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Veröffentlicht: 01.03.2014, 10:15 Uhr

Hans Carl von Carlowitz Er hat die Nachhaltigkeit erfunden

Hans Carl von Carlowitz hat die Welt verändert. Dazu musste er keine Kriege führen und keine Revolutionen anzetteln.

von Christian von Hiller
© dpa Das Konzept der Nachhaltigkeit hat sich stark verändert: Heute dürfen die Wälder ganz naturnah wachsen

Manchmal kommt ein Umbruch so leise, dass die Zeitgenossen ihn zunächst kaum bemerken. Bei anderen scheint es, als hätte die Welt nur darauf gewartet, dass jemand das Offensichtliche formuliert. Der Wald im 18. Jahrhundert lag im Argen. Das muss den meisten Menschen bewusst gewesen sein. Ob es sie gekümmert hat, ist selbstverständlich eine andere Frage. Der Schwarzwald wurde geplündert, die Weißtannen wurden den Rhein hinunter nach Holland geflößt, um sie für die holländische Handelsflotte und die Pfahlgründung von Amsterdam zu verbauen. Auch das Erzgebirge war in schlimmem Zustand. Der Bergbau verschlang Holz. Köhler und Glasbläser taten es genauso.

Das 18. Jahrhundert war das Jahrhundert der großen Energiekrise in Europa. Das Wort von der „Holznot“ machte die Runde. Der Bedarf an Holz wuchs und wuchs, durch den rapiden Anstieg der Bevölkerung und das Wachstum der Städte. Die Menschen brauchten Holz für den Hausbau, ihre Küchen, ihre Wohnstuben und ihr Werkzeug. Doch Europas Wälder gaben nicht genügend Holz her.

In diese Zeit kam Hans Carl von Carlowitz, dessen Todestag sich am Montag zum 300. Mal jährt. An Heiligabend 1645 wurde er auf Burg Rabenstein bei Chemnitz geboren und starb am 3. März 1714 in Freiberg (Sachsen) im Alter von 68 Jahren. Der Spross aus einer Familie des sächsischen Uradels sollte das Gesicht Europas verändern wie wenige andere. Er schrieb sich in die Geschichte ein, ohne dass er Kriege führen oder Revolutionen anzetteln musste. Ein Jahr vor seinem Tod erschien in Leipzig sein Werk, das die Welt bis heute so nachhaltig verändern sollte wie wenige andere. Es brachte den Gedanken der nachhaltigen Wirtschaftsweise in die Köpfe der Menschen.

Bis ins deutsche Bundeswaldgesetz

Die längste Zeit seit Carlowitz befassten sich allenfalls einige Förster mit dem Thema. Seit einigen Jahren jedoch schwappt die Welle über die Wirtschaft hinweg. Kaum ein Unternehmen verzichtet heute auf dicke Nachhaltigkeitsberichte. Banken bringen nachhaltige Geldanlagen auf den Markt, Fondsgesellschaften nachhaltige Investmentfonds. Selbst Staatsanleihen werden darauf hin analysiert, ob die Regierungen nachhaltig mit Steuereinnahmen umgehen.

Unter dem Dach der Vereinten Nationen ist eine internationale Bewegung entstanden, die sich den United Nations Principles of Responsible Investing (UN PRI) verpflichtet fühlt. Heute haben sich 1400 Finanzanbieter mit einem verwalteten Vermögen von 35 Billionen Dollar den UN PRI angeschlossen. Sie haben einen Verbund gebildet rund um die Welt, an dem Banken aus Togo genauso teilhaben wie Pensionskassen in China, Assetmanager in den Vereinigten Staaten oder die Förderbank KfW in Deutschland.

„Sylvicultura oeconomica oder Haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht“ heißt Carlowitz’ Werk, genauer der Anfang des Titels. Es folgten 16 in kleinen Lettern gesetzte Zeilen, die den Inhalt genau beschreiben. Mit diesem Werk hat er es bis ins deutsche Bundeswaldgesetz geschafft. „Der Wald soll im Rahmen seiner Zweckbestimmung ordnungsgemäß und nachhaltig bewirtschaftet werden“, heißt es heute noch in Paragraph 11 des Gesetzes zur Erhaltung des Waldes und zur Förderung der Forstwirtschaft.

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