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Hausbanken Drum prüfe, wer sich lange bindet...

05.02.2012 ·  Wer zu meinen glaubt, wegen jahrelanger Geschäftsbeziehungen gebe es bei der Hausbank angenehme Konditionen, macht einen Fehler. Der Kredit von der Hausbank muss nicht günstig sein.

Von Lukas Weber
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Manchmal fragt man sich, was die Mitarbeiter der Kreditabteilungen in den Banken eigentlich beruflich machen. Das Abwägen von Risiken ist es wohl nicht. Der Fall: Das Auto der Gattin hat den Geist aufgegeben, ein neues soll her. Weil jeder verfügbare Euro für die Tilgung einer allmählich nicht mehr allzu schweren Hypothekenlast verwendet wurde, reichen die Ersparnisse nicht. Geld ist gerade günstig.

So beginnt die Suche nach einem Konsumentenkredit mit einer Anfrage bei einem Dutzend Banken. Wegen guter Erfahrungen mit der Immobilienfinanzierung über Interhyp wird ein Kreditvermittler eingeschaltet, in diesem Fall Check 24. Alle Banken bekommen dieselben Eckdaten: Er Redakteur dieser Zeitung seit fast einem Viertel Jahrhundert, sie seit einem Jahrzehnt im öffentlichen Dienst, keine Schufa-Einträge außer dem Immobilien-Darlehen, regelmäßige Mieteinnahmen. Angefragt werden 17.000 Euro Kreditsumme auf 84 Monate.

Seit 46 Jahren Kunde

Die Angebote: Binnen drei Tagen sind sämtliche Offerten auf dem Tisch. Am günstigsten ist die Postbank mit einem effektiven Jahreszins von 4,69 Prozent; die meisten Geldverleiher verlangen zwischen 5,3 und 6,5 Prozent, zwei fordern knapp unter 7 Prozent Effektivzins. Woher die weite Spreizung für ein und denselben Kreditnehmer kommt, kann jedoch niemand erklären. Parallel dazu wird in der Filiale der eigenen Hausbank am Wohnort angefragt, schließlich ist man dort seit 46 Jahren Kunde und Anteilseigner. Und jetzt kommt's: 9,9 Prozent. Neun Komma neun, sagt der freundliche Mitarbeiter bedauernd, die Bank gebe selbst keine Kredite, sondern vermittle nur zu Easy Credit. Der Zinssatz von Easy Credit, direkt befragt, lag freilich bei 5,99 Prozent. Teure Vermittlung.

Die Erkenntnisse: Geld ist nicht so billig wie gedacht, solange man nicht Bundespräsident ist. Wer zu meinen glaubt, wegen jahrelanger Geschäftsbeziehungen gebe es bei der Hausbank angenehme Konditionen, macht einen Fehler. Und wer keinen Kreditvermittler einschaltet, ist selbst schuld. Deren Arbeit kostet den Kunden nichts, und bessere Bedingungen bekommt man alleine ohnehin nicht.

Die Nachwirkungen: Ein höfliches Schreiben an die Hausbank, ob man so mit alten Genossen umgeht, verbunden mit der Kündigung der Anteile sämtlicher Familienmitglieder, bleibt vier Wochen ohne Antwort. Ein zweites Schreiben, nicht minder höflich, aber mit der dringenden Bitte um Reaktion, provoziert einen Dreizeiler, die Bank nehme den Verkaufswunsch zur Kenntnis. Die Postbank hat jetzt einen Kunden mehr, die Hausbank einen weniger.

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Jahrgang 1957, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend und Wirtschaft“.

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