08.04.2010 · Die Renditen für griechische Staatsanleihen steigen immer weiter. An den Märkten nehmen Spekulationen über Zahlungsprobleme des Landes zu. Darunter leiden jetzt auch die Aktien europäischer Banken.
Von Gerald BraunbergerDas Vertrauen in die Bonität griechischer Staatsanleihen lässt immer mehr nach. Am Donnerstag fielen erneut die Kurse, was sich in steigenden Renditen äußert. Besonders Papiere mit einer Restlaufzeit von zwei Jahren erlebten einen kräftigen Renditesprung um bis zu 114 Basispunkte.
Die zweijährigen Papiere rentierten in der Spitze mit 7,75 Prozent deutlich höher als die zehnjährigen Anleihen, deren Rendite bis 7,50 Prozent kletterte. Die Risikoaufschläge gegenüber deutschen Bundesanleihen legten noch einmal deutlich zu. Im Nachmittagshandel gaben die Renditen etwas nach: Die Zehnjährige rentierte mit 7,35 Prozent und die Zweijährige mit 7,45 Prozent.
Unsicherheit über die Bonität der griechischen Staatsanleihen belastet Börsen
Die Unsicherheit über die Bonität der griechischen Staatsanleihen wirkte am Donnerstag erstmals auf die Aktienmärkte. Dort gaben besonders die Kurse vieler europäischer Bankaktien nach. Erheblich betroffen waren griechische Bankentitel, die Einbußen bis 7 Prozent (EFG Europabank) erlitten. Darin drückt sich die Furcht vor einer wachsenden Kapitalflucht aus. Nach unbestätigten Gerüchten haben nach griechischen Unternehmen und Privatpersonen nun auch europäische Großbanken begonnen, bei griechischen Banken angelegte Gelder zu reduzieren. Den Banken aus Athen falle es zunehmend schwer, am Geldmarkt Mittel aufzunehmen, berichteten Marktbeobachter. Die führenden griechischen Banken haben ihre Regierung um 17 Milliarden Euro aus einem schon im Jahre 2008 beschlossenen Konjunkturprogramm gebeten. Hierbei handelt es sich überwiegend um Garantien.
Die Kurse deutscher, französischer und Schweizer Bankaktien büßten zwischen 2 und 4 Prozent ein. In diesen drei Ländern halten Banken erhebliche Bestände an griechischen Staatsanleihen (siehe Grafik). Schwere Kursverluste dieser Papiere hätten Wertberichtigungen in den Bankbilanzen zur Folge.
Währenddessen versuchten Politiker, die Lage zu entdramatisieren. Griechenland drohe keine Insolvenz, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, auf einer Pressekonferenz. Das Land werde wahrscheinlich auch keine Hilfen seiner europäischen Partner brauchen. Die aktuelle Marktentwicklung kommentierte Trichet allerdings nicht. "Die Risikoaufschläge werden erst im Laufe der Zeit zurückgehen, da es noch Misstrauen gegenüber unserem Land gibt", sagte der griechische Finanzminister Georgios Papakonstantinou in einem Fernsehgespräch. Dies sei nicht überraschend. Sofern Griechenland die Staatsausgaben angemessen kürze, seien keine weiteren Maßnahmen notwendig. Die Ratingagentur Fitch empfahl Athen, sich unverzüglich um Hilfen zu bemühen.
Griechische Anleihen mussten in den vergangenen Tagen deutliche Kursverluste hinnehmen
In den steigenden Renditen griechischer Anleihen drückt sich die Vermutung vieler Marktteilnehmer aus, dass sich Griechenland mit der Finanzierung seiner Staatsschulden schwertun werde. Das Land muss bis Ende Mai 11,6 Milliarden Euro aufbringen; bis zum Jahresende sind es 32 Milliarden Euro. Ein Regierungssprecher stellte am Donnerstag fest, dass Athen alles tun werde, um das Geld nicht zu "barbarischen Konditionen" leihen zu müssen.
Die mit den Renditeanstiegen dieser Tage verbundenen erheblichen Kursverluste der in den vergangenen Jahren ausgegebenen Anleihen dürften es Athen allerdings erschweren, auf absehbare Zeit größere Summen über länger laufende Euro-Anleihen aufzunehmen, sofern die Regierung nicht aus ihrer Sicht "barbarische Konditionen" bieten will. Analysten halten die Ausgabe von Geldmarktpapieren mit mehreren Monaten Laufzeit für möglich. Damit würde das Finanzierungsproblem aber nur verschoben.
Derzeit bemüht sich die griechische Regierung um die Plazierung einer DollarAnleihe in Amerika, doch auch hier wird Athen eine hohe Rendite bieten müssen. Eine solche Anleihe wäre selbst mit einem Kupon von 7 Prozent unattraktiv, sagte Richard Clarida von der kalifornischen Fondsgesellschaft Pimco in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg: "Griechenland ist wie die Titanic." Es gebe achtzehn verschiedene Probleme dort, und wenn diese Probleme alle gleichzeitig aufträten, werde es eben schwierig.
Die Vertrauenskrise bleibt auf Griechenland beschränkt und weitet sich bisher nicht auf andere südeuropäische Länder aus. Die Renditen für Staatsanleihen Portugals legten am Donnerstag nur um wenige Basispunkte zu: Mit 1,67 Prozent für Zweijährige und 4,33 Prozent für Zehnjährige liegen sie deutlich unter den Werten Griechenlands. Die Renditen für Staatspapiere aus Spanien und Italien blieben nahezu unverändert. Eine zehnjährige Anleihe Italiens rentierte mit 3,97 Prozent und damit um 2 Basispunkte niedriger als ein vergleichbares Papier aus Großbritannien.
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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