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Digitales Banking : Mein Berater, der programmierte Roboter

Der Roboter, neuer Freund und Helfer im Bankgeschäft. Bild: Getty

Junge Internetfirmen behaupten, die Geldanlage zu revolutionieren. Sie wollen die Bankberatung durch intelligente Programme ersetzen. Ist unser Erspartes bei ihnen in guten Händen?

          Was sind eigentlich Bank-Roboter, genannt Robo Advisors?

          Robo Advisor, das klingt topmodern und gilt in der Geldanlage als zukunftsweisend, aber eigentlich führt die Bezeichnung in die Irre. Zum einen ist der Begriff ursprünglich ein Spottname, ersonnen von amerikanischen Vermögensverwaltern, die sich über spezielle Start-ups aus der Finanzbranche lustig machen wollten. Zum anderen haben Robo Advisor rein gar nichts mit Robotern zu tun, wie man sie aus Science-Fiction-Filmen oder der Industrie kennt. Bei den Robos handelt es sich um ausgeklügelte Computerprogramme, dank deren die Geldanlage möglichst bequem, transparent und ertragbringend vonstattengehen soll. Der deutsche Begriff bezeichnet am besten, was Robo Advisor sind: digitale Vermögensverwalter.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was diese Online-Vermögensverwalter dem Anleger bieten, ist ein mehr oder weniger breites Spektrum von Muster-Portfolios. Diese setzen sich im Allgemeinen zusammen aus Exchange Traded Funds (ETF), die die Wertentwicklung eines Börsenbarometers wie des Dax oder von Anleihen nachbilden. Einfache Robo Advisor wie Vaamo setzen nur auf wenige ETF eines Anbieters. Neuere Vermögensverwalter wie Scalable Capital und Whitebox haben ein breiteres Anlagespektrum, wozu auch Rohstoff-ETF und Immobilienfonds gehören. Liqid eröffnet sogar den Zugang zu Private-Equity-Fonds; allerdings nur für Anleger, die mindestens 250 000 Euro mitbringen. Wenn die Software immer ausgereifter wird, „werden sicherlich auch weitere Produkte über Robo Advice automatisiert verwaltet“, sagt Thomas-Frank Dapp von der Deutschen Bank.

          Woher weiß ein Robo Advisor, wie ich mein Geld am liebsten anlege?

          Als Erstes muss sich jeder Anleger selbst darüber klarwerden, welches Risiko er eingehen will. Die entsprechende Einschätzung erfolgt bei einem digitalen Anbieter kaum anders als bei einem Bankberater - nur dass nicht ein Mensch die Fragen stellt, sondern ein Computer.

          Je nach Online-Anbieter muss ein Kunde einen Katalog von bis zu einem Dutzend Fragen beantworten: zur Person, zu den Anlagezielen, zum gewünschten Anlagezeitraum und vor allem zur Risikoneigung. Hat der Anleger alles offengelegt, wird ihm ein Muster-Portfolio angeboten, das seiner Risikoeinschätzung entspricht. Einem Anleger, der sich als mittelmäßig risikofreudig entpuppt hat, wird in der Regel ein Portfolio nahegelegt, das etwa zu gleichen Teilen aus Aktien- und Anleihen-ETF besteht. Je mehr Risiko ein Anleger in Kauf nimmt, desto größer fällt der vorgeschlagene Aktienanteil aus.

          Sind diese Robo Advisor für mich geeignet?

          Die digitalen Vermögensverwalter richten sich keineswegs nur an junge Erwachsene, die mit dem Internet groß geworden sind und ihr Geld ohne großen Aufwand und mit Hilfe schicker Apps vermehren wollen. Die meisten Kunden dieser Vermögensverwalter sind derzeit Akademiker mittleren Alters. Und zwar vor allem solche, die wissen, dass bei einer vernünftigen Geldanlage kein Weg an Aktien vorbeiführt, die sich aber nicht regelmäßig tiefgehend mit der Zusammensetzung und Pflege ihres Portfolios beschäftigen wollen. Den neuen digitalen Anbietern wenden sich auch vermehrt Großverdiener zu, die aber nicht unbedingt sechsstellige Beträge anlegen wollen und deshalb von Banken kaum noch individuell beraten werden. Zumal den Banken vor allem daran gelegen ist, ihre eigenen Finanzprodukte an den Kunden zu bringen. Unabhängige Honorarberater sind besser, aber teurer als Robo Advisor.

          Kann ich mein Geld nicht selbst besser anlegen?

          Wer sich ausreichend mit Finanzprodukten auskennt, sich Zeit nimmt und Gebühren sparen will, der kann sich ein Portfolio über einen Online-Broker selbst zusammenstellen. Er muss aber hart im Nehmen sein und der Versuchung erliegen, in schwankungsreichen Zeiten überstürzt zu handeln: also panisch zu verkaufen, sobald die Börsenkurse sinken, oder überteuert einzusteigen, wenn die Kurse weit oben liegen. Die Algorithmen der Robo Advisor bleiben immer cool.

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