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Veröffentlicht: 23.02.2017, 15:57 Uhr

Nachhaltigskeitsbanken Investieren in das Hühnermobil

Bei Nachhaltigkeitsbanken sollen Investition zu einem positiven gesellschaftlichen Wandel beitragen. Doch auch die gutgesinnten Finanzhäuser haben mit Problemen zu kämpfen.

von
© Esra Klein Hauptsache Gutes tun: Georg Schürmann ist kein gewöhnlicher Banker.

Für einen Banker denkt Georg Schürmann in ungewöhnlichen Einheiten: Den Erfolg seiner Bank im Jahr 2016 bemisst er nicht so sehr in Eigenkapitalrendite oder Zinsüberschuss. Seine Jahrespressekonferenz eröffnet der Deutschlandchef der Triodos-Bank lieber mit einer Aufzählung, wie die Finanzierungen seines Hauses zum „positiven Wandel in der Gesellschaft“ beigetragen haben: 1,2 Millionen Haushalte habe man zum Beispiel mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt und dadurch 1,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart, 2 Millionen Menschen wurde der Besuch von Bildungseinrichtungen ermöglicht.

Tim  Kanning Folgen:

Die in den Niederlanden sitzende Triodos-Bank ist ganz auf sogenanntes Nachhaltigkeitsbanking fokussiert. Eine ganze Reihe von Banken verspricht ihren Kunden inzwischen, mit dem Geld, das sie bei ihnen anlegen, nur Gutes und aus ihrer Sicht ethisch einwandfreie Projekte zu finanzieren – und verzeichnet damit seit einigen Jahren kräftige Wachstumszahlen. Zu den bekanntesten Häusern zählen die GLS-Bank, die Ethikbank und die Umweltbank.

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Zwar ist die Triodos-Bank in Deutschland mit gerade einmal 13.000 Kunden sogar im Vergleich zu Sparkassen und Volksbanken noch winzig. Aber seit sie vor acht Jahren hierzulande als reine Internetbank an den Start gegangen ist, konnte sie jedes Jahr zweistellig wachsen; im vergangenen Jahr stieg die Kundenzahl um 15 Prozent. Inzwischen bietet sie Anlegern auch nicht mehr nur ein Tagesgeldkonto, sondern will mit einem kompletten Girokonto zur vollwertigen Hausbank ihrer Kunden werden. Noch nutzen das gerade einmal 5000 Kunden. Aber vor allem das neue Zahlungskontengesetz, das im vergangenen September den Wechsel der Bankverbindung deutlich vereinfacht hat, habe zu einem kräftigen Zustrom geführt, sagt Schürmann.

Schwieriges Marktumfeld für Nachhaltigskeitsbanken

Ähnlich sieht das bei der GLS-Bank in Bochum aus – nur dass der deutsche Marktführer unter den Gut-Banken schon etwas größer ist. Als der Vorstandsvorsitzende Thomas Jorberg kürzlich die Jahreszahlen für 2016 präsentierte, sprach er von einem Zuwachs von 29.000 auf nun 210.000 Kunden und einem um 14 Prozent gewachsenen Kundengeschäftsvolumen. „Aktuell stellen sich immer mehr Menschen die Frage, wie sich Wirtschaft und Banken nicht nur den materiellen Gewinn Einzelner, sondern vermehrt den sozialen und ökologischen Wohlstand aller zum Ziel machen können“, sagte Jorberg. „Gerade heute, wo Egoismen und Nationalismus wieder populär erscheinen, ist dies ein wichtiges Anliegen vieler Kundinnen und Kunden der GLS-Bank.“

Dabei bekommen auch die Nachhaltigskeitsbanken das schwierige Marktumfeld zu spüren. Wie bei herkömmlichen Instituten auch, lässt die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank die Erträge im Zinsgeschäft dahinschmelzen. Schürmann stellt seither einen deutlich stärkeren Wettbewerb unter den Banken fest. Die GLS-Bank hat wegen der Negativzinsen in diesem Jahr einen Grundbeitrag eingeführt, den alle Kunden und Mitglieder abtreten müssen. Er liegt in der Regel bei 5 Euro im Monat, zuzüglich zu den 3,80 Euro Kontoführungsgebühr, und ist eine neue Art, die Kunden an den Negativzinsen zu beteiligen, die Banken an die EZB abtreten müssen, wenn sie dort überschüssige Einlagen parken. Auch die Ethikbank hat gerade angekündigt, die Einführung eines „Zusatzbeitrages“ zu prüfen. Man weiß allerdings noch nicht, ob er pauschal oder als Gebühr für bestimmte Dienstleistungen erhoben werden soll.

Überschaubare Kundenzahl birgt Vorteile

Die gutgesinnten GLS-Kunden scheint der Solidaritätszuschlag aber offenbar nicht zu stören. „Unser Eindruck ist bisher nicht, dass die Zahl der Kündigungen durch den GLS-Beitrag bemerkenswert gestiegen ist“, sagte Jorberg. Auch neue Kunden lassen sich davon offenbar nicht abschrecken. Für sie zählt offenbar das Versprechen mehr, dass die Bank kein Geld in Rüstungsfirmen, Atomenergie oder Gentechnik steckt. Sie schauen sich lieber die Porträts von Kunden an, mit denen die Alternativbanken auf ihren Internetseiten in der Regel ausführlich beschreiben, welche Projekte sie finanzieren – ob vegane Schokolade aus Rostock oder Demeter-Honig aus Stuttgart.

Die Triodos-Bank hat in den vergangenen Jahren vor allem Projekte rund um die erneuerbaren Energien gefördert. Viele Wind- und Solarparks finden sich in ihrem Kreditportfolio. Mit Blick auf die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes erwartet Schürmann allerdings, dass das Geschäft spätestens im Jahr 2018 schwieriger werden dürfte. Das Kreditportfolio will er daher nun breiter aufstellen. Auch „nachhaltige Immobilien“ wie eine zum Bürogebäude umgebaute Malzfabrik in Berlin, Waldorfschulen und der Hersteller eines Hühnermobils zählen nun zu den Finanzierungspartnern. Das Kreditvolumen konnte die Bank im Jahr 2016 um gut ein Fünftel steigern auf nun 250 Millionen Euro.

Die überschaubare Kundenzahl hat hier auch ihren Vorteil: Anders als die meisten Institute in Deutschland hat die Triodos-Bank nahezu die gesamten Einlagen ihrer Kunden in Form von Krediten ausgereicht und muss kein Geld bei der Zentralbank parken. Die Notwendigkeit, wie die GLS-Bank einen Zusatzbeitrag von den Kunden zu verlangen, sieht Schürmann daher nicht.

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