http://www.faz.net/-gv6-89plk

Analyse von Wertpapierdepots : Seniorinnen sind die besten Anleger

Das bessere Händchen? Der Studie zufolge erzielten die weiblichen Anleger höhere durchschnittliche Renditen als ihre männlichen Kollegen. Bild: dpa

Eine Analyse Tausender anonymisierter Anlegerdepots zeigt: Seniorinnen sind die besten Anleger. Allerdings kommt es auf die Marktphase an.

          Sind Frauen die erfolgreicheren Anleger, oder sind es doch eher die Männer? Bringt die Lebenserfahrung des Alters dem Depot eine höhere Rendite als die Frische und Neugier der Jugend?

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Direktbank ING Diba hat darauf eine klare Antwort: Die erfolgreichsten Anleger in Deutschland sind weiblich, mindestens 76 Jahre alt und kommen aus Hamburg. Diese Aussage beruht auf der durchschnittlichen Rendite, die von August 2014 bis August 2015 in fast 600.000 anonymisierten Kundendepots erzielt wurde.

          Deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern

          Zwar war die Durchschnittsrendite aller Wertpapierdepots mit 4,8 Prozent positiv. Gleichwohl hätten sich deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern ergeben, heißt es von der Direktbank. So hätten weibliche Anleger mit ihren Depots in dem Zeitraum eine durchschnittliche Rendite von 5,8 Prozent erzielt, männliche Kunden hätten es dagegen nur auf ein Plus von 4,1 Prozent gebracht. Auch mit Blick auf das Alter hat die Untersuchung deutliche Unterschiede zutage gefördert.

          So hätten Privatanleger, die 76 Jahre oder älter waren, in dieser Zeit eine durchschnittliche Rendite von 6,5 Prozent erzielt – der mit Abstand höchste Wert, heißt es weiter. Danach folgen interessanterweise Minderjährige, also diejenigen Depotbesitzer, die 17 Jahre oder jünger waren, mit einer Rendite von 5,8 Prozent. Allerdings ist hier anzunehmen, dass sicherlich der ein oder andere Elternteil für den Erfolg der Juniordepots zumindest zum Teil mitverantwortlich sein dürfte.

          Allgemeingültig sind solche Aussagen freilich nicht. Wichtig sind unter anderem die untersuchte Anlegergruppe und der Zeitraum. Doch auch die vier großen Direktbanken in Deutschland, zu denen neben der ING Diba auch Comdirect, Consors und die DAB Bank zählen, kommen bei einer Auswertung von Kundendepots für das vergangene Jahr zu einem ähnlichen Ergebnis. Demnach waren Frauen mit einer Wertentwicklung von durchschnittlich plus 4,6 Prozent mit ihren Depots erfolgreicher als Männer, die den Wert ihrer Portfolios nur um 3,6 Prozent gesteigert haben. Zudem hat auch in dieser Analyse abermals die ältere Anlegergeneration gepunktet. Denn im vergangenen Jahr besonders erfolgreich waren die mehr als 65 Jahre alten Investoren. Die Banken haben hierfür 1,6 Millionen Kundendepots ausgewertet, die vor allem Aktien und aktiennahe Produkte enthielten.

          Konservatives Anlegeverhalten der Frauen

          Die Direktbanken verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass Frauen in der Geldanlage generell weniger Risiken eingingen als Männer. So seien sie in den Risikoklassen „konservativ“ und „sicherheitsorientiert“ überdurchschnittlich vertreten, während in den Anlagekategorien „chancenorientiert“, „risikobereit“ oder „spekulativ“ vergleichsweise mehr Männer zu finden seien. Frauen gelten gemeinhin auch als besonnener und steter.

          Und so erklärt sich der Erfolg der Frauen rasch. Denn die besseren Renditen im vergangenen Jahr führen die Direktbanken vor allem auf das konservative Anlageverhalten der Frauen und die besondere Marktsituation des Jahres 2014 zurück. In dem Jahr lief es für viele riskantere Anlagen wie Aktien zumindest unter dem Strich nicht besonders gut, während konservativere Anleihen mit ansehnlichen Renditen überraschten.

          So hat zum Beispiel ein Aktienindex wie der Dax im vergangenen Jahr nur knapp 3 Prozent an Wert gewonnen, zehnjährige Bundesanleihen legten dagegen fast um 15 Prozent zu. Dieses Marktumfeld dürfte auch den Erfolg der älteren Anleger erklären. Denn ein Vergleich der verschiedenen Altersgruppen durch die Direktbanken zeigt, dass Anleger, die 65 Jahre oder älter sind, besonderen Wert auf Sicherheit legen. Aus ebendiesen Gründen könnte allerdings in diesem Jahr alles anders sein als im vergangenen. Denn bisher liegt der Dax rund 12 Prozent im Plus, Bundesanleihen bringen es dagegen bislang nur auf 1,4 Prozent.

          Es kommt aber nicht immer auf die Perspektive und den Zeitraum, sondern freilich auf jedes einzelne Individuum an. Denn sind Frauen und Männer in ihrer Risikoneigung vergleichbar, dann sind sie auch in der Geldanlage ähnlich erfolgreich. Dies haben die Direktbanken ebenfalls festgestellt. Dazu passt auch eine Studie von Alessandro Previtero. Der Ökonom hat unter anderem den Einfluss des Hormons Testosteron auf das Anlageverhalten von Zwillingen untersucht (F.A.Z. vom 12. September). Previtero kam zu dem Ergebnis, dass Frauen, die einen Zwillingsbruder und damit einen etwas höheren Testosteronspiegel haben, Geld riskanter und damit männlicher anlegen als die Frauen, die eine Zwillingsschwester haben.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Geisteszustand des Präsidenten : Ist Donald Trump verrückt?

          Etliche Psychiater in den Vereinigten Staaten machen sich Sorgen um den Geisteszustand von Präsident Donald Trump. Dessen Verhalten ist zwar grenzwertig. Doch spiegelt es vor allem die Gesellschaft wider, die ihn an die Macht befördert hat.

          Sexskandal in Hollywood : Entmachtet die Despoten!

          Von sexuellem Missbrauch mag nicht jeder gewusst haben, von Harvey Weinsteins Schreckensherrschaft als Chef aber schon. Warum lässt man Leute wie ihn gewähren?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.