http://www.faz.net/-gv6-7wney
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 23.11.2014, 10:27 Uhr

Negativzinsen Angriff auf die Sparer

Die Banken geben die Strafzinsen der Europäischen Zentralbank an ihre Kunden weiter. Wer gedacht hat, als kleiner Sparer ungeschoren davonzukommen, hat sich gehörig getäuscht. Denn die Banken kennen einige Tricks.

von
© Getty

Ein Volk ist fassungslos. In einem Land, das seit den Tagen Luthers die Sparsamkeit zum Ideal erhoben hat, wird Sparen auf einmal bestraft. Ordnung, Fleiß und Sparsamkeit: diese drei waren vielen Deutschen sogar wichtiger gewesen als Glaube, Liebe, Hoffnung. Doch jetzt wird der Zins, der treue Lohn des Sparers, auf einmal negativ – und damit gleichsam zu einer Strafe für mangelnde Ausgabenfreude. Eine Nationaltugend wird zur Farce. Anfangs schien es, als träfe es nur einige wenige. Jetzt zeigt sich: Die Tricks der Banken kennen keine Grenzen.

Christian Siedenbiedel Folgen:

Fünf Monate ist es jetzt her, dass Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, in der Eurozone Strafzinsen für Banken einführte, die Geld bei der Zentralbank deponieren wollen. Erst minus 0,1, dann minus 0,2 Prozent. Spätestens seit der vergangenen Woche ist klar: Die Banken geben diese Kosten weiter – die Last tragen am Ende alle, die Geld sparen.

Zuerst traf es vor allem die Unternehmen und die sehr Vermögenden unter den Bankkunden. Es war wie beim Domino: Eine Bank nach der anderen gab bekannt, dass sie Geld dafür verlangt, dass Kunden große Summen bei ihr deponieren dürfen. Allerdings: „Strafzinsen“ nennen die Banken das nicht so gern. Das ist so ein hässliches Wort. Die Commerzbank beispielsweise spricht lieber von „Guthabengebühren“. Das klingt nett, nach einem kleinen Obolus für die sichere Verwahrung von Geld im Tresor.

Sparda-Bank macht es vor

Wer gedacht hat, als kleiner Sparer womöglich ungeschoren davonzukommen, hat sich gehörig getäuscht. Hans-Peter Burghof, Bankenprofessor in Stuttgart, hatte schon gleich nach Mario Draghis Entscheidung für negative Zinsen gewarnt: „Die Banken werden alles tun, was in ihrer Möglichkeit steht, um die negativen Zinsen, die sie selbst zahlen, an ihre Kunden weiterzugeben.“ Genau das passiert im Augenblick.

Infografik / Geldanlegen wird bestraft © F.A.Z. Vergrößern

Berlin, Storkower Straße im Stadtteil Prenzlauer Berg: Hier hat die Sparda-Bank Berlin ihren Sitz. Die Spar- und Darlehenskasse – das war klassischerweise stets ein Beleg dafür, dass es das noch gibt: ehrliches Banking. Die Bank, einst von Eisenbahnern gegründet, war vor allem für ihr kostenloses Girokonto beliebt. Dazu gab es gratis eine EC-Karte. Und auch für die Kreditkarte verlangte sie niedrige Gebühren.

Fast gleichzeitig mit den Nachrichten aus der Commerzbank bekamen nun auch die Kunden der Sparda-Bank eine Mitteilung. Weil die Bank von den Kunden keine Negativzinsen verlangen wolle, erhöhe sie jetzt die Gebühren. Das gebührenfreie Girokonto gibt es fortan nur noch für Genossenschaftsmitglieder mit regelmäßigem Gehaltseingang. Die Bankkarte kostet nun extra. Und die Kreditkarte wird teurer. „Als Genossenschaftsbank sind wir unseren Mitgliedern gegenüber verpflichtet, kostendeckend zu wirtschaften“, begründete eine Banksprecherin den Schritt.

Gebührenerhöhung statt Negativzins

Dabei war es ausgerechnet der Chef des Sparda-Banken-Verbands gewesen, der im Frühjahr vollmundig erklärt hatte: „Unseren Sparkunden sind Minuszinsen nicht begreiflich zu machen. Die schwäbische Hausfrau steht kopf, wenn sie fürs Sparen zahlen muss.“

Und jetzt das. Es ist offenkundig: Wo die Banken sich nicht trauen, formal negative Zinsen auf Konten zu erheben – da drehen sie an der Gebührenschraube.

So ähnlich soll es in Dänemark gewesen sein, als die Notenbank einmal negative Leitzinsen einführte. Das Ziel war damals in der Euro-Krise, die Flucht in die dänische Krone zu stoppen. Die dänischen Banken führten daraufhin zwar keine negativen Zinsen für Privatanleger ein – zu groß war die Angst, dass die Leute die Schalter stürmen, um ihr Geld daheim unterm Kopfkissen zu verstecken. Aber verzichteten deshalb die Bankvorstände auf einen Teil ihres Gehalts, um die höheren Kosten auszugleichen? Weit gefehlt. Stattdessen erhöhten die Banken für ihre Kunden die Gebühren, und zwar an allen möglichen Stellen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite

Wichtigste Renditen der Welt Sichere Anlagen sind nicht sicher

Es ist eine spektakuläre Datenanalyse über die Renditen der wichtigsten Kapitalanlagen seit dem 19. Jahrhundert: Ein Bonner Ökonom rüttelt die Finanzszene auf, indem er zeigt, dass vermeintlich sichere Anlagen durchaus nicht sicher sind. Mehr Von Gerald Braunberger 27 31

Name Kurs %
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --
Gold -- --

Abonnieren Sie „Finanzen“