15.04.2006 · Die deutschen Lebensversicherer können etwas aufatmen. Bei den Anleihen sind die Zinsen zuletzt deutlich gestiegen. Damit sind wieder höhere Renditen möglich. Allerdings sind steigende Überschußbeteiligungen nicht in Sicht.
Die deutschen Lebensversicherer können etwas aufatmen. In der für sie wichtigsten Anlageklasse, den Anleihen, sind die Zinsen in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen, und damit sind wieder höhere Renditen möglich. Zudem sind die Aktienkurse kräftig gestiegen. Für die Inhaber der mehr als 90 Millionen kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen sind dies gute Nachrichten. Doch sie sollten sich allenfalls auf lange Sicht höhere Erträge ausmalen. Denn vorerst ist bei den meisten Versicherern nicht mit einer Anhebung der Überschußbeteiligung zu rechnen.
„Viele Lebensversicherer haben noch nicht wieder zu ihrer alten Stärke zurückgefunden und müssen zunächst ihre Risikopuffer auffüllen“, sagt Jochen Specht von der auf Versicherungen spezialisierten Ratingagentur Assekurata. Nur in Ausnahmefällen sei daher für das kommende Jahr mit höheren Überschußbeteiligungen zu rechnen.
Aktienkurse seit Tiefpunkt 2003 nahezu verdreifacht
Die Branche macht eine lange Durststrecke durch. Die verfehlte Kapitalanlage in der Aktien-Baisse hat viel Geld gekostet und die Reserven aufgezehrt. Deshalb mußten die durchschnittlichen Gesamtverzinsungen, das ist die Summe von Garantie und Überschuß, von etwas mehr als 7 im Jahr 2002 auf 4,3 in diesem Jahr reduziert werden. In dieser Zeit hat sich allerdings auch das Modell der Lebensversicherung bewährt. Selbst die Kunden der in Schieflage geratenen Mannheimer Versicherung, deren Bestände heute von der Auffanggesellschaft Protektor abgewickelt werden, haben kein Geld verloren. Wenngleich sich für sie, wie auch für die Kunden aller anderen Versicherer, die für das Vertragsende erwarteten Ablaufleistungen drastisch reduziert haben.
Beinahe ebenso ernst wie die Verluste mit Aktien war der Renditeverfall auf den Anleihemärkten. Zeitweise konnten die Versicherer ihr Geld auf den Anleihemärkten nur zu rund 3 Prozent langfristig neu anlegen. Zugleich müssen sie aber gegenüber ihren Kunden Zinsgarantien von durchschnittlich rund 3,6 Prozent erfüllen. Inzwischen hat sich die Lage für die meisten Anbieter entspannt. Bei der Neuanlage auf dem Anleihemarkt sind wieder knapp 4 Prozent Rendite möglich. Die Aktienkurse haben sich seit dem Tiefpunkt im März 2003 nahezu verdreifacht. Der Dax ist in dieser Zeit von rund 2.200 auf 6.000 Punkte gestiegen.
„Kurzfristige Rückschläge werden wir nutzen“
Doch nicht alle Versicherer haben gleichermaßen von dieser Entwicklung profitiert. Die staatliche Aufsichtsbehörde Bafin wacht darüber, daß die Anbieter nicht zu Lasten ihrer Kunden unverantwortliche Risiken eingehen. Versicherer, die bei der Anlage Risiken eingehen wollen, müssen über genügend Sicherheitspolster verfügen. Die Anbieter sind mit solchen Mitteln, zu denen Eigenkapital, versicherungstechnische Rückstellungen und Bewertungsreserven zählen, sehr unterschiedlich ausgestattet.
So konnte sich zum Beispiel der größte Anbieter, die Allianz, auch in den schwierigsten Phasen eine relativ hohe Aktienquote leisten. „Die Aktienmärkte sind immer noch moderat bewertet“, sagt Maximilian Zimmerer, Vorstandsvorsitzender der Allianz Leben. „Kurzfristige Rückschläge werden wir zum Ausbau unseres Aktienengagements nutzen. Ansonsten fühlen wir uns mit unserer deutlich überproportionalen Aktienquote von rund 19 Prozent wohl.“ Schwächere Anbieter hatten nicht so viel Wahlfreiheit bei ihrer Kapitalanlage. Sie mußten sich auf dem Höhepunkt der Baisse von ihren Aktien trennen und konnten auch erst relativ spät wieder auf dem Aktienmarkt investieren. Dadurch haben sie einen großen Teil der Kursgewinne verpaßt oder haben von ihnen nur geringfügig profitiert. Im Durchschnitt der Branche dürfte die Aktienquote derzeit bei etwa 12 Prozent liegen, schätzt Assekurata.
„Das wirkt jetzt wie eine Bremse“
„Die Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den Lebensversicherern hat sich dadurch noch stärker herausgebildet“, sagt Carsten Zielke, Analyst der WestLB. Das gelte auch für die Anlage auf dem Anleihemarkt. In der Zeit der extrem niedrigen Anleiherenditen haben viele Versicherer in Anleihen mit besonders langer Laufzeit investiert. Das versprach zunächst höhere Zinsen und verringerte zudem das Risiko, das mit weiter sinkenden Renditen verbunden gewesen wäre. Einige Gesellschaften wie Victoria und Gerling setzten zudem Derivate zur Absicherung ein. Doch solche Absicherungsgeschäfte kosten Geld, und die langen Anleihelaufzeiten schränken nun die erholende Wirkung der steigenden Zinsen ein. Denn die vor einigen Monaten noch niedrigeren Zinsen wurden für viele Jahre festgeschrieben.
„Das wirkt jetzt wie eine Bremse“, sagt Carsten Zielke. Trotzdem sei der Spielraum auch für die schwächeren Gesellschaften größer geworden. Er rechnet aber für die kommenden Jahre nicht mit deutlichen Anhebungen der Gesamtverzinsung. „Die Lebensversicherer werden, sofern sie den Spielraum haben, zunächst die Schlußgewinnanteile stärken“, glaubt Zielke. Dieser Topf wird gefüllt, um den Kunden am Ende der Vertragslaufzeit eine zusätzliche Summe zu zahlen. Die Zuweisungen zum Fonds für Schlußgewinnanteile haben für die Anbieter den Vorteil, daß sie nicht garantiert sind. Geht es der Gesellschaft eines Tages schlecht, können die Mittel wieder abgezogen werden. Deshalb zählen die Zuweisungen aus Sicht der Finanzaufsicht zu den Sicherheitsmitteln und stärken die Finanzkraft. Aus Sicht der Kunden sind sie zwar individuelle Gutschriften. Sie sind aber nicht garantiert und werden deshalb von Verbraucherschützern nicht als Teil der Gesamtverzinsung gewertet.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |