http://www.faz.net/-gv6-89plk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 03.11.2015, 10:43 Uhr

Analyse von Wertpapierdepots Seniorinnen sind die besten Anleger

Eine Analyse Tausender anonymisierter Anlegerdepots zeigt: Seniorinnen sind die besten Anleger. Allerdings kommt es auf die Marktphase an.

von
© dpa Das bessere Händchen? Der Studie zufolge erzielten die weiblichen Anleger höhere durchschnittliche Renditen als ihre männlichen Kollegen.

Sind Frauen die erfolgreicheren Anleger, oder sind es doch eher die Männer? Bringt die Lebenserfahrung des Alters dem Depot eine höhere Rendite als die Frische und Neugier der Jugend?

Kerstin Papon Folgen:

Die Direktbank ING Diba hat darauf eine klare Antwort: Die erfolgreichsten Anleger in Deutschland sind weiblich, mindestens 76 Jahre alt und kommen aus Hamburg. Diese Aussage beruht auf der durchschnittlichen Rendite, die von August 2014 bis August 2015 in fast 600.000 anonymisierten Kundendepots erzielt wurde.

Deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Zwar war die Durchschnittsrendite aller Wertpapierdepots mit 4,8 Prozent positiv. Gleichwohl hätten sich deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern ergeben, heißt es von der Direktbank. So hätten weibliche Anleger mit ihren Depots in dem Zeitraum eine durchschnittliche Rendite von 5,8 Prozent erzielt, männliche Kunden hätten es dagegen nur auf ein Plus von 4,1 Prozent gebracht. Auch mit Blick auf das Alter hat die Untersuchung deutliche Unterschiede zutage gefördert.

Mehr zum Thema

So hätten Privatanleger, die 76 Jahre oder älter waren, in dieser Zeit eine durchschnittliche Rendite von 6,5 Prozent erzielt – der mit Abstand höchste Wert, heißt es weiter. Danach folgen interessanterweise Minderjährige, also diejenigen Depotbesitzer, die 17 Jahre oder jünger waren, mit einer Rendite von 5,8 Prozent. Allerdings ist hier anzunehmen, dass sicherlich der ein oder andere Elternteil für den Erfolg der Juniordepots zumindest zum Teil mitverantwortlich sein dürfte.

Allgemeingültig sind solche Aussagen freilich nicht. Wichtig sind unter anderem die untersuchte Anlegergruppe und der Zeitraum. Doch auch die vier großen Direktbanken in Deutschland, zu denen neben der ING Diba auch Comdirect, Consors und die DAB Bank zählen, kommen bei einer Auswertung von Kundendepots für das vergangene Jahr zu einem ähnlichen Ergebnis. Demnach waren Frauen mit einer Wertentwicklung von durchschnittlich plus 4,6 Prozent mit ihren Depots erfolgreicher als Männer, die den Wert ihrer Portfolios nur um 3,6 Prozent gesteigert haben. Zudem hat auch in dieser Analyse abermals die ältere Anlegergeneration gepunktet. Denn im vergangenen Jahr besonders erfolgreich waren die mehr als 65 Jahre alten Investoren. Die Banken haben hierfür 1,6 Millionen Kundendepots ausgewertet, die vor allem Aktien und aktiennahe Produkte enthielten.

Konservatives Anlegeverhalten der Frauen

Die Direktbanken verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass Frauen in der Geldanlage generell weniger Risiken eingingen als Männer. So seien sie in den Risikoklassen „konservativ“ und „sicherheitsorientiert“ überdurchschnittlich vertreten, während in den Anlagekategorien „chancenorientiert“, „risikobereit“ oder „spekulativ“ vergleichsweise mehr Männer zu finden seien. Frauen gelten gemeinhin auch als besonnener und steter.

Und so erklärt sich der Erfolg der Frauen rasch. Denn die besseren Renditen im vergangenen Jahr führen die Direktbanken vor allem auf das konservative Anlageverhalten der Frauen und die besondere Marktsituation des Jahres 2014 zurück. In dem Jahr lief es für viele riskantere Anlagen wie Aktien zumindest unter dem Strich nicht besonders gut, während konservativere Anleihen mit ansehnlichen Renditen überraschten.

So hat zum Beispiel ein Aktienindex wie der Dax im vergangenen Jahr nur knapp 3 Prozent an Wert gewonnen, zehnjährige Bundesanleihen legten dagegen fast um 15 Prozent zu. Dieses Marktumfeld dürfte auch den Erfolg der älteren Anleger erklären. Denn ein Vergleich der verschiedenen Altersgruppen durch die Direktbanken zeigt, dass Anleger, die 65 Jahre oder älter sind, besonderen Wert auf Sicherheit legen. Aus ebendiesen Gründen könnte allerdings in diesem Jahr alles anders sein als im vergangenen. Denn bisher liegt der Dax rund 12 Prozent im Plus, Bundesanleihen bringen es dagegen bislang nur auf 1,4 Prozent.

Es kommt aber nicht immer auf die Perspektive und den Zeitraum, sondern freilich auf jedes einzelne Individuum an. Denn sind Frauen und Männer in ihrer Risikoneigung vergleichbar, dann sind sie auch in der Geldanlage ähnlich erfolgreich. Dies haben die Direktbanken ebenfalls festgestellt. Dazu passt auch eine Studie von Alessandro Previtero. Der Ökonom hat unter anderem den Einfluss des Hormons Testosteron auf das Anlageverhalten von Zwillingen untersucht (F.A.Z. vom 12. September). Previtero kam zu dem Ergebnis, dass Frauen, die einen Zwillingsbruder und damit einen etwas höheren Testosteronspiegel haben, Geld riskanter und damit männlicher anlegen als die Frauen, die eine Zwillingsschwester haben.

Urteil Bundesgerichtshof Bausparkassen dürfen Altverträge kündigen

Das Ende gut verzinster Bausparverträge ist gekommen: Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Altverträge von den Bausparkassen gekündigt werden können - sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Mehr 53

Name Kurs %
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --
Gold -- --

Abonnieren Sie „Finanzen“

Zur Homepage