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Goldman Sachs : Skandal an der Wall Street

Goldman Sachs wird von der Börsenaufsicht für angeblichen Wertpapierbetrug zur Verantwortung gezogen Bild: AFP

Ein Jungstar von Goldman Sachs und ein Hedge-Fonds-Milliardär sollen Anleger um eine Milliarde Dollar betrogen haben. Lange hat Amerikas Börsenaufsicht geschwiegen - jetzt erhebt sie Anklage. Auch andere Banken könnten bald zur Rechenschaft gezogen werden.

          Das war nun das Nachbeben, nach dem großen Börsenbeben vom Januar 2008, mit dem die Finanzkrise richtig begann. Und es könnte der Anfang einer Kette von Beben sein, die demnächst die Wall Street noch erschüttern. Zum Wochenschluss schlug die Nachricht an der New Yorker Börse ein: Die Börsenaufsicht SEC verklagt Goldman Sachs, die mächtigste und einflussreichste Bank an der Wall Street. Der Vorwurf lautet auf Wertpapierbetrug.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Christian Siedenbiedel

          Sofort stürzten weltweit die Kurse von Bankaktien ab. Minutenschnell büßte die Aktie von Goldman Sachs 13 Prozent ihres Wertes ein. Spekulationen, dass anderen Banken ähnliche Klagen drohen könnten, belasteten. Morgan Stanley verlor sechs Prozent, die Deutsche Bank sieben Prozent, der Dax gab um immerhin 100 Punkte nach.

          Es ist eine Sensation, denn die Klage der SEC ist die erste, mit der die Börsenaufsicht versucht, Schuldige der Finanzkrise zur Verantwortung zu ziehen. Es ist auch der Versuch der Behörde, den eigenen Ruf wieder aufzupolieren. Denn viele haben ihr vorgeworfen, lange Zeit zu lax gewesen zu sein und so die Finanzkrise ermöglicht zu haben.

          Das Vorgehen der SEC gegen Goldman Sachs könnte eine Klagewelle gegen andere Banken auslösen

          Paulson wollte auf Ausfall wetten

          Worum geht es? Die Investmentbank Goldman Sachs soll im Jahr 2007 auf Wunsch eines Kunden, des Hedge-Fonds Paulson & Co., ein Wertpapier aufgelegt haben, in dem sie kritische Kredite auf amerikanische Wohnimmobilien bündelte. Das Geschäft mit solchen „Subprime“-Krediten war zu dieser Zeit gang und gäbe und auch nichts Verwerfliches. Viele Investoren kauften solche riskanten Kreditpakete, weil sie hofften, damit hohe Zinsen zu erzielen.

          Das Besondere an den Goldman-Sachs-Produkt mit dem schönen Namen „Abacus 2007–AC1“: Der Hedge-Fonds Paulson soll Goldman nicht nur beauftragt haben, das Produkt zu entwerfen – wofür Goldman laut SEC-Unterlagen 15 Millionen Dollar von Paulson kassierte –, sondern Paulson stellte auch das Portfolio zusammen, wählte also die Kredite für das Produkt aus.

          Und, so der Vorwurf der Aufsicht, als HedgeFonds, der die Risiken des amerikanischen Häusermarktes seit Jahren bestens kannte, legte Paulson nur die allerschlechtesten Kredite ins Körbchen. Nur solche, von denen er annahm, dass sie bald ausfallen würden, weil die Schuldner sie nicht mehr bedienen können. Das Kalkül dabei, behauptet die SEC: Paulson wollte selbst auf genau diesen Ausfall des Produkts wetten gegen Abacus.

          Beteiligung von Paulson verschleiert

          Es ist eine unglaubliche Geschichte, sollte sie stimmen: Paulson hätte gezielt die schlechtesten Kredite in einem Fonds bündeln lassen, weil die Gesellschaft vorhatte, selbst gegen dieses Kreditbündel zu spekulieren. Goldmans Rolle soll es in diesem Spiel gewesen sein, die Beteiligung von Paulson bei der Auswahl des Portfolios verschleiert zu haben. Eine Bank, die den Kunden ins Unglück schickt und sich selbst daran bereichert.

          Wenn öffentlich gewesen wäre, dass der Hedge-Fonds selbst das Portfolio zusammengestellt hatte, hätte wohl kaum ein Investor in ein solches Produkt sein Geld gesteckt. Schließlich war Paulson dafür bekannt, gerade mit den schlechtesten Krediten ein Geschäft zu machen.

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