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Veröffentlicht: 16.06.2017, 09:40 Uhr

Direkt-Investments Magellan-Anleger könnten bald Geld bekommen

Anleger, die Container bei der insolventen Magellan Maritime gekauft hatten, könnten schon bald Geld erhalten. Doch wohl nur etwa halb so viel wie erhofft.

von
© AP Magellan: Die Container-Investments sind zur Hälfte abgesoffen. Manche auch ganz.

Die Insolvenz des Anbieters von Direkt-Investments in Containern, Magellan Maritime, könnte zügig zu Ende gehen. Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt wird den Anlegern jetzt ein Angebot vorlegen, ihre Container an einen Anbieter von Container-Fonds zu verkaufen.

Martin Hock Folgen:

Magellan hatte Anlegern Container veräußert, die an meist südostasiatische Reedereien vermietet waren und gleichzeitig ein Rückkaufangebot gemacht. Dabei wurde unter anderem damit geworben, dass jeder Anleger einen genau zuordenbaren Container erhalte. Das sei dann ein sicheres Investment in Sachwerte.

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Nach der Insolvenz im vergangenen Jahr kam es zu juristischen Auseinandersetzungen darüber, ob das Direkt-Investment überhaupt rechtsgültig sei. Hintergrund war die Befürchtung von Anwälten, die Container könnten sozusagen in der Insolvenzmasse verschwinden und die Anleger trotz erworbenen Eigentums nicht vorrangig behandelt werden.

Es ging dabei jedoch nie darum, dass die Anleger das Eigentum an ihren Containern tatsächlich individuell übernehmen sollten. Denn das war von diesen weder gewollt gewesen noch hätten sie die Schiffskisten selbst je wirklich verwalten können.

Erste Ausschüttung schon 2017 möglich

Daher blieb die Aufgabe, eine Lösung für die Container zu finden, doch bei Insolvenzverwalter Borchardt. Nun also hat der Container-Fonds-Spezialist Buss Capital ein Angebot vorgelegt und will die Behälter für 160 Millionen Euro kaufen. Sollte sich das Portfolio gut entwickeln, ist Buss sogar bereit, später noch einmal 15 Millionen Dollar nachzuzahlen. Dollar deswegen, weil die Vermietung in Dollar abgewickelt wird und Buss das Wechselkursrisiko nicht tragen will.

„Die ersten 100 Millionen Euro könnte ich bis Jahresende ausschütten“, wirbt Borchardt für das Anbot. Dem sollen die Kapitalanleger bis Monatsende allerdings schriftlich noch eindeutig zustimmen, bevor der Vertrag unterzeichnet werden kann. „Buss möchte sicherstellen, dass der Verkauf durch einen breiten Konsens getragen wird“, so Borchardt.

Keine bessere Alternative

So richtig schmecken wird den Anlegern das Angebot letztlich nicht. Einschließlich der möglichen Erfolgsbeteiligung entspricht der Verkaufspreis nur rund der Hälfte dessen, was sich die Anleger von dem Investment versprochen hatten.

Das liegt zum einen daran, dass Magellan den Anlegern zum einen fixe Mieten gezahlt hatte. Zum anderen aber daran, dass Rückkaufwerte für die Container in Aussicht gestellt worden waren, die weit von dem entfernt sind, was für Container aktuell bezahlt wird. Magellan hatte diese seinerzeit wohl auch dann noch bezahlt, als dies durch die Gegebenheiten nicht mehr zu rechtfertigen war. Wie viel der einzelne Anleger am Ende verliert, dürfte daher davon abhängen, was er bislang vereinnahmt hat.

Zwar gibt es eine Alternative, doch die scheint nicht viel verlockender. Borchardt bietet an, die Abwicklung selbst vorzunehmen. Die Container würden bis zum Ablauf der Verträge weiter vermietet und anschließend verkauft.

Nach seiner Rechnung hätten die Anleger aber am Ende nicht mehr davon. Er prognostiziert die möglichen Erlöse auf 128 bis 178 Millionen Euro, je nachdem wie sich Dollarkurs und Containerpreise entwickeln. Zudem wäre eine erste Abschlagszahlung erst 2019 möglich. Und während im Fall des Verkaufs an Buss die Schlussverteilung spätestens 2024 erfolgen sollte, würde es sich im Abwicklungsfall wohl zwei Jahre länger hinziehen.

Einige könnten leer ausgehen

Obendrein könne man nicht sagen wie sich die Leasingraten entwickeln. Der gute Preis, den Buss zu zahlen bereit sei, sei auch deswegen zustande gekommen, weil die Raten und Containerpreise weltweit zuletzt deutlich stiegen. Auf weitere Preissteigerungen zu spekulieren sei aber grob fahrlässig.

Für einige Anleger dürfte es ganz bitter werden. Denn da ein Insolvenzverwalter nur verwerten kann, was vorhanden ist, erhalten nur diejenigen Anleger Geld, deren Container auch vorhanden sind. Tatsächlich aber wurden auch Container irreparabel beschädigt oder sind auf See über Bord gegangen. Wieder andere waren vom Hersteller nach der Insolvenz nicht mehr ausgeliefert worden, weil Magellan sie nicht bezahlt hatte. Und einige sind einfach nicht vorhanden.

„Der Gläubigerausschuss, der überwiegend aus Vertretern der Anleger besteht, hat dem Buss-Angebot schon zugestimmt. Das empfehle man auch den Anlegern, so dessen Sprecher Jörn Weitzmann. Buss war aus zunächst sechs potentiellen Käufern der einzige, mit dem man sich am Ende fristgerecht einig wurde. Zudem habe das Unternehmen auch als einziges einen soliden Finanzierungsnachweis geliefert, sagt Borchardt.

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Von Daniel Mohr

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