Wall-Street-Beobachter allerdings, dass die Gewinne im dritten Quartal gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal um 14 Prozent steigen werden und im vierten Quartal sogar um 55 Prozent. Demnach wären Krise und Rezession in den Vereinigten Staaten bald ausgestanden - und die aktuellen Aktienkurse ein günstiges Einstiegsniveau.

Dieser Zuversicht steht gegenüber, dass die Banken eher immer unwilliger werden, sich gegenseitig Kredite zu geben. So ist der Euribor-Zins für Dreimonatsgeld auf 79 Basispunkte über dem Euro-Leitzins von derzeit 4 Prozent gestiegen; größer war dieser Abstand nur auf dem Höhepunkt der Geldmarkt-Turbulenzen vor dem Jahreswechsel. Am Pfund- und Dollar-Geldmarkt ist die Lage ähnlich angespannt. Dahinter steht die Sorge der Banken, dass große Kunden plötzlich Einlagen abziehen könnten, deren Refinanzierung dann angesichts des allgemeinen Misstrauens schwerfallen könnte. Skeptiker unken, die Banken wüssten wohl noch von einigen „Leichen im Keller“, zum Beispiel bei Hedge-Fonds. Demnach wäre das Ende der Krise noch weit entfernt.

Ende der Inflationsraten nicht abzusehen

Ob die Krise noch Kreise zieht, hängt entscheidend auch davon ab, wie stark sie die reale Wirtschaft noch beeinträchtigen wird. Mit einiger Spannung werden deshalb die neuen Daten zur amerikanischen Konjunktur erwartet, darunter am Dienstag die Verkäufe von bestehenden Eigenheimen - hier wird ein leichter Rückgang auf annualisiert 585.000 Einheiten erwartet - und am Donnerstag die Auftragseingänge für langlebige Güter im März -, hier lautet die Konsensprognose auf einen Anstieg von 0,1 Prozent gegenüber Februar. In Europa stehen am Mittwoch die neuen Zahlen der Einkaufsmanager im Mittelpunkt des Interesses, die Fachwelt erwartet leichte Rückgänge gegenüber März. Am Donnerstag folgt das Ifo-Konjunkturbarometer für die deutsche Wirtschaft; es dürfte leicht fallen.

Mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit finden derzeit alle Daten zur Preisentwicklung. Rund um den Globus nehmen die Inflationsraten zu, und ein Ende ist nicht abzusehen, eher im Gegenteil. Jedenfalls hat der Ölpreis, gemessen an der Sorte WTI, zum Wochenschluss mit 116,97 Dollar je Barrel zu 159 Liter ein neues Rekordhoch erreicht. Auch der Preis für das Grundnahrungsmittel Reis steigt und steigt.

Angesichts der hohen Teuerung hat Bundesbankpräsident Axel Weber die Bereitschaft erkennen lassen, den Euro-Leitzins anzuheben. An den Märkten wird dies inzwischen als Szenario eingepreist: Jedenfalls ist die Rendite für zweijährige Bundesanleihen, die besonders stark auf Leitzinserwartungen reagiert, in der vergangenen Woche um 42 Basispunkte auf 3,83 Prozent gestiegen; laut Fachleuten war dies der stärkste Wochenanstieg seit 12 Jahren. Die Aussicht auf höhere Zinsen hat den Euro weiter aufwerten lassen. Mit 1,5983 Dollar erreichte er ein neues Rekordhoch.

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