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Gescheitertes Experiment : Geehrte Kunden, wir runden – jetzt nicht mehr

Ohne geht es wohl doch nicht: Eine Ein-Cent-Euromünze Bild: dpa

In Kleve am Niederrhein ist der Versuch gescheitert, im Handel auf Ein- und Zwei-Cent-Münzen zu verzichten. Für die Rückkehr des Kleingeldes gab es wohl mehrere Gründe.

          Sind kleine Cent-Münzen lästiger Ballast, der das Portemonnaie verstopft? Oder sind sie vielmehr elementarer Bestandteil des Bargeldes, das es gegen alle Angriffe zu verteidigen gilt? Das scheint in Deutschland umstritten zu sein – in Umfragen stimmen die Leute mal so und mal so ab. Kein Wunder daher, dass ein Experiment zu diesem Thema in Kleve am Niederrhein, das vor zwei Jahren begann, in ganz Deutschland für Aufmerksamkeit sorgte. Händler dort fingen an, die Summe, die Kunden an der Kasse für ihren Einkauf zu zahlen hatten, auf den nächsten Fünf-Cent-Betrag auf- oder abzurunden. „Geehrte Kunden, wir runden“ prangte fortan auf Schildern, die in vielen Geschäften zu sehen waren. Damit wollten die Händler die kleinen Cent-Münzen bewusst zurückdrängen – vor allem, um die damit verbundenen Bankgebühren zu sparen.

          Das ist vorbei – das Experiment ist offenbar eingeschlafen. „Leider ist das Projekt sprichwörtlich im Sande verlaufen“, sagte Klaus Fischer vom Bekleidungsgeschäft Alexander Herrenmoden, einer der Initiatoren. „Wir in unserem Geschäft praktizieren die Rundungspraxis weiter – aber die meisten Geschäfte sind wieder zur alten Zahlungspraxis zurückgekehrt.“ Dabei hatte das Vorhaben damals in mehreren Städten Diskussionen ausgelöst, ob man es Kleve gleichtun sollte. Bekräftigt fühlten sich die Münz-Aktivisten am Niederrhein von Bestrebungen in anderen Ländern. Italien hatte angekündigt, keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr prägen zu wollen. Und die Niederlande, Finnland, Irland und jetzt auch Belgien haben freiwillige Rundungsregeln eingeführt. Gerade von den Niederlanden, deren Grenze nicht weit entfernt ist, hatten sich die Händler in Kleve inspirieren lassen.

          „Ich persönlich kann mich dem nur anschließen“

          Die Bundesbank hatte sich von Anfang an sehr zurückhaltend zu dem Münz-Experiment geäußert. Vorstand Carl-Ludwig Thiele nannte es mal einen „Marketing-Gag“ der Stadt. Bei den Händlern spielten offenbar zwei Gründe eine Rolle, warum nicht alle begeistert waren. Einige machten sich Sorgen um Finanzamt und Steuerberater, wenn durch das Runden Geld in der Kasse fehlen sollte. Offenbar kamen auch nicht alle Kassen mit dem Runden klar. Andere fanden es lästig, wenn beim Bäcker am Sonntagmorgen eine lange Schlange zum Brötchenholen stand und die Verkäuferinnen jedem Kunden einzeln das Runden erklären sollten.

          Beide Seiten, Kunden und Händler, hatte ständig Angst, dass sie beim Runden zu kurz kämen. So sorgte eine Studie der Hochschule Rhein-Waal, die das ganze wissenschaftlich begleitet hatte, auf Kundenseite für Unmut: Dabei kam nämlich heraus, dass die Kunden im Durchschnitt 0,71 Cent je Einkauf draufzahlten. Offenbar wurde häufiger auf- als abgerundet.

          Auf andere Regionen Deutschlands ausgeweitet jedenfalls wurde das Projekt nie. Bundesbankpräsident Jens Weidmann war den kleinen Münzen später beigesprungen: „In der deutschen Bevölkerung besteht der Wunsch, an den Kleinmünzen festzuhalten“, sagte er: „Ich persönlich kann mich dem nur anschließen.“

          Dabei hatte es in Kleve an guten Ideen nicht gemangelt, was man mit den kleinen Münzen anfangen könnte, wenn man sie nicht mehr zum Einkaufen braucht. Die evangelische Kirchengemeinde hatte eigens dafür Spendenbehälter aufgestellt und sammelte die Münzen für einen guten Zweck. Und ein Künstler namens Janusz Grünspek kündigte an, aus den Münzen des Kleingeld-Zeitalters besonders dekorative Knöpfe herstellen zu wollen.

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