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Dienstag, 18. Juni 2013
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Geldpolitik Bernanke lässt kaum Zweifel an Lockerung

 ·  Der Vorsitzende der Federal Reserve, Ben Bernanke, signalisiert in Jackson Hole seine Präferenz für einen weiteren Ankauf von Anleihen. Die Börsen freut es.

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© Bloomberg Ben Bernanke (links) auf der Notenbankerkonferenz in Jackson Hole in Wyoming

Der Vorsitzende der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve, Ben Bernanke, hat auf der Notenbankerkonferenz in Jackson Hole in Wyoming zwar noch nicht ausdrücklich eine weitere Lockerung der Geldpolitik angekündigt. Doch ließ Bernanke wenig Zweifel daran, dass seine Präferenz auf einen neuen Ankauf von Staatsanleihen hinausläuft – vielleicht schon am 12. beziehungsweise 13. September. Die Aktienbörsen in Amerika und Europa legten nach Veröffentlichung der Rede zu. Der Wert des Euro war schon vor der Rede zeitweise auf mehr als 1,26 Dollar gestiegen. Der Goldpreis erreichte ein Viermonatshoch. Die Rendite auf Treasuries mit langer Laufzeit gab nach.

„Die schon starke Neigung der Fed zur Lockerung ist durch Bernanke noch verstärkt worden“, sagte Harm Bandholz, Amerika-Volkswirt der Bank Unicredit, der F.A.Z. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Runde der quantitativen Lockerung schon im September schätzt er nun auf zwei Drittel. Viele Volkswirte erwarteten bislang, dass die Fed erst zur Jahreswende mit der quantitativen Lockerung beginnen werde.

Bernanke schloss seine Rede mit exakt der Formulierung, mit der schon Anfang August der Offenmarktausschuss eine große Bereitschaft zur Lockerung signalisiert hatte. „Die Federal Reserve wird wenn nötig zusätzliche politische Unterstützung geben, um eine stärkere wirtschaftliche Erholung und eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktbedingungen in einem Umfeld der Preisstabilität zu fördern.“

Ausführlich verteidigte Bernanke den Nutzen der quantitativen Lockerung. Die bisherigen Ankäufe durch die Fed hätten die Renditen der langfristigen Staatsanleihen signifikant gesenkt, sagte er. Eine Untersuchung der Fed deute darauf hin, dass die ersten beiden Ankaufrunden die Wirtschaftsleistung um 3 Prozent und die Beschäftigung um mehr als 2 Millionen Stellen erhöht hätten. Insgesamt hat die Fed seit der Finanzkrise schon Anleihen für mehr als 2,3 Billionen Dollar gekauft.

Bernanke spielte zugleich die mit der quantitativen Lockerung verbundenen Risiken als „beherrschbar“ herunter. Bis jetzt habe man keine Probleme im Markt für Staatsanleihen gesehen und wenig Anzeichen, dass die Märkte zu große Risiken eingingen. Die Expansion der Zentralbankbilanz habe die Inflationserwartungen nicht wesentlich beeinflusst. Bernanke äußerte ferner die Erwartung, dass die quantitative Lockerung dem Steuerzahler letztlich wohl Gewinn einbringen werde.

„Beängstigende wirtschaftliche Aufgaben“

Dieser kraftvollen Verteidigung der Wirksamkeit seines Kurses stellte der Fed-Vorsitzende einen pessimistischen Wirtschaftsausblick gegenüber. Bernanke sprach von „beängstigenden wirtschaftlichen Aufgaben“. Trotz Verbesserungen sei die Lage weit davon entfernt, zufriedenstellend zu sein. Die Stagnation am Arbeitsmarkt sei eine „ernste“ Sorge. Sie bringe nicht nur Leiden mit sich, sondern füge als sich verfestigende Langzeitarbeitslosigkeit der Wirtschaft auch strukturelle Schäden zu. „Es ist wichtig, dass am Arbeitsmarkt Fortschritte erzielt werden“, sagte Bernanke. Die Arbeitslosenquote liegt bei 8,3 Prozent. Im zweiten Quartal wuchs die Wirtschaft mit einer Jahresrate von 1,7 Prozent.

Bernanke diskutierte in der Rede den Ankauf von Hypothekenpapieren nicht. Das ist ein Indiz, dass die Fed eher auf Staatsanleihen fokussiert. Als nahezu sicher gilt vielen Analysten, dass die Zentralbank im September ihre bedingte faktische Nullzinszusage bis mindestens 2015 verlängern wird. Täte sie das nicht, würde die Fed nach ihrem Denken die Geldpolitik straffen, weil die Restlaufzeit der Zinszusage immer kürzer wird. Debattiert wird in der Fed auch, ob ein Ankaufprogramm oder die Nullzinszusage unbefristet sein könnten oder an wirtschaftliche Erfolge wie eine bestimmte Arbeitslosenquote geknüpft werden sollten.

Warnung vor „ultralockerer Geldpolitik“

Die interne Debatte über die Notwendigkeit einer weiteren Lockerungsrunde ist indes noch nicht beendet. Der Präsident der Fed von Atlanta, Dennis Lockhart, sagte am Donnerstag eine „knappe Entscheidung“ für das Treffen im September voraus. Doch sind die schärfsten Kritiker einer Lockerung wie der Präsident der Dallas-Fed derzeit nicht stimmberechtigt und wohl auch in der Minderheit. Die Dallas-Fed veröffentlichte gerade ein Diskussionspapier von William White, dem früheren Leiter der Geld- und Wirtschaftsabteilung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. White warnt vor ungewollten Nebenwirkungen der „ultralockeren Geldpolitik“. Eine solche Politik gefährde etwa die Gesundheit der Finanzinstitute, riskiere Fehlfunktionen der Finanzmärkte und die Unabhängigkeit der Zentralbanken. „Einfach einer ultralockeren Geldpolitik zu folgen, ist keine Lösung des Problems“, schreibt White.

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Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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