12.10.2011 · Fondsinitiatoren machen stillgelegte Quellen wieder flott. Hohe Renditeversprechen sollen Privatanleger locken.
Von Tim Höfinghoff, Christian von HillerDer Ölpreis ist seit Wochen unter Druck, trotzdem setzen Fondsanbieter darauf, vernachlässigte Ölquellen auszubeuten. Mit diesem Geschäftsmodell, das es auch für den Gasmarkt gibt, versprechen sie Privatanlegern hohe Renditen. Das Konzept: Sind die Quellen optimiert, können die Rohstoffe weiter gefördert werden, oder die Quellen werden verkauft. Große Ölkonzerne haben an diesen kleineren Projekten kein Interesse und setzen eher auf Vorkommen in der Tiefsee.
Ein Fondsinitiator in diesem Geschäft ist Nordic Oil. Günter Pusch, der bis zu seiner Pensionierung 2007 das Institut für Erdöl- und Gasgewinnung der Technischen Universität Clausthal leitete und als Berater für Nordic Oil arbeitet, sagt: "Weltweit werden Ölfelder im Durchschnitt nur zu 35 Prozent ausgebeutet. Das heißt, dass rund zwei Drittel des Öls in einer Lagerstätte noch ungefördert im Boden liegen." Mit Heißwasser, Kohlenwasserstoffen, Stickstoff oder Chemie könne das Öl fließfähiger und förderbar gemacht werden.
Nordic Oil hat vor zwei Jahren rund 9 Millionen Dollar in den Kauf von stillgelegten Ölbohrungen in den Vereinigten Staaten investiert und diese Quellen wieder aktiviert. "Dabei wurde ein Drittel der unentwickelten Reserven förderbar gemacht." Ein Ölpreis von mindestens 60 Dollar je Barrel (159 Liter) sei für diese Vorhaben nötig, sagt Pusch. Derzeit kostet amerikanisches WTI-Öl rund 85 Dollar je Barrel. Der neue Fonds Nordic Oil 2 ist mit einer Laufzeit von fünf Jahren konzipiert und will bis zur voraussichtlichen Schließung am Jahresende ein Eigenkapital von 20 Millionen Euro einsammeln. Den Anlegern wird eine Rendite von 17 Prozent jährlich in Aussicht gestellt.
Mit diesem Produkt ist Nordic Oil nicht der einzige Anbieter von Ölfonds in Deutschland: Proven Oil Canada (POC) plaziert derzeit zwei Beteiligungen. Der POC Growth 2 investiert in produzierende Öl- und Gasquellen in Kanada, der POC Natural Gas in Gasvorkommen. Vor kurzem ist auch Energy Capital Invest mit dem US Öl- und Gasfonds 11 in den Vertrieb gegangen.
Doch wie bei allen geschlossenen Fonds müssen Interessenten bei Öl- und Gasfonds beachten, dass sie eine unternehmerische Beteiligung eingehen - mit allen Chancen und Risiken. Sie müssen damit rechnen, dass sich die in Aussicht gestellte Rendite nicht erzielen lässt. Und sie sollten wissen, dass sie ihr eingesetztes Kapital verlieren können. Das Risiko eines Ölfonds sei höher als bei einem Fonds für erneuerbare Energie oder bei einem Schiffsfonds, urteilt Robert Borm, Analyst der Ratingagentur Scope Analysis. Dafür sei die mögliche Rendite höher, und der Anleger erhalte sofort Rückflüsse bei einer relativ kurzen Laufzeit des Fonds. "Wenn der Fonds gut kalkuliert ist und die Kosten transparent aufgezeigt werden, dann sind Ölfonds für risikobewusste Anleger zur Beimischung eine Überlegung wert", sagt Borm. Allerdings sollten Anleger beachten, dass es bei Ölfonds verschiedene Risikokategorien gebe. "Ein Fonds, der in schon produzierende Quellen investiert, ist weniger riskant als ein Fonds, der auf Explorationsvorhaben ausgerichtet ist."
Allerdings ziehen geschlossene Fonds, die auf Wind, Sonne und Biomasse ausgerichtet sind, derzeit mehr Interesse auf sich. "Das Angebot an geschlossenen Fonds ist bei erneuerbaren Energien ungleich größer als bei Ölfonds", sagt Borm. Das liegt nicht nur daran, dass Wind, Sonne und Geothermie mehr im Trend liegen. "Das Sicherheitsprofil ist bei Fonds auf erneuerbare Energien strukturell besser, weil erstens die feste Einspeisevergütung für eine Planungssicherheit sorgt und weil sich zweitens die Sonneneinstrahlung oder das Windaufkommen gut prognostizieren lassen", sagt der Analyst.
Außerdem sollten Anleger auf die Kosten achten, mit denen der Ölfonds möglicherweise belastet wird. Klassischerweise kauft ein Ölfonds nur die Förderrechte an einer Quelle, die in der Regel jemand anderem gehört. Dafür zahlt der Fonds dem Eigentümer der Quelle eine Pacht, Royalties genannt. "Die sind relativ hoch", sagt Borm. Denn sie machen leicht 25 Prozent der Erlöse aus, die der Fonds aus dem Ölverkauf einnimmt. Hinzu kommen die Förderkosten, die mit mehr als 10 Prozent der Erlöse zu Buche schlagen können. "Damit ist schon einmal gut ein Drittel der Erlöse weg", rechnet Borm vor.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |