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Geldpolitik Anleger nach Fed-Zinssenkung enttäuscht

26.06.2003 ·  Positive Konjunkturdaten überlagern die anfängliche Enttäuschung über die nur geringe Zinssenkung von 25 Basispunkten und stabilisieren den Arbeitsmarkt in Amerika.

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An der Wall Street haben sich die Aktienkurse einen Tag nach der jüngsten Zinssenkung der amerikanischen Zentralbank (Fed) stabilisiert. Die anfängliche Enttäuschung über den Zinsschritt von nur 25 Basispunkten wurde am Donnerstag von positiven Konjunkturdaten überlagert. In Amerika sind die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in dieser Woche auf 404 000 gefallen, das niedrigste Niveau seit drei Monaten. Dies ist ein weiterer Hinweis darauf, daß sich die Lage am Arbeitsmarkt stabilisiert.

Am Mittwoch hatte der Offenmarktausschuß der Fed den Zielsatz für Tagesgeld (Fed Funds) um 0,25 Prozentpunkte auf 1 Prozent zurückgenommen, wie in einem Teil der Auflage berichtet. Damit sind die Leitzinsen auf das niedrigste Niveau seit 45 Jahren gefallen. Investoren hatten aber offenbar einen größeren Zinsschritt erwartet. In Umfragen vor dem Beschluß hatte rund die Hälfte der befragten Händler an der Wall Street mit einer Zinssenkung um 0,5 Prozentpunkte gerechnet. Die großen Aktienindizes schlossen daher nach Bekanntgabe der Zinsentscheidung mit deutlichen Verlusten. Noch heftiger und nachhaltiger reagierte der Anleihehandel. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe kletterte binnen zwei Tagen um gute 20 Basispunkte auf 3,45 Prozent. Vor nicht ganz vierzehn Tagen war diese Rendite bis auf 3,07 Prozent gefallen.

Chancen und Risiken ausgeglichen

In ihrer Begründung für die Zinssenkung sprachen die Währungshüter zwar von positiven Konjunktursignalen, wie einem Anziehen der Investitionen, einer merklich verbesserten finanziellen Lage und einer Stabilisierung des Arbeitsmarktes. "Trotzdem muß die Konjunktur erst noch nachhaltiges Wachstum vorweisen", teilte die Fed mit. Die Chancen und Risiken für das Erreichen eines tragfahigen Wachstums seien in den nächsten Quartalen in etwa ausgeglichen.

Der starke Kursanstieg der Börse seit Mitte März fußt allerdings auf der Erwartung der Investoren, daß die Konjunktur in der zweiten Hälfte des Jahres deutlich anzieht. Im ersten Quartal 2003 war die Wirtschaft mit einer jährlichen Wachstumsrate von nur 1,4 Prozent gewachsen, wie das Handelsministerium am Donnerstag mitteilte. Diese Zahl wurde von zunächst 1,9 Prozent nach unten revidiert.

Fed warnt vor Deflationsrisiken

Auf sichere Indizien für ein Anziehen der Konjunktur müssen Händler weiter warten. "Die Auswirkung auf den Markt ist mehr Ungewißheit", kommentierte John Caldwell, Chefinvestmentstratege beim Vermögensverwalter McDonald Financial den Kommentar der Fed. Andere Händler rechnen für die kommenden Wochen mit zunehmenden Kursschwankungen.

Die Fed warnte zudem erneut vor Deflationsrisiken, also vor einem starken Rückgang des Preisniveaus, ohne das Wort Deflation konkret zu benutzen. "Die geringe Wahrscheinlichkeit eines unwillkommenen deutlichen Rückgangs der Inflation übertrifft die eines Anstiegs der Inflation", teilte die Fed mit. Volkswirte interpretierten das als Signal, daß die Fed die Zinsen auf absehbare Zeit niedrig halten will. Manche Händler hatten sich aber ein noch expliziteres Versprechen der Fed erwartet, die Zinsen in Zukunft niedrig zu halten und das Deflationsrisiko auszuschalten. Mit ihrem weniger drastischen Zinsschritt hielt sich die Fed aber die Möglichkeit einer weiteren Zinssenkung offen. "Wenn sich die Konjunktur nicht bessert, könnte die Fed die Zinsen bei ihrer Sitzung am 12. August möglicherweise um weitere 25 Basispunkte senken", sagte David Rosenberg, Chefvolkswirt von Merrill Lynch. Damit ist es vorerst auch unwahrscheinlich, daß die Fed zu drastischeren Maßnahmen wie den Kauf von Staatsanleihen im offenen Markt greift.

Quelle: nks. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2003, Nr. 146 / Seite 19
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