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Donnerstag, 16. Februar 2012
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Hedge-Fonds Hedge-Fonds als Firmenjäger

30.05.2005 ·  Wen die SPD wohl meinte, aber nicht nannte. Die Geschichte von den „Corporate Raiders“ - und wie sie nun Deutschland aufmischen.

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Gordon Gecko verkörpert wohl das, was sich Franz Müntefering unter einer Heuschrecke vorstellt: "Habgier ist gesund. Habgier hält das System in Schwung", sagt Gecko alias Michael Douglas in Oliver Stones Film "Wall Street" von 1987. Douglas mimt einen eiskalten Spekulanten, der große Konzerne billig kauft, um die Einzelteile zu Lasten der Mitarbeiter gewinnbringend zu verkaufen. Der Hollywood-Streifen hatte reale Vorbilder: In den wilden achtziger Jahren kauften "Corporate Raider" (Firmenausplünderer) wie Carl Icahn, George Soros oder James Goldsmith in den Vereinigten Staaten große Konglomerate, um sie mit Millionengewinnen zu zerschlagen. Daran waren auch Private-Equity-Gesellschaften wie die in der "Heuschrecken-Liste" der SPD-Fraktion erwähnte Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) beteiligt. Von den rüden Methoden der achtziger Jahre haben sich letztere längst abgewandt - weil sich durch freundliche, auf Wertsteigerung abzielende Übernahmen heute mehr Geld verdienen läßt. Doch in den vergangenen Jahren sind - auch in Deutschland - neue Firmenjäger auf den Plan getreten: die Hedge-Fonds.

Wyser-Pratte und die Methoden der Marines

Guy Wyser-Pratte ist Millionär und Gründer der Fondsgesellschaft Wyser-Pratte Management Co. Er bedient sich gerne martialischen Vokabulars: "Wacht auf und riecht das Napalm" ist eine der Floskeln, die der ehemalige Offizier des amerikanischen Marine-Corps gerne dem Management seiner Übernahmeobjekte entgegenwirft. Am liebsten kauft sich der gebürtige Franzose in Konglomerate mit einem Minderheitsanteil ein, um gemeinsam mit nachfolgenden Fonds das Management zum Verkauf unrentabler Firmenteile zu bewegen. So geschah es bei der Karlsruher IWKA. Dort erwarb Wyser-Pratte seit 2003 rund 6,5 Prozent der Anteile und attackiert das Management mit der Forderung, die Verpackungstechnik zu verscherbeln, um sich auf die vermeintlich rentablere Robotersparte zu konzentrieren.

Ein anderer "Unternehmensjäger" ist Christopher Hohn. Der Chef und Gründer des mit Renditen von über 40 Prozent erfolgreichen britischen Hedge-Fonds TCI hat sich bei der Deutschen Börse mit 8 Prozent der Anteile eingekauft, die Übernahme der Londoner Börse verhindert, erfolgreich die Ausschüttung der Barreserven verlangt und versucht nun, Aufsichtsratschef Rolf-E. Breuer und den Vorstandsvorsitzenden Werner Seifert loszuwerden. Branchenüblich sind die Methoden wie öffentliche Briefe an das Management und Gegenanträge zur Hauptversammlung. Wie die Vorbilder vor zwanzig 20 Jahren sieht sich Hohn als Speerspitze der Aktionärsinteressen.

Die Aussauger

Auch die Ziele ähneln denen in den achtziger Jahren. Damals erwarb der legendäre britische Finanzinvestor James Goldsmith den Holz- und Papierkonzern Diamond International. Er verkaufte die riesigen Wälder des Unternehmens und filetierte es. An diese als "Asset Stripping" bezeichnete Methode, bei dem die als unterbewertet angesehene Substanz eines Unternehmens gewinnbringend verkauft wird, fühlen sich Beobachter durch die Strategie von TCI und anderen erinnert: Die "Assets" sind heute häufig die Kassen der Unternehmen, an deren Inhalt die Aktionäre durch Aktienrückkäufe oder Dividenden teilhaben wollen - unabhängig davon, ob die langfristige Zukunft des Unternehmens dadurch gefährdet ist.

Die Geier des Kapitalismus

Sogenannte "Geier-Fonds" haben sich auf Pleiteunternehmen spezialisiert. Investoren wie Citadel, Cerberus und Elliott kaufen Schulden von Unternehmen, die in einer Notsituation sind. Durch einen Tausch der Kredite in Eigenkapital sichern sie sich die Kontrolle des Unternehmens und sanieren es - um es dann gewinnbringend mit hohen Renditen weiterzuverkaufen. Ein Beispiel ist der schwäbische Fußbodenhersteller Rinol, der mittlerweile von dem amerikanischen Investor Highbridge/Zwirn kontrolliert wird. Nach harten Sanierungsschritten stehen betroffene Unternehmen mitunter schneller wieder auf eigenen Beinen als mit dem deutschen Insolvenzverfahren.

Wilderer im Beteiligungsgeschäft

Hedge-Fonds schnappen sich zunehmend ganze Unternehmen, wenn sie diese als unterbewertet und schlecht geführt erachten. Angespornt werden sie von ihren vollen Kassen, deren Inhalt die Dachfondsgesellschaft Partners Group in diesem Jahr auf über eine Billion Dollar wachsen sieht, von sinkenden Renditen im klassischen Geschäft und einer üppigen Gebührenstruktur, welche die Manager von Fonds wie Pirate Capital oder Highfields Capital nach immer größeren Übernahmen streben läßt. Hedge-Fonds scheuen nicht vor feindlichen Raubzügen oder Zerschlagungen zurück - im Gegensatz zur Private-Equity-Konkurrenz wie der Blackstone-Gruppe, die sich schon immer freundlichen Übernahmen verschrieben hat. Auf der "Heuschrecken-Liste" der SPD-Fraktion werden ausschließlich solche Beteiligungsgesellschaften wie Blackstone oder KKR genannt - nach Hedge-Fonds wie TCI, Wyser-Pratte oder Cerberus sucht man vergebens.

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