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Veröffentlicht: 31.05.2017, 12:41 Uhr

Nervosität auf den Märkten Italien ist das größte Risiko für Europas Börsen

Besorgt blicken die Märkte derzeit nach Italien. Denn bei Wahlen im September kann die eurokritische Fünf-Sterne-Bewegung auf deutliche Zugewinne hoffen. Experten raten bereits zum Verkauf von Staatsanleihen.

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© dpa Bitterer Ernst: Der frühere Komiker Beppe Grillo ist Gründer der eurokritischen Fünf-Sterne-Bewegung.

Die Hoffnungen nach den Frankreich-Wahlen auf eine Beruhigung an den europäischen Finanzmärkten kann verfrüht gewesen sein. Denn seit Anfang dieser Woche wird an den Börsen des Euroraums ein neues politisches Risiko gehandelt: ein Erfolg der eurokritischen Fünf-Sterne-Bewegung in Italien bei vorgezogenen Neuwahlen in diesem Jahr. Die Bewegung um den früheren Komiker Beppe Grillo, der Wähler sowohl rechts- als auch linksaußen anzieht, strebt ein Referendum über den Verbleib Italiens im Euroraum an.

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Derzeit kommt seine Partei in Umfragen auf 30 Prozent und liegt damit gleichauf mit der regierenden Demokratischen Partei, die mit den Sozialdemokraten vergleichbar sind. „Plötzlich wird den Investoren wieder klar, dass der Euroraum ein politisch fragiles Gebilde bleibt“, lautete der Kommentar von Dirk Gojny, Analyst der National-Bank. An den Finanzmärkten sind die Neuwahlen in Italien das derzeit dominierende Thema.

Infografik / FTSE MIB Index © F.A.Z. Vergrößern

Am Dienstag erholte sich der Leitindex der Mailänder Börse, der FTSE MIB, um 0,2 Prozent auf 20821 Punkte. Aber am Montag war er um mehr als 2 Prozent abgesackt, während sich die restlichen Börsen in Europa deutlich besser halten konnten. Auch an den Anleihemärkten zeigt sich die wachsende Nervosität. Derzeit verlangen Investoren für die zehnjährige Staatsanleihe Italiens eine Rendite von fast 2,2 Prozent. Damit liegt der Risikoaufschlag für das unter einer hohen Staatsverschuldung, maroden Banken und einem schwachen Wirtschaftswachstum leidenden Land bei 1,9 Prozentpunkten gegenüber Bundesanleihen. Das ist der höchste Abstand seit vier Wochen.

Renzi löst Italien-Sorge aus

Ausgelöst hatte die Italien-Sorgen der frühere Ministerpräsident Matteo Renzi, der vorgezogene Neuwahlen schon in diesem Jahr ins Spiel gebracht hatte. Seiner Ansicht nach könnten diese schon am 24. September, also dem Tag der Bundestagswahlen, stattfinden. Der Vorsitzende der Demokratischen Partei hatte im vergangenen Dezember ein Referendum zur Abschaffung des Zweikammersystems aus Senat und Abgeordnetenhaus verloren und war zurückgetreten. Seiner Aussage zufolge stehen die wichtigsten Parteien vor einer Einigung beim Wahlrecht, womit es möglich wäre, die ursprünglich erst für Mai 2018 geplanten Wahlen auf dieses Jahr vorzuziehen. Dadurch könnte die Unsicherheit am Markt beendet werden, hofft Renzi. Es ist möglich, dass Italien ein Verhältniswahlrecht mit einer Fünf-Prozent-Hürde einführt.

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Die Analysten der Commerzbank halten es dann für weniger wahrscheinlich, dass die Fünf-Sterne-Bewegung eine Regierung bilden kann. Der Deutsche-Bank-Analyst Jim Reid sieht noch einige Hürden für das Vorziehen der Wahlen. So verweist er auf die erst für Oktober vorgesehene Verabschiedung des Haushalts für das Jahr 2018. Schließlich seien die Probleme im italienischen Bankensektor noch zu groß, als dass sie vernachlässigt werden könnten. Diese Unsicherheiten dürften nach Einschätzung der Analysten von der französischen Großbank Société Générale noch über den Sommer hinweg bestehen, weil solange nicht das letzte Wort über den Wahltermin gefallen sein dürfte. Deshalb raten sie, italienische Staatsanleihen zu verkaufen.

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